Nagelsmanns WM-Kader steht: Neuer Nummer eins, zwei Toptalente fehlen

Die ganz große Sensation blieb aus bei der WM-Nominierung von Bundestrainer Julian Nagelsmann am Donnerstagmittag auf dem DFB-Campus in Frankfurt, doch zumindest kleinere Überraschungen waren dabei: Der Mainzer Offensivspieler Nadiem Amiri etwa wurde in den 26-Mann-Kader berufen, genauso Verteidiger Malick Thiaw von Newcastle United. Das eigentlich Überraschende dabei: Amiri und Thiaw waren vorab nicht als WM-Fahrer an die Öffentlichkeit durchgegeben worden, hier wurde das DFB-Geheimnis tatsächlich erst am Donnerstag gelüftet.

Leaks sorgen für Verärgerung
Die Indiskretionen vor der offiziellen Nominierung trübten die Euphorie auf die WM deutlich, daran konnten auch die DFB-Clips auf Instagram nichts ändern. Der Verband hatte für jeden der 26 WM-Spieler ein kurzes Video aufgenommen, in dem Freunde, Familienmitglieder und Nagelsmann selbst zu Wort kam. Der Coach hob die positiven Eigenschaften des jeweiligen DFB-Akteurs hervor.
Auch DFB-Sportdirektor Rudi Völler wurde in einem eigenen Beitrag gewürdigt. "Trotz deiner großen Erfolge, die du als Spieler, Trainer, Sportdirektor und Manager hattest, bist du total bodenständig und extrem liebenswert. Du bist ein ganz, ganz wichtiger Faktor, der mir Ruhe gibt", sagte Nagelsmann und formte mit den Händen ein Herz für Völler.
Neuer ist Nagelsmanns Nummer eins
Wirklich herzlich wirkte aber besonders der Umgang mit Torhüter Oliver Baumann nicht. Der Hoffenheimer ist wie erwartet die Nummer zwei hinter Rückkehrer Manuel Neuer – trotz anderer Nagelsmann-Versprechungen in den vergangenen Monaten.

Er könne "absolut verstehen", sagte der Bundestrainer, "dass in der Torwartfrage manche sagen, das war nicht der richtige Weg – und manche sagen, das war der richtige Weg. Daran sieht man schon: Diese hundertprozentige Wahrheit gibt es nicht." Perfektion anzustreben, sei ohnehin "Schwachsinn, weil die wird man nie erreichen. Ich bin fein mit der Kommunikation, sage aber auch, man hätte Dinge anders machen können."
Baumann nur "Weltklasse-1b-Lösung"
An Neuers Status als Stammkeeper ließ Nagelsmann keinen Zweifel. "Jeder weiß, welche Aura Manu umgibt. Wir planen mit ihm als Nummer eins. Die Entscheidung steht so und ist in meinen Augen die richtige", sagte der Coach über den Keeper, der derzeit unter Wadenproblemen leidet und noch um seinen Einsatz im Pokalfinale am Samstag gegen den VfB Stuttgart bangt.
Für Baumann sei die Entscheidung pro Neuer "natürlich ein Schlag" gewesen, räumte Nagelsmann ein und sprach von einer "Weltklasse-1b-Lösung, die wir installiert haben". Hinter Neuer und Baumann ist der Stuttgarter Alexander Nübel die Nummer drei im DFB-Tor. Bayerns Jonas Urbig fliegt als Trainingstorhüter mit in die USA, er könnte bei einer Verletzung nachnominiert werden.

Jungstars müssen noch warten
Nicht ins Aufgebot schafften es neben dem Freiburger Matthias Ginter auch die Jungstars Tom Bischof vom FC Bayern und der Kölner Said El Mala, die sich zuletzt in starker Form präsentiert hatten. Ihre Zeit, so Nagelsmann, soll bei der EM 2028 kommen. Jetzt zählt erst mal nur die WM, am 2. Juni hebt der DFB-Tross nach Chicago ab. Zuvor findet am 31. Mai in Mainz noch ein Testspiel gegen Finnland statt.
"Ich glaube, dass alle Mannschaften Weltmeister werden wollen. Wir wollen das auch", kündigte Nagelsmann forsch an: "Jeder Spieler, der nominiert ist, hat die Verpflichtung, das zu zeigen." Die "internen Diskussionen", so der DFB-Coach weiter, "sind vorbei. Die Vorfreude ist groß. Ich bin megaheiß, die Jungs sind megaheiß." Na dann: Attacke!