"Muss natürlich daraus lernen": Kane findet klare Worte für den Platzverweis für Olise

Eine Klatsche von den Wikingern, abgesoffen am Fjord? Beinahe. Die Bayern drehen erst ein hitziges Spiel bei Champions-League-Debütant Viking Stavanger nach einem 0:2 zur Pause zum 3:2 – und gaben es in der 90. Minute noch aus der Hand. So nützten der Doppelpack von Harry Kane und das Tor von Luis Díaz nichts. 3:3 am Ende, eine späte Wikinger-Watschn beim Meister Norwegens – vor allem, weil Michael Olise in der 73. Minute Gelb-Rot sah. Damit fehlt der Flügelzauberer am 21. Oktober im Heimspiel gegen den FC Arsenal.
Kane: "Er muss natürlich daraus lernen"
Doppelpacker Kane hatte sogar ein wenig Mitleid mit seinem Kollegen, der dem Team einen Bärendienst erwiesen hatte: "Es ist schade, weil wir jetzt große Spiele in der Champions League vor uns haben und er sehr enttäuscht sein wird, diese zu verpassen. Aber das ist Fußball. Manchmal passieren Fehler." Allerdings betonte der Stürmer auch: "Mike wird jetzt am Boden zerstört sein, und er muss Verantwortung übernehmen." Und: "Er muss natürlich daraus lernen."
Das müssen auch die Bayern. Schließlich wäre beinahe eine Serie gerissen. Noch nie verloren die Münchner ein Europapokal-Spiel gegen eine norwegische Mannschaft, in zuvor neun Vergleichen gab es sieben Siege – zuletzt am ersten Spieltag gegen Bodö/Glimt mit 5:0. Auch ohne Manuel Neuer, der wegen einer Fußverletzung fehlte, passierte den Bayern ein bekanntes Malheur. Wieder ein (zu) frühes Gegentor, wie am Samstag beim FC Augsburg. Diesmal nicht nach acht Sekunden, sie hielten wenigstens bis zur zweiten Minute das 0:0.

Kompany nahm sechs Wechsel vor
Der Gegentreffer hatte absolut nichts mit dem Kunstrasen der Lyse Arena zu tun. Ecke, Kopfball, Tor. So kalt war es gar nicht an diesem Herbstabend in Südwestnorwegen, knapp zehn Grad. Aber dieses 0:1 war eine eiskalte Dusche für den FC Bayern. Viking-Kapitän Tripic trat einen Eckstoß von der rechten Seite an den Fünfmeterraum, Innenverteidiger Stensness setzte sich gegen das Münchner Innenverteidiger-Duo Tah und Kim durch und köpfte ins rechte Eck ein. Jonas Ubrig, Neuers Stellvertreter und Kronprinz, war geschlagen – und bedient.
Es folgten wütende Gegenangriffe der Bayern. Vincent Kompany nahm sechs Wechsel gegenüber dem 2:2 in Augsburg vor. Der Cheftrainer sprach von Ausfällen, "die nicht ernst sind. Manu kann aus medizinischen Gründen nicht, Pavlovic eigentlich auch nicht. Hoffentlich trainieren die am Donnerstag, Freitag wieder mit." Neben dem Torhütertausch waren das: Bischof für Pavlovic, Kim für Upamecano, Brown für Davies, Laimer für Stanisic, Karl für Saibari.
Viking Stavanger führte mit 2:0 zur Pause
Laimer, Olise, Díaz, Kimmich und Kane per Kopf brachten den Ball nicht über die Linie. Bei schnellen Umschaltmomenten der Gastgeber wirkten die Bayern unsicher und unsortiert. Und so war Brown der letzte Mann, der Christiansen hinterherhechelte und sich gegen eine Notbremse samt dann fälliger Roter Karte entschied. Der Viking-Angreifer schob mit links überlegt ins lange Eck ein – 0:2 (38.).
Die Lyse Arena bebte, auf der Tribüne hatten einige Fans feuchte Augen. Das erste Champions-League-Heimspiel der Vereinshistorie war ohnehin schon ein Feiertag, im 150.000-Einwohner-Städtchen hingen in vielen Geschäften Viking-Fanartikel in den Schaufenstern. Zur Pause sah man baffes Erstaunen und Ungläubigkeit in den Gesichtern der Heimfans, Entsetzen bei den Bayern.

U19 verlor am Nachmittag gegen Stavanger
Am Nachmittag hatte die U19 des FC Bayern in der Youth League mit 0:2 bei Viking verloren – war das nicht Warnung genug für Profis? Kompany reagierte, brachte mit Davies, Upamecano und Saibari drei Neue. Ein Foul im Strafraum an Laimer, erst nach VAR-Überprüfung geahndet, brachte den Anschluss – Kane verwandelte zum 1:2 (54.). Die Wende? Nun wurde es ein Spiel auf ein Tor, im Bayern-Spiel war mehr Zug drin. Flanke Kimmich, Kopfball Kane am langen Pfosten zum 2:2 (60.), sein dritter Königsklassen-Treffer in dieser Saison.
Nach Laimers Schuss landete der Ball bei Díaz, der zum 3:2 traf (71.). Durch die Gelb-Rote Karte für Olise, der Viking-Kapitän Tripic den Ball ins Gesicht warf, kippte das Spiel wieder. Eine überflüssige Aktion. Die Gastgeber drängten nun auf den Ausgleich. Zehn Bayern ruderten gegen die Wikinger im Abwehrschlacht-Takt. Und kassierten in der 90. Minute noch das 3:3, ein Kopfball von Herman Haugen. Zwei Punkte verloren, die den Bayern in der Endabrechnung der Ligaphase fehlen könnten.