Interview

"Müssen sie dringend lösen": Ex-Abwehrhüne Ismaël kritisiert die Defensive des FC Bayern

Er spielte zwischen 2005 und 2008 für den FC Bayern: Vor dem Halbfinalrückspiel in der Champions League gegen Paris Saint-Germain spricht Valérien Ismaël über das Abwehrproblem der Münchner und erklärt, warum Landsmann Michael Olise ein ernsthafter Kandidat für den Ballon d´Or ist.
Kilian Kreitmair
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Am Mittwoch wird reichlich Arbeit auf die Bayern-Defensive um Dayot Upamecano und Jonathan Tah zukommen.
Am Mittwoch wird reichlich Arbeit auf die Bayern-Defensive um Dayot Upamecano und Jonathan Tah zukommen. © IMAGO

 AZ: Herr Ismaël, die Bayern und Paris lieferten sich ein irres Hinspiel. 5:4 war das Endergebnis. Ein Horrorergebnis für Sie als ehemaligen Innenverteidiger?
VALÉRIEN ISMAËL: Nein (lacht). Der Fußball hat in diesem Spiel gewonnen. Das war ein unglaubliches Duell, das alles hatte: Taktik, Intensität, Technik, Mut und Mentalität. Man hat gesehen, dass beide Mannschaften wirklich auf dem allerhöchsten Niveau spielen.

Ismaël kritisiert Abwehr des FC Bayern

Erwarten Sie ein ähnliches Spektakel im Rückspiel? 
Ich erwarte auf jeden Fall wieder ein torreiches Spiel. Der FC Bayern muss mindestens ein Tor schießen, um in die Verlängerung zu kommen. Aber ich glaube, wenn Paris Saint-Germain weiterkommen will, müssen sie auch mindestens ein Tor schießen. Sonst werden sie nicht weiterkommen.

Kann die Allianz Arena nun das entscheidende Puzzlestück sein, um das Spiel noch zu drehen? 
Auf jeden Fall. Der FC Bayern wird versuchen, so früh wie möglich in Führung zu gehen, um den Schwung mitzunehmen. Sorge macht mir allerdings, dass die Bayern aktuell sehr viele Gegentore kassieren. Alleine in den letzten drei Spielen haben sie elf Gegentore hinnehmen müssen. Das müssen sie dringend lösen, sonst werden sie gegen Paris wieder große Probleme bekommen.

Sie haben zwei, drei Baustellen, die sie lösen müssen, wenn sie weiterkommen und die Champions League gewinnen wollen.

Valérien Ismaël

Paris Saint-Germain hat sich weiterentwickelt

Wie erklären Sie sich, dass die Bayern aktuell so viele Gegentore kassieren? 
Das liegt an der Art und Weise, wie sie die Gegner angreifen. Beide Innenverteidiger sind oftmals alleine und stehen sehr hoch. In der Umschaltbewegung werden sie dann eiskalt erwischt. Dazu kommt, dass sie viele Standardgegentore kassieren. Sie haben also zwei, drei Baustellen, die sie lösen müssen, wenn sie weiterkommen und die Champions League gewinnen wollen.

Wie kann man Paris besser als im Hinspiel verteidigen?  
Das ist extrem schwer. Ich finde, dass sich Paris Saint-Germain in diesem Jahr nochmal weiterentwickelt hat, obwohl sie in der vergangenen Saison schon die Champions League gewonnen haben. Sie sind aktuell in der Lage, zu leiden. Wenn sie nicht den Ball haben, behalten sie die Ruhe beim Verteidigen und sind dann umso gefährlicher in den Umschaltbewegungen. Das macht sie noch unberechenbarer. Ich erwarte wirklich, dass die Bayern das Spiel dominieren werden, aber Paris wird da ruhig bleiben, weil sie wissen, dass sie immer ein Tor erzielen können. Sie sind eine Mannschaft geworden. Selbst die Stars arbeiten für diese Mannschaft. Das ist der Verdienst von Luis Enrique.

Sieht beim FC Bayern Verbesserungspotenzial in der Defensive: Valérien Ismaël.
Sieht beim FC Bayern Verbesserungspotenzial in der Defensive: Valérien Ismaël. © IMAGO

Kompany-Rückkehr ist ein wichtiger Punkt für die Bayern

Auch Trainer Vincent Kompany ist wieder dabei. Sehen Sie das als weiteren Vorteil für die Bayern? 
Das hat eine enorme Auswirkung. Es ist sehr wichtig, dass man den Anführer nah bei sich hat. Ein kurzer Blick auf das Spielfeld oder eine kurze Ansprache können viel verändern. Und auch in der Halbzeit, wenn es darum geht, die Spieler nochmal einzeln zu motivieren, kennt er die Spieler so gut, dass er weiß, wie er das am besten macht. Das spielt wirklich eine extreme Rolle. Und auf diesem Niveau geht es einfach um Details. Ich glaube, das war im Hinspiel auch ein Problem, warum sie so viele Gegentore kassiert haben.

Sie sind selbst Trainer. Wie beeindruckt sind Sie von der Art und Weise, wie er die Mannschaft führt? 
Ich habe ihn in England kennengelernt. Und er hat einfach eine Art und Weise, mit der er immer wieder den Zugang zu den Spielern findet und gleichzeitig als Respektsperson wahrgenommen wird. Wenn es darauf ankommt, ist er in der Lage, die Zähne zu zeigen und dazwischenzugrätschen. Diese Balance verkörpert er perfekt.

Wenn die Bayern die Champions League gewinnen und er eine tolle Weltmeisterschaft spielt, hat er zu 100 Prozent eine realistische Chance auf den Ballon d´Or.

Valérien Ismaël

Olise für Ismaël ein Ballon-d´Or-Kandidat

Wenn wir auf die Offensive des FC Bayern schauen, der am Mittwoch eine Schlüsselrolle zuteilwird, ragt Ihr Landsmann Michael Olise heraus. 
Er ist schon jetzt auf einem Top-Niveau und bereit, in einem entscheidenden Spiel wie gegen Paris ein Tor zu erzielen. Und genau das erwartet man von einem Schlüsselspieler. Das ist er innerhalb kurzer Zeit geworden. Als ich vor fünf Jahren als Trainer des FC Barnsley gegen ihn gespielt habe, hat man schon seine Fähigkeiten gesehen, aber er war in den wichtigen Partien noch kein Schlüsselspieler. Das lag auch daran, dass er körperlich noch Nachholbedarf hatte. Nach seiner Station bei Crystal Palace hat er auf internationaler Ebene bei Bayern nochmal einen Schritt gemacht. Und ich traue ihm zu, dass er bei der WM mit Frankreich nochmal einen drauflegt.

Das klingt, als würden Sie ihn durchaus für einen Ballon-d´Or-Kandidaten halten.
Wenn die Bayern die Champions League gewinnen und er eine tolle Weltmeisterschaft spielt, hat er zu 100 Prozent eine realistische Chance auf den Ballon d´Or.

Auf ihn wird es gegen Paris Saint-Germain ankommen: Michael Olise.
Auf ihn wird es gegen Paris Saint-Germain ankommen: Michael Olise. © IMAGO

Ex-Bayern-Verteidiger lobt Offensivtrio 

Neben Olise spielen Luis Díaz und Harry Kane. Das derzeit beste Trio der Welt? 
Ich wurde kürzlich gefragt, ob ich lieber die drei oder Désiré Doué, Ousmane Dembélé und Chwitscha Kwarazchelia in meinem Team haben würde. Ich würde alle sechs nehmen. Ich würde einfach nach 45 Minuten tauschen, weil sie einfach alles mitbringen, was man sich als Trainer wünscht. Das PSG-Trio hat Schnelligkeit und ein unglaubliches Talent. Die Bayern haben mit ihrem Sturmdreizack ebenfalls Schnelligkeit und Talent. Dazu kommt bei ihnen noch diese Erfahrung, dass sie immer in der Lage sind, ein Tor zu erzielen. Viele andere Offensiven hätten im Hinspiel nach dem 2:5 angefangen, zu zweifeln. Die drei haben einfach auf das Tempo gedrückt und Verantwortung übernommen. Das war wirklich brillant.  

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