Nach dem Real-Showdown: Auf Bayerns Mentalitätsmonster warten nun schon die nächsten Highlights

Wie viele Fußballspiele in einem, in diesen irrwitzigen 94 Minuten, waren das eigentlich? Wer es vor Ort im Stadion erleben durfte, hat den Sound der späten Torschreie noch lange im Ohr. Zig Bilder flimmern auch den TV-Zuschauern tags darauf weiter durch den Kopf. Momentaufnahmen des Wahnsinns, jener Fußballschlacht zwischen den Bayern und Real Madrid, ein expressionistisches Gemälde eines Champions-League-Spiels.
Etwa der ultimativ letzte Kick der Partie, mit dem Michael Olise in der Nachspielzeit den Ball mit Schmackes Richtung langes Eck schickte: Innenpfosten, rein ins Glück. 4:3 – Abpfiff, endgültig Feierabend für Real. Und alle Schleusen auf für den bayerischen Emotionsrausch. Zahlreiche Fans in der Südkurve sprangen vom Zaun in den Innenraum, waren ihren Helden an der Werbebande ganz nah. Euphorie zum Anfassen, Glück zum Festhalten. Die Allianz Arena – von Endorphinen geflutet.
Neuer, der frühe Patzer und die dreifache Aufholjagd
"Ich glaube, das müssen wir erstmal verarbeiten, was heute hier passiert ist." Manuel Neuer drückte aus, was jeder, der es mit den Bayern hält, auf dem Heimweg fühlte. "Das war eine richtige Champions League-Nacht, so wie man sie nicht oft erlebt", erklärte der Bayern-Torhüter, der mit seinem Patzer vor dem 0:1 in der ersten Minute für die erste Adrenalinausschüttung höchstselbst sorgte. Und für den ersten Rückstand. Dreimal gerieten die Hausherren ins Hintertreffen. Dreimal schlugen sie zurück. 0:1, 1:2, 2:3. Und dann 1:1, 2:2, 3:3. Das 4:3 von Olise in der Nachspielzeit war der letzte Schrei, die Klimax von Wucht und Wille.

Eberls Eloge auf die Mentalitätsmonster
"Das Spiel zeigt, wie wir sind. Es beschreibt den Charakter dieser Mannschaft ganz gut", begann Sportvorstand Max Eberl seine Eloge auf die Mentalitätsmonster und erklärte: "Wir können Fußball spielen, aber vor allem können wir uns wehren und stabil bleiben. Es fühlt sich einfach großartig an. Diese Mannschaft und dieser Verein leben total, stehen zusammen. Diese Energie kommt nicht nur vom Platz, sondern auch von außen. Das spürt man – und das macht uns stark." Die Meister des Comebacks servierten sich selbst das Happy End in einer magischen Nacht. Oh, ihr Bayern – das war Drama, Baby!
Endspurt, englische Wochen und die Triple-Jagd
Was nun einen gewaltigen Schub geben könnte für den anstehenden Endspurt der Saison. Drei englische Wochen mit drei Halbfinal-Partien warten auf den designierten Meister, der bereits am Sonntag über die Ziellinie geht, wenn Bayern am Sonntag einen Punkt mehr holt als Borussia Dortmund am Samstag in Hoffenheim. Aber dann, die K.o.-Spiele auf der Triple-Jagd: Am Mittwoch das Pokal-Halbfinale bei Bayer Leverkusen, darauf folgt die ultimative Herausforderung Paris Saint-Germain im Halbfinale der Königsklasse. Krasser wird's nicht. "Wenn einer im Halbfinale der Favorit ist, dann Paris. Sie haben zweimal souverän gegen den FC Liverpool gewonnen, sind der Vorjahressieger", meinte Vorstandsboss Jan-Christian Dreesen. Und fügten dem FC Bayern im Sommer 2025 bei der Klub-WM in den USA im Viertelfinale (0:2) eine empfindliche Niederlage zu.
Kompanys Glaube und das Duell mit dem formstärksten Team Europas
PSG sei nun die "allerschwierigste Aufgabe", sagte Bayern-Trainer Vincent Kompany, der nach seiner dritten Gelben Karte im Wettbewerb im Halbfinal-Hinspiel in Paris am 28. April gesperrt sein wird. Doch Kompany wäre nicht Kompany, würde er nicht sagen: "Der Glaube ist da, dass wir das machen können." Für Joshua Kimmichs ist Paris aktuell "wahrscheinlich die formstärkste Mannschaft in Europa", von daher treffen nun "die beiden besten Teams in Europa treffen aufeinander". Neuer erwartet "Duelle auf Augenhöhe". Ob wieder eine große Portion Drama dabei sein wird? "Ich glaube, das gehört einfach dazu." Neuer sprach's und grinste.
Unerschütterliches Vertrauen in die eigene Widerstandsfähigkeit
Weil wie der Kapitän alle im Verein spüren: Das Vertrauen in die eigene Stärke, in die Widerstandsfähigkeit ist beinahe unerschütterlich. "In letzter Zeit haben wir viele solcher Spiele gehabt, die wir hinten heraus noch entschieden haben oder gebogen haben. Das spricht für unsere Mentalität", erklärte Kimmich und mahnte: "Trotzdem wollen wir im besten Fall nicht immer zu dem Punkt kommen, dass wir das Spiel wieder drehen müssen."
Können die Bayern aber. Wenn sie müssen.