Nach Weltklasse-Leistung gegen Madrid: Wovon Neuers Zukunft jetzt abhängt
Hochfliegen und tiefstapeln. Manuel Neuer liebt beides. Ganz besonders, wenn der 40-Jährige gerade bewiesen hat, dass er immer noch ein Meister seines Faches ist, einer der Besten der Torhüter-Zunft. Zu bestaunen beim 2:1-Erfolg des FC Bayern im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League bei Real Madrid, den er festhielt mit seinen exzellenten Paraden.
"Natürlich lässt man gegen so eine starke Offensive wie die von Real auch Torchancen zu", sagte Neuer nach der Partie und fügte mit einem Schulterzucken hinzu: "Dafür bin ich ja dann auch da."

"Bestia" Neuer kann es immer noch
Krasses Understatement angesichts seiner Weltklasse-Leistung. In Zahlen: Von 20 Schüssen, die die Königlichen am Dienstagabend Richtung Neuer abgaben, flogen zehn auf sein Tor. Wieder und wieder hatte der Tausendsassa seine Pranken, seine Finger im Spiel, zeigte spektakuläre Paraden. In den letzten Monaten und Jahren hatte es immer wieder Zweifel gegeben an seiner wahren Leistungsstärke nach einigen Wacklern und Patzern.
Nun bewies der Kapitän, dass er sie noch draufhat, diese überragenden Reflexe. Er, die Bestia Neuer. Die Mauer von Madrid – nur einmal durchlässig beim Anschlusstreffer von Real zum 1:2 durch Kylian Mbappé. Neuer war noch dran, konnte den Ball aber nicht mehr rechtzeitig abwehren.
Der bayrische "X-Faktor" verspürt keine Genugtuung
Darauf angesprochen, ob er nach seiner überragenden Leistung Genugtuung verspüre, weil er vor rund zwei Jahren an Ort und Stelle mit einem dicken Patzer für das Halbfinal-Aus seiner Bayern mit-verantwortlich war, antwortete Neuer sachlich-fachlich: "Ich habe ein gutes Spiel gemacht an dem Abend, im Prinzip ein ähnliches wie heute. Aber in der einen Situation ist der Ball einfach viel höher abgesprungen als erwartet. Ich weiß auch nicht, warum. Das sind Sachen, die gehören zum Torwartspiel." Künstlerpech. Passiert den Besten. Und dem Besten.
"Wir hatten etwas in unserem Spiel, was Real nicht hatte: Unseren X-Faktor, unseren Vierziger, unseren Torhüter von Weltklasseformat", sagte Bayerns Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen während seiner Rede auf dem Mitternachtsbankett im Teamhotel "Four Seasons" und rief ihm unter dem Applaus der VIPs und Sponsoren zu: "Manuel, du warst heute außerordentlich!"
Hängt Neuer noch eine Saison dran?
Dieser Neuer lebt nicht von der Erinnerung an seine Heldentaten. Seine Handschuhe hängen noch nicht im Museum. Sie werden gebraucht. Immer noch. Wie er. "Trotz meiner 40 Jahre", betonte der Weltmeister von 2014 nicht ohne Stolz, "bin ich jetzt immer noch dabei."

Aber wie lange noch? Sein Vertrag bei Bayern läuft Ende Juni aus. Ende März, rund um seinen 40. Geburtstag, so der ursprüngliche Plan, wollte er sich darüber im Klaren sein, ob er noch mithalten kann, ob Kopf und Körper sich noch schinden wollen. Zwei Muskelfaserrisse in der Wade kamen ihm dazwischen, dazu die nervige Zeit in der Reha.
Neuers Bayern-Zukunft: "Es ist alles möglich"
"Das hat mir nicht in die Karten gespielt", meinte Neuer, "aber wir haben alle Zeit der Welt, der Verein und ich. Da sind wir entspannt." Waren die Muskelverletzungen etwa keine Signale, dass es denn nun bald mal gut sei? "Die hatten einen anderen Ursprung", versicherte Neuer und erklärte: "Weil ich etwas mit Magen und Darm zu tun hatte, war mein Körper ein bisschen geschwächt. Deshalb hatte ich diese Kleinigkeiten, das war wirklich wie so ein Schnupfen unten an der Wade." Zwei und dann noch mal vier Spiele verpasste er im Februar und März.
Ihm mache es weiterhin "Spaß, in dieser Mannschaft zu spielen, mit diesem Trainerteam zu arbeiten". Es sei "ihm wichtig, wie es in der Mannschaft aussehe". Sprich: Wer bleibt? Wer kommt, wer geht? "Es ist alles möglich", so Neuer. Auch wenn er es nicht mehr nötig hat – dieses Spiel war eine astreine Bewerbungsmappe für ein weiteres Jahr als Nummer eins.
Neuer möchte das DFB-Thema nicht aufmachen
Und für ein Comeback in der Nationalmannschaft? Nach der Heim-EM 2024 war er aus dem DFB-Team zurückgetreten. Zahlreiche Experten und Fans fordern nun erst recht eine Rückkehr mit Blick auf die WM diesen Sommer in Nordamerika. Neuer blockte in den letzten Monaten alle Fragen dazu kategorisch ab, sagte in Madrid: "Sollen wir das Thema jetzt wieder aufmachen? Nein, dazu ist alles gesagt."
