Meuterei auf der Bank

Innenverteidiger Daniel van Buyten, von Jürgen Klinsmann offenbar entgegen der Absprache in Lissabon nicht für die Bayern-Startelf nominiert, attackiert den Chefcoach: „Das nimmt mir die Motivation.“
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Der Torschütze hält sich an die Absprache – und tanzt nach dem 1:0 bei Sporting Lissabon mit seinem Kumpel, dem Reservisten: Bayern-Star Franck Ribéry (r.) mit Daniel van Buyten.
dpa Der Torschütze hält sich an die Absprache – und tanzt nach dem 1:0 bei Sporting Lissabon mit seinem Kumpel, dem Reservisten: Bayern-Star Franck Ribéry (r.) mit Daniel van Buyten.

Innenverteidiger Daniel van Buyten, von Jürgen Klinsmann offenbar entgegen der Absprache in Lissabon nicht für die Bayern-Startelf nominiert, attackiert den Chefcoach: „Das nimmt mir die Motivation.“

LISSABON Nicht einmal Franck Ribéry trug ein 5:0-Gesicht. Zwei Tore hatte er gemacht in Lissabon, sein erster Doppelpack in der Champions League. Das Sieg bereitende 1:0, dazu bewies er, dass er weiter auch ernsthafte Elfmeter im Repertoire hat. Ein rundum gelungener Abend – war es nicht. Griesgrämig schaute er drein, irgendwie missmutig. Was an seinem besten Kumpel lag, an Daniel van Buyten. Denn der hatte einen bescheidenen Abend, den er meist im Sitzen verbrachte.

Als Zuschauer auf der Bank bis zu seiner späten Einwechslung, bedingt lediglich durch die Verletzung von Lucio. Und so war van Buyten auch das Jubel-Ziel von Ribéry nach dem 1:0. Einen belgisch-französischen Schuhplattler legten sie hin vor der Bank, einen Frusttanz. „Wir haben das im Hotel einstudiert", erzählte Ribéry, „ich hatte es Daniel versprochen." Weil der bedient war und Aufheiterung brauchte.

Die schlechte Laune war mit dem Frühstück dahergekommen. Am Spieltag in Lissabon hatte Trainer Jürgen Klinsmann van Buyten zu sich gebeten – wegen einer Umstellung. „Zwei Tage vorher hat mir der Trainer noch gesagt, ich solle mich auf das Spiel vorbereiten. Davon bin ich ausgegangen, am Mittwoch war plötzlich alles anders“, sagte der 31-Jährige, der gegen Köln in der Startelf gestanden hatte. Anders? Martin Demichelis, zuletzt der schwächste der drei Innenverteidiger, lief an der Seite von Lucio auf. Van Buyten war überzählig. Wieder einmal. Und entgegen der Ankündigung des Trainers. „So etwas ist mir noch nie in meiner Karriere passiert“, ließ er Frust ab, „ich gebe immer mein Bestes, trainiere hart. Auch alle Kollegen sagen mir, dass ich gut gespielt, immer Gas gegeben habe." Eine Erklärung habe es nicht gegeben, so van Buyten: „Wenn so etwas ohne Begründung kommt, ist es schwierig für mich, das nimmt mir die Motivation."

Meuterei auf der Bank!

Tatsächlich ist der Belgier im Kollegenkreis als fairer Teamplayer beliebt – und er wird besonders von Ribéry geschätzt, dem er nach seinem Wechsel 2007 zur Seite stand. „Franck sagte nach seinen beiden Toren zu mir: ,Der für mich schönste Moment war deine Einwechslung.' Das tut natürlich gut."

Was Ribérys Übellaunigkeit erklärt. Der Trainer entscheidet, meinte der Franzose. Und der Trainer hat Verständnis für van Buyten. „Klar, dass Daniel enttäuscht ist, da darf er auch mal seinen Frust rauslassen“, sagte Klinsmann, „ich habe ihm nach dem Köln-Spiel gesagt, dass er es verdient hätte, in Lissabon zu spielen. Aber wir haben drei Top-Innenverteidiger. Er wird seine Chancen bekommen."

Wirklich? Klinsmann hat seine Stammelf. Bis auf den gesperrten Oddo (für ihn durfte Lell drei Mal ran) und den verletzten Toni (Podolski ersetzte ihn gegen Köln) lief seit Januar in sechs Pflichtspielen immer dieselbe Startelf auf. Rotiert wurde nur einmal – als Lucio eine Pause bekam. Der Konkurrenzkampf ist auf ein Minimum reduziert.

Was die Betroffenen verzweifeln lässt. Ottl, Borowski, Podolski, Donovan und Altintop: Schicksalsgemeinschaft. Sie trainieren und trainieren – und schauen beim Spiel zu. „Ich kann nicht mehr machen als mich anbieten und fleißig sein“, sagte Altintop, „mir wird auch immer gesagt, wie gut ich bin und wie nah dran. Aber ich spiele doch nie. Ich kann in den Spiegel schauen, den Rest entscheiden andere." Sprach's und verschwand nach dem Bankett im Aufzug. Ein wenig plaudern. An seiner Seite: Ottl, Borowski, Lell. Allesamt gefrustet, weil aussortiert.

Patrick Strasser

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