Olise als entscheidender Joker: Die Leipzig-Gala zeigt eine ganz besondere Qualität der Bayern

Der FC Bayern zeigt einmal mehr seine Comeback-Qualitäten: Nach einem Rückstand gegen RB Leipzig dreht die Mannschaft auf und sichert sich mit einer starken zweiten Halbzeit den Sieg. Michael Olise beeindruckt als Joker und trägt entscheidend zum Erfolg bei.
Patrick Strasser |
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Michael Olise steuerte nach seiner Einwechslung gegen Leipzig gleich vier Scorerpunkte bei.
Michael Olise steuerte nach seiner Einwechslung gegen Leipzig gleich vier Scorerpunkte bei. © Jan Woitas/dpa

Kann man mal so machen. Da wird Michael Olise von Bayern-Trainer Vincent Kompany wegen der Vielzahl an Spielen im Januar zunächst draußen gelassen und geschont. Dann kommt der französische Flügelspieler nach einer knappen Stunde beim Stand von 1:1 bei RB Leipzig für den diesmal eher mauen Jungstar Lennart Karl ins Spiel und hinterlässt auch als Kurzarbeiter eine beeindruckende Visitenkarte: Vier Scorerpunkte. Drei Vorlagen, zum 2:1, 3:1 und 4:1, und als krönender Abschluss ein eigener Treffer. Vorbereitet von Comebacker Jamal Musiala – ein Träumchen für die Beteiligten.

Interessant dabei auch Folgendes: Bei einem freiwilligen Verzicht auf den besten Flügelstürmer der Bundesliga hätte es früher ein Aufstöhnen gegeben, viele Fragen an den Trainer und offene Münder. Heute sieht die Reaktion eben so aus: Tja – na, und? Der Gedanke hinter dem Verzicht auf Olise als Startelfspieler: Die Gegenspieler werden sich schon austoben und kaputt laufen. So genießt der 24-Jährige im letzten Drittel der Partie mehr oder weniger Narrenfreiheit über die rechte Seite und macht die Gegner mit seinen Dribblings und Vorlagen platt. Gedacht, getan. Guter Plan, sehr gute Leistung.

Jürgen Klinsmann, selbst ehemaliger Stürmer und Trainer der Bayern, traut dem Flügelspieler sogar den Weltfußballertitel zu. "Ja. Wenn Bayern die Champions League gewinnt", antwortete Klinsmann am Rande des Legend Cups auf die Frage, ob Olise als Spieler des Rekordmeisters den Ballon d'Or gewinnen könne.

Bayern tut sich in der ersten Halbzeit schwer, dreht dann aber richtig auf

Ob die Bayern wegen Olises Absenz in der ersten Halbzeit den Leipzigern in den meisten Belangen unterlegen waren? Nicht nur. Sie wurden vom Pressing der Gastgeber und der aggressiven Offensivpower mit schnellem Umschaltspiel etwas überrumpelt. Zumindest funktionierte die neu gestaltete rechte Seite mit den beiden Linksfüßern Tom Bischof und davor Lennart Karl naturgemäß nicht wie mit Konrad Laimer (Muskelfaserriss) und eben Olise. Aber was soll's? Ein Pausenrückstand? Pah! Für diese Bayern eher Motivation als Rückschlag!

"Wir sind schon öfter in dieser Saison in Rückstand geraten, sind aber immer zurückgekommen", erinnerte Kapitän Manuel Neuer an die Comeback-Qualitäten der gesamten Mannschaft und erklärte: "Das haben wir uns in der Pause in der Kabine geschworen. Wir haben eine viel bessere zweite Halbzeit gespielt. Leipzig hatte ein Spiel weniger als wir (die Partie am 16. Spieltag beim FC St. Pauli war wegen der Witterung abgesagt worden d.Red.) und wir sind in der zweiten Halbzeit sechs Kilometer mehr gelaufen. Das spricht dafür, dass der Wille und die Motivation da waren, das Spiel zu drehen und das dritte, vierte und fünfte Tor zu schießen. Das ist schon Wahnsinn." Und dieser Wahnsinn hat Methode. Die Bayern schicken ihre Gegner in der zweiten Halbzeit mit schöner Regelmäßigkeit in die Hölle, Hölle, Hölle.

Bayern hat bereits 14 Punkte nach Rückstand geholt

In acht der letzten zwölf Pflichtspielen ist der FC Bayern - irgendwann im Spiel, ob mit 0:1 oder 1:2 - in Rückstand geraten, konnte bis auf das 2:2 bei Union im November, das 2:2 gegen Mainz im Dezember und das 1:3 beim FC Arsenal in der Champions League (November) alle anderen Spiele noch drehen und gewinnen. 14 Punkte nach Rückständen in dieser Saison ist Ligabestwert und bereits jetzt Bayerns Ausbeute aus der vergangenen Saison.

Auch der Unterschied der Halbzeit- und Endergebnisse in 2026 ist frappierend. Die Halbzeitstände: 2:1 gegen Wolfsburg, 1:1 (nach Rückstand) beim 1. FC Köln, nun 0:1 in Leipzig – erstmals in dieser Saison überhaupt lag man zur Halbzeit zurück. Die Ergebnisse der zweiten Halbzeit: 6:0 gegen Wolfsburg (Endstand 8:1), 2:0 in Köln (Endstand 3:1), 5:0 in Leipzig (Endstand 5:1).

Gnabry: "Wir können es nur selber schlagen – machen wir aber nicht"

Über die Leistung von Olise & den bajuwarischen Umbiegern entfuhr es Trainer Kompany: "Die zweite Halbzeit - mein Gott". Nicht perfekt, so der Belgier, sondern "pure Alte-Schule-Mentalität: Laufen, kämpfen, grätschen." Und den Gegner auffressen.

Serge Gnabry, der Torschütze zum 1:1, betonte bei Sky: "In der Halbzeit wussten wir, dass wir das Spiel noch drehen konnten. So sind wir in die zweite Halbzeit rein." Klingt einfach, ist es für diese Bayern anscheinend auch. "Wer soll diese Bayern schlagen?", wurde Gnabry noch gefragt. Seine Antwort achselzuckend: "Ich weiß es nicht." Gnabry weiter: "Wir können es nur selber schlagen – machen wir aber nicht." Was schon als unterlassene Hilfeleistung in den Strafbestand eingeht. Die Anklage: Die Bundesliga ist zu langweilig. Der Angeklagte so: Na, und?

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