Nach Rummenigge-Rüffel: Flick verpasst sich Maulkorb im Brazzo-Zoff

Im Dauerclinch zwischen Flick und Salihamidzic spricht Bayern-Boss Rummenigge ein Machtwort: "Dieses Thema muss ein Ende haben." Der Trainer verteidigt sich: "Störfeuer kommen nicht von mir."
von  Patrick Strasser
Karl-Heinz Rummenigge fordert Zusammenhalt innerhalb des Vereins.
Karl-Heinz Rummenigge fordert Zusammenhalt innerhalb des Vereins. © imago images/Matthias Koch

München - Streit soll ja in den besten Familien, in den besten Firmen vorkommen. Beim FC Bayern, der sich als familiär geführtes Unternehmen versteht, verwendet man den Begriff recht häufig.

Ende Januar bezeichnete Vorstand Oliver Kahn angesichts des Konflikts zwischen Trainer Hansi Flick und Sportvorstand Hasan Salihamidzic eine "Art von Streitkultur" als "wichtigen Erfolgsfaktor", er meinte aber mahnend: "So lange das Ganze - und das ist im Moment der Fall - zum Wohle des Klubs ist, ist ja dagegen nichts einzuwenden."

Bayern-Boss Rummenigge: Bayerische Streitkultur ist "offene und ehrliche Diskussion"

Unter der Woche erweiterte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge die Streitkultur zur "bayerischen Streitkultur". Dem britischen Portal "The Athletic" erklärte er: "Ich bin lange genug hier, um die bayerische Streitkultur zu schätzen - eine Kultur der offenen und ehrlichen Diskussion." Auslöser der atmosphärischen Störungen zwischen Flick und Salihamidzic sind des Trainers Wunsch nach Mitspracherecht bei Personalentscheidungen und Transfers (welche der Sportvorstand für sich reklamiert) und die offene Frage, ob Flick im Sommer trotz seines Vertrages bis 2023 Nachfolger von Bundestrainer Joachim Löw wird.

Doch nun langt's dem Chef. Nach den Aussagen der Streithansel, dem Streit-Hansi und dem Streit-Brazzo, rund um das Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Paris St.-Germain (2:3), sprach Rummenigge in "Bild" genervt Klartext: "Dieses Thema muss ein Ende haben! Es ist überflüssig, dass wir das permanent kommentieren müssen."

Denn all das käme zum ungünstigsten Zeitpunkt, im Saisonendspurt. Angesichts der Nebenkriegsschauplätze, die den Klub in Unruhe bringen, nahm er seine sportliche Führung in die Pflicht: "Wir müssen alle an einem Strang ziehen, müssen harmonisch, loyal und professionell zusammenarbeiten. Das ist meine klare Forderung an die sportliche Führung. Das hat den FC Bayern immer ausgezeichnet."

Flick betont: "Die Störfeuer kommen nicht von mir"

Bei sich zankenden Sturköpfen, ob auf dem Spielplatz oder im Wirtshaus, ruft man: Auseinander! Am Freitagnachmittag nahm Flick auf der turnusgemäßen Videopressekonferenz vor dem Heimspiel am Samstag gegen Union Berlin (15.30 Uhr, Sky und hier im AZ-Liveticker) zum schwelenden und quälenden Konflikt Stellung.

"Ich will den Fokus jetzt auf das legen, was wichtig ist: die Mannschaft und den Erfolg. Ich habe auch eine Teilschuld, dass die Dinge reingetragen wurden. Wir vergessen jetzt aber alles, ich möchte das Ganze so lösen, dass es zum Wohle des Vereins ist. Die Störfeuer kommen nicht von mir", betont er und erklärte den Journalisten freundlich, aber bestimmt, dass "er keine Lust mehr" habe auf dieses Thema zu antworten.

Erneut äußert sich Flick nicht zu seiner Zukunft beim FC Bayern

"In Zukunft werde ich bei so einer Frage nur noch sagen: Bitte die nächste Frage!" Denn, so Flick, der erneut eine Lobeshymne auf seine Mannschaft und sein Trainerteam aussprach: "Das ist so eine geile Mannschaft. Sie hat es verdient, dass man sich auf sie konzentriert. Wir werden uns darauf vorzubereiten, um für diesen Verein den maximalen Erfolg zu erreichen: Bundesliga-Titel und Champions-League-Halbfinale."

Sein Vorhaben setzte er prompt in die Tat um. Die konkrete Frage zu seiner Zukunft kam natürlich. Sie lautete: "Erfüllen Sie Ihren Vertrag bis 2023?" Flick mit ernster Miene: "Nächste Frage!"

Seitenhieb von Flick in Richtung Salihamidzic

Wieder kein Bekenntnis. Vielleicht wurde Flick die Frage nur noch nicht mit dem richtigen Zusatz gestellt, etwa so: "Erfüllen Sie Ihren Vertrag bis 2023 nur dann, wenn Salihamidzic im Sommer nicht mehr da ist?"

Denn eine Spitze gegenüber dem von ihm nicht namentlich erwähnten Sportvorstand konnte sich Flick doch nicht verkneifen: "Ich bin jetzt eineinhalb Jahre Cheftrainer. Wir hatten letztes Jahr eine Mannschaft, die qualitativ besser war als diese. Trotzdem sind wir in der Bundesliga sieben Punkte vorne, haben auch alle Möglichkeiten, gegen Paris das Halbfinale zu erreichen." Das saß! Flick beendete erstmals eine Presserunde. Nicht unwirsch, aber entschlossen und abrupt: "Zu allem anderen ist alles gesagt." Er ging - und weiß wohl: Im Mai geht es auseinander.