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Olympique gehört der milliardenschweren Russin Margarita Louis-Dreyfus – und in Marseille hört alles auf die extravagante Witwe.
| Thomas Becker
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Olympique gehört der milliardenschweren Russin Margarita Louis-Dreyfus – und in Marseille hört alles auf die extravagante Witwe.
Firo Olympique gehört der milliardenschweren Russin Margarita Louis-Dreyfus – und in Marseille hört alles auf die extravagante Witwe.

Marseille - Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Punkt. Aber was Margarita Louis-Dreyfus, geborene Bogdanowa, da immer zu ihrem hell- und dunkelblauen OM-Schal trägt, das kann man so nicht durchgehen lassen: Pelzmäntel in allen Formen und Farben, gewaltige High Heels, Make up satt, so viel Pink wie möglich und immer dieses weiße Malteserhündchen auf dem Arm – sieht so die Besitzerin eines ehemaligen Champions-League-Siegers aus? Mais oui, so sieht sie aus.

Der starke Mann bei Bayern-Gegner Olympique Marseille ist eine Frau: die russische Witwe des früheren Adidas-Bosses und Bayern-Verwaltungsrats Robert Louis-Dreyfus, der 2009 mit 63 an Leukämie starb. Madame übernahm die Mehrheitsanteile seines weltweiten Handelskonzerns: Immobilien, Energie, Rohstoffe. Umsatz: 50 Milliarden Euro im Jahr.

Und dann war da ja noch dieser Fußballklub, Königsklassensieger 1993: Olympique Marseille, kurz: OM. Auch Margarita Louis-Dreyfus hat längst ein Kürzel: MLD. Ihr Spitzname: die schöne Zarin. Ihr Alter: es gibt nur Schätzwerte. Ihr Image: knallharte Geschäftsfrau. Ihr Kontostand: geschätzte 1,25 Milliarden Euro. Diese Frau kann anziehen, was sie will.

Im Flugzeug nach London hatte die aus St. Petersburg stammende, gelernte Handelskauffrau Monsieur Dreyfus kennengelernt – drei Jahre später wurde geheiratet, drei Söhne brachte sie zur Welt. Sie lebten ein südfranzösisches Jet-Set-Leben: Privatjet, Haus am Luganer See, Klamotten je extravaganter, je besser.

Madame liebt den russischen Satiriker Michail Afanassjewitsch Bulgakow, spricht fünf Sprachen, darunter offenbar auch die der Fußballer: Die Kabine von OM soll MLD schon von innen kennen. Das Management des Traditionsvereins hat sie längst nach ihren Wünschen umstrukturiert. Präsident Vincent Labrune und Trainer Didier Deschamps hören auf ihr Wort.

Kein Wunder, dass auch die Lichtgestalt des Fußballs von ihr schwärmt: „Eine tolle Frau“, meinte Franz Beckenbauer, „sie ist eine gute Freundin von mir. Eine wunderbare Frau, die sich in der Männerwelt Fußball durchgesetzt hat. Und um das alles zu verteidigen, den kompletten Nachlass ihres Mannes zu verwalten – und da ist ja was da! –, da musst du schon verdammt stark sein. Und das ist sie. Sie führt den Verein sehr gut. Gerade in Marseille ist das doppelt schwer.“

Doch die wilden Zeiten bei OM mit Gefängnisstrafen, Zwangsabstieg und aberkannter Meisterschaft sind vorbei. Derzeit dümpelt der neunmalige französische Meister im Mittelfeld der Liga rum, unterlag im Pokal zuletzt gar einem Drittligisten. Sorgen um den Einzug ins Champions-League-Halbfinale muss sich Bayern kaum machen. Klaus Allofs, der wie Rudi Völler, Andreas Köpke und Karl-Heinz Förster einst für OM kickte, sagt: „Die Bayern müssen sich nicht fürchten. Marseille ist spielerisch nicht mehr so dominant wie früher.“
Im Klubwappen fordert Franck Riberys Ex-Klub „droit au but“, das Recht am Tor. Eingelöst wurde es zuletzt selten. MLD, die schöne Zarin, drohte vor ein paar Monaten mit dem Verkauf von OM. Das wäre dann doch schade. Allein wegen der schönen Schal-Bilder.

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