Matthäus verteidigt Bayern-Star Olise und sieht Parallelen zu Maradona

Es waren epische Duelle, die sich Lothar Matthäus und Diego Maradona einst auf dem Fußballplatz lieferten. Mal mit dem besseren Ende für den Deutschen wie im WM-Finale 1990, mal mit einem Triumph des Argentiniers wie vier Jahre zuvor im Endspiel von Mexiko City.
Matthäus vergleicht Olise mit Maradona
Kaum einer kannte das Genie Maradona so gut wie Matthäus – und deshalb waren die Worte des Rekordnationalspielers am Montag umso bemerkenswerter. Denn als es um Bayern-Star Michael Olise ging, der so oft gefoult wird wie kaum ein anderer Akteur derzeit im Weltfußball und sich kürzlich im Champions-League-Spiel bei Viking Stavanger zu einem Ballwurf inklusive Gelb-Roter Karte hinreißen ließ, dachte Matthäus an Maradona.

Lerneffekt nach Platzverweis
"Da passiert diesem jungen Weltklassespieler ein Fehler, der nicht passieren darf", sagte Matthäus bei einem Sponsorentermin des Wettanbieters Interwetten im Bayerischen Hof und fragte in die Runde: "Aber habt ihr gesehen, wie er vorgestern gegen RB Leipzig vier-, fünfmal hart genommen wurde und nicht einmal abgewunken hat? Also: Lerneffekt erfüllt." Maradona, der 2020 im Alter von nur 60 Jahren verstarb, sei auch ständig provoziert worden, erinnerte Matthäus.
Olise als Unterschiedsspieler
"Vielleicht versteht Olise mittlerweile: Hey, ich bin so gut. Maradona war das früher auch. Man konnte solche Spieler nur selten mit fairen Mitteln bremsen. Das ist das, was ein guter Spieler zu ertragen hat. Und Olise ist nicht nur ein guter, sondern ein sehr guter Spieler." Große Worte von Matthäus - über das Schicksal der Größten. Zu diesen könnte irgendwann auch Olise zählen, wenn es nach dem Sky-Experten geht.

"Das sind die Unterschiedsspieler. Und die bringen nicht nur Geld auf dem Platz zurück", sagte Matthäus über den 24-jährigen Franzosen und dessen Offensivpartner Harry Kane. Sondern auch außerhalb - unter anderem mit Trikotverkäufen. "Ich würde versuchen, mit Olise zu verlängern, noch mal zwei, drei Jahre. Auch wenn er dann den Vertrag nicht einhält, dann habe ich zumindest eine hohe Ablösesumme, weil umso länger der Vertrag läuft, umso mehr Ablöse kann ich mitnehmen", ergänzte Matthäus.
Neuer, Urbig und die Kaderplanung
"Deswegen verlängern, zehn Millionen drauflegen, glaube ich, kein schlechtes Geschäft für Bayern, und Olise ist glücklich", führte der 65-Jährige aus. Das Geld sei ja da, wenn Torhüter Manuel Neuer seinen 20-Millionen-Euro Vertrag nicht verlängern und am Saisonende aufhören werde. "Und einen neuen Torwart braucht man ja nicht, weil man ja einen hat", sagte Matthäus mit Blick auf Jonas Urbig.
Kein Extradruck auf Olise
Bei Olise hob Matthäus positiv hervor, dass es nach dem Platzverweis in Stavanger keine Extra-Sanktion des FC Bayern gegeben habe. "Was soll ich dem jetzt eine Geldstrafe aufbrummen als Verein, was ja gefordert worden ist? Die größte Strafe für Olise ist, dass er übermorgen nicht spielen darf. Er will Fußball spielen, er will mit euch nicht reden, er will mit mir nicht reden. Er will seine Ruhe haben, er will keine Lederhose anhaben, er will seine Mütze anhaben", sagte der TV-Experte und appellierte: "Lasst ihn so, wie er ist - und dann haben wir viel Spaß."

Bayerns Chancen in der Champions League
Ohne den "Olise-Faktor", der etwas mit dem Gegner mache, werde es schwer, am Mittwoch in der Königsklasse gegen den FC Arsenal zu gewinnen. Insgesamt sieht Matthäus den FC Bayern auf Augenhöhe mit den Gunners, dem FC Barcelona oder Titelverteidiger Paris Saint-Germain. Bayern sei ein "großer Favorit" auf den Sieg in der Champions League. Noch besser seien die Aussichten in zwei anderen Wettbewerben. "Deutsche Meisterschaft würde ich sagen 99,9 Prozent, Pokalsieg 80 Prozent."
Ballon-d'Or-Debatte: Kane und Olise
Spannend: Matthäus erklärte zudem, dass seiner Meinung nach nur zwei Spieler am Montag mit dem Ballon d'Or ausgezeichnet werden dürften. Denn der Bewertungszeitraum sei eigentlich die vergangene Saison bis nach der WM. "Und wenn ich diesen Zeitraum bewerte, der eigentlich zu bewerten ist, da gibt es für mich nur zwei. Die spielen alle bei Bayern München", sagte der 150-malige Nationalspieler. "Harry Kane und Olise - und kein anderer." Also auch nicht Barcelonas Weltmeister Lamine Yamal, der in dieser Saison herausragt. Ob es am Ende so kommt?