Neuers Patzer und die Folgen: Urbig soll bei Viking Stavanger im Tor des FC Bayern stehen

Bayern-Keeper Manuel Neuer patzt beim 2:2 in Augsburg schwer und sorgt so für das schnellste Tor der Bundesliga-Geschichte. Gibt es bald eine neue Nummer eins? "Bis jetzt geht der Plan auf", sagt Max Eberl.
von  Maximilian Koch
Trost nach dem schweren Fehler in Augsburg: Manuel Neuer (l.) mit Ersatzmann Jonas Urbig.
Trost nach dem schweren Fehler in Augsburg: Manuel Neuer (l.) mit Ersatzmann Jonas Urbig. © IMAGO/Frank Hoermann / SVEN SIMON

Manuel Neuer war nach dem 2:2 beim FC Augsburg anzumerken, dass er am liebsten direkt in den Mannschaftsbus gestiegen wäre. Nächster Halt: Stavanger, das Champions-League-Spiel am Dienstag im Westen Norwegens. Ob dann er oder Jonas Urbig auf dem ungewohnten Kunstrasen im Tor stehen wird? "Ich habe eine Vorahnung", sagte Neuer auf Nachfrage der AZ. Und weg war er.

Neuer ringt mit historischem Patzer

Die Laune des 40-Jährigen war verständlicherweise nicht die beste - und doch stellte sich der Kapitän pflichtbewusst den wartenden Journalisten. "Es war ein blöder Fehler von mir“, sagte Neuer über seinen Aussetzer, den der Augsburger Robin Fellhauer nach 8,4 Sekunden zum schnellsten Tor der Bundesliga-Geschichte nutzte. Auf dieses Stück Historie hätte Neuer, der beste deutsche Torhüter der vergangenen 50 Jahre, gerne verzichtet. "Das habe ich mir vor dem Spiel nicht vorgenommen", sagte der 40-Jährige. Aber "das passiert halt im Leben", wie Trainer Vincent Kompany anmerkte: "Das sind auch normale Leute, die manchmal nicht alles richtig machen."

Frust nach dem 0:1: Neuer wird nach bereits 8,4 Sekunden überwunden.
Frust nach dem 0:1: Neuer wird nach bereits 8,4 Sekunden überwunden. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.

Selbst ein Gigant wie Neuer. "Ich musste mir den Ball auf links legen, weil ich von rechts von zwei Leuten angelaufen wurde", erklärte der Keeper die Szene vor dem 0:1: "Dann habe ich versucht, eine Lösung zu finden. Aber ich hätte einfach eine andere Entscheidung treffen müssen.“ Zweifellos. "Ich musste erst mal in mich gehen, durchatmen", sagte Neuer: "Die Hoffnung war natürlich noch da, weil es die erste Minute war. Deshalb war die Chance noch groß, dass wir das Spiel drehen können.“

Abseitsfrust und verpasster Sieg

Bayern hatte zahlreiche Chancen, in der zweiten Halbzeit drängten die Münchner ohne Pause aufs Augsburger Tor. Doch allein vier (!) Treffer wurden wegen Abseitsstellungen zurückgenommen. So zählten am Ende nur das 1:1 durch Ismael Saibari (55.) und das 2:2 von Joker Nathaniel Brown (81.). Harry Kane bereitete beide Tore glänzend vor. "Die Möglichkeiten und Chancen haben wir gehabt, die haben wir leider liegen gelassen“, kritisierte Neuer. „Dann war ein bisschen Pech dabei mit den knappen Abseitssituationen. So ein Spiel haben wir auch noch nicht alle erlebt. Es war schon skurril, dass wir so viele Tore erzielt haben und die dann aberkannt worden sind.“

Nathaniel Brown (M.) rettet dem FC Bayern zumindest das 2:2.
Nathaniel Brown (M.) rettet dem FC Bayern zumindest das 2:2. © IMAGO/kolbert-press/Peter Fastl

Beim 2:1 der Augsburger durch Rodrigo Ribeiro (64.) wehrte Neuer den Schuss von Calvin Brackelmann zuvor in die Mitte ab. "Ein strammer Schuss, den ich nicht festhalten kann", sagte Neuer: "Dafür war er zu kompliziert, da musste ich eine klare Entscheidung treffen." Den entscheidenden Fehler sah Neuer allerdings in der Entstehung, "dass der Innenverteidiger alleine auf uns zuläuft." Da stimmte Max Eberl zu. "Beim zweiten Tor hängen schon noch andere Spieler mit drin, nicht nur Manu", sagte der Sportvorstand. Am Ende waren es diese zwei "Riesenfehler" (Kompany), die Bayern den Sieg und den Sprung an die Tabellenspitze kosteten. "Was passiert ist, kannst du nicht mehr ändern", sagte der Coach: "Die Reaktion ist das Wichtigste." Am Dienstag in Stavanger.

Zwei starke Auftritte in der Nationalmannschaft: Urbig.
Zwei starke Auftritte in der Nationalmannschaft: Urbig. © IMAGO/Herbertz / Nico Herbertz

Urbig drängt, Neuer wackelt

Nach AZ-Informationen soll dann Urbig im Tor stehen, der 23-Jährige dürfte zu seinem dritten Einsatz in dieser Saison kommen. In der deutschen Nationalmannschaft überzeugte Neuers Kronprinz, der in dieser Saison bislang konstanter agiert als der Routinier, zuletzt sowohl gegen Serbien als auch gegen Griechenland über 90 Minuten. "Das soll der Trainer beantworten, da bin ich nicht der richtige Ansprechpartner", hielt sich Eberl bedeckt - und schwärmte zugleich von Urbigs Entwicklung: "Dass du Jonas Urbig, obwohl du einen Welttorhüter wie Manuel Neuer bei dir hast, so entwickelt hast, dass er diese Stellung und Erfahrung jetzt schon hat, diese Spiele gemacht hat, zwei hervorragende in der Nationalmannschaft, ist außergewöhnlich. Bis jetzt geht der Plan auf, den wir im Kopf haben."

Urbig soll im Sommer die neue Nummer eins werden, spätestens. Viele Fehler wie solche in Augsburg darf sich Neuer nicht mehr erlauben.

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