"Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen": Klopp macht AfD eine klare Ansage

Der Bundestrainer nominiert für seine ersten Spiele 44 Akteure, die sich in zwei Kader aufteilen. "Ich erwarte sofort mehr, lebendig muss es sein. Das ist der Anfang", sagt er. Kimmich bleibt Kapitän.
von  Maximilian Koch
Starker Auftritt bei der Kadernominierung: Bundestrainer Jürgen Klopp.
Starker Auftritt bei der Kadernominierung: Bundestrainer Jürgen Klopp. © IMAGO/Gerhard Schultheiß

Von seiner Kappe mit schwarz-rot-goldenem Logo und der Aufschrift "Einer von 83 Millionen" war Jürgen Klopp selbst am meisten begeistert. Sie sei "außergewöhnlich gelungen", schwärmte der Bundestrainer am Donnerstag bei seiner ersten Kadernominierung am DFB-Campus in Frankfurt am Main. Auch für die anwesenden Journalisten hatte er Exemplare mitgebracht. "Da stecken ganz viele Botschaften drin", ergänzte Klopp. Eine davon: "Wir müssen es wieder hinkriegen, dass wir Spaß haben an der ganzen Nummer."

Einer von 83 Millionen: Klopp.
Einer von 83 Millionen: Klopp. © IMAGO/Jürgen Kessler

Klopp will den Spaß zurückbringen

Spaß – ein Begriff, der beim blamablen WM-Aus unter Klopp-Vorgänger Julian Nagelsmann komplett aus dem Wortschatz gestrichen worden war. Doch Klopp glaubt daran, dass er die Stimmung drehen kann. Und zwar schnell. "Man konnte nach der WM das Gefühl bekommen, dass der deutsche Fußball am Boden liegt und wir kein Talent hätten", sagte der DFB-Coach: "Aber in den letzten Wochen ist uns ganz viel Talent ins Auge gesprungen."

Bayerns Joshua Kimmich bleibt DFB-Kapitän.
Bayerns Joshua Kimmich bleibt DFB-Kapitän. © IMAGO/Pressefoto Rudel/Nico Bauhof

Das wurde bei Klopps Premierenaufgebot deutlich. Der 59-Jährige nominierte insgesamt 44 Akteure, die sich in zwei Kader aufteilen – für die Nations-League-Spiele in den Niederlanden (24. September) und gegen Griechenland (27. September) sowie die Partien gegen Serbien (1. Oktober) und in Griechenland (4. Oktober). 16 von ihnen sind bislang ohne Länderspieleinsatz, elf waren noch nie im Nationalteam dabei.

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Viele Neulinge im Premierenkader

Zu den Überraschungen gehören Mika Baur von Celtic Glasgow, der Hoffenheimer Bambasé Conté, Vitaly Janelt vom FC Brentford, Felix Keidel vom Bundesliga-Aufsteiger SV Elversberg, der Augsburger Hennes Behrens, die Freiburger Max Rosenfelder, Philipp Treu, Yannik Engelhardt und Derry Scherhant sowie der Frankfurter Younes Ebnoutalib und Finn Jeltsch aus Stuttgart. Kleine Namen, große Träume. "Allen bedeutet es unglaublich viel", sagte Klopp, "das wollen wir jetzt wieder sichtbar machen." Die Forderung des Bundestrainers: "Ich erwarte sofort mehr, lebendig muss es sein. Das ist der Anfang."

Kannten Sie den? Max Rosenfelder vom SC Freiburg.
Kannten Sie den? Max Rosenfelder vom SC Freiburg. © IMAGO/JOERAN STEINSIEK

Während Leroy Sané und Deniz Undav nicht zum Kader gehören, bleibt Joshua Kimmich als einer von insgesamt neun Profis des FC Bayern Kapitän – und rückt wieder ins Mittelfeld. "Natürlich muss ein Spieler in seinem Alter und mit seiner Erfahrung vorneweggehen", sagte Klopp: "Ich habe da gar keine Zweifel." Generell müsse seine Mannschaft lernen, "Spaß unter Druck zu haben", das sei "Lektion eins".

Führungsspieler Kimmich

Lektion zwei: Klopp will die Fans emotional mitnehmen und dabei gegen rechtes Gedankengut ankämpfen. "Ich würde mir oder uns gerne die Fahne zurückholen, wenn ich ganz ehrlich bin", sagte er. "Es hat eine Wahl stattgefunden, die manche Leute wahrscheinlich okay fanden. Viele andere haben gedacht: "Du lieber Himmel, was passiert denn da?", sagte Klopp.

Er wolle den "Nationalstolz nicht den falschen Leuten überlassen", ergänzte der Trainer: "Kann man stolz darauf sein, Deutscher zu sein und trotzdem offen und trotzdem vielfältig und trotzdem nett, freundlich? Kann man Mitgefühl haben? Kann man all diese Dinge haben? Ich bin hundertprozentig sicher, ja."

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