Martin Demichelis im AZ-Interview: „Ich lebe wieder“

Nach seiner Verletzungspause hat Demichelis die WM-Qualifikation mit Argentinien geschafft. Jetzt drängt er zurück in Bayerns Stammelf. Hier gibt er einen tiefen Einblick in sein Gefühlsleben.
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Da freut er sich, der Bayern-Star Martin Demichelis.
AP Da freut er sich, der Bayern-Star Martin Demichelis.

Nach seiner Verletzungspause hat Demichelis die WM-Qualifikation mit Argentinien geschafft. Jetzt drängt er zurück in Bayerns Stammelf. Hier gibt er einen tiefen Einblick in sein Gefühlsleben.

AZ: Herr Demichelis, Sie stehen zum ersten Mal seit Anfang August im Bayern-Kader. Beim 3:1 im Pokal gegen Neckarelz spielten Sie 90 Minuten, danach rissen die Bänder im rechten Sprunggelenk.

MARTIN DEMICHELIS: Ich bin sehr glücklich dass ich endlich wieder bei den Jungs bin, mit ihnen reisen, ein Teil der Gruppe sein kann. Ich fühle mich wohl und fit.

In Freiburg hat Trainer van Gaal noch auf Sie verzichtet.

Ja, das haben wir so besprochen. Ich bin erst am Freitag aus Südamerika zurückgekehrt, hatte eine weite Flugreise hinter mir.

Sie kamen mit dem Gefühl, WM-Teilnehmer zu sein, Sie haben das entscheidende Spiel mit Argentinien in Montevideo gegen Uruguay mit 1:0 gewonnen.

Das war unglaublich gut für meinen Kopf, meine Seele, meinen Körper. Das Sprunggelenk hat auch alles ausgehalten – perfekt.

Vor der WM 2006 waren Sie aus dem Kader geflogen, damals sagten Sie in einer ersten Reaktion: „Es ist nicht nur, dass ich keine Lust mehr zum Spielen habe. Ich habe keine Lust mehr zum Leben.“

Ja, da war ich am Boden zerstört. Jetzt bin ich glücklich. Ich lebe wieder (lacht)! Seitdem habe ich in der Nationalelf immer mit Wut im Bauch gespielt.

Wie war die Party nach dem Coup von Uruguay?

Nicht so exzessiv, wie Sie wohl meinen. Natürlich haben wir in der Umkleidekabine gefeiert und gesungen, aber nicht so lange. Wir sind dann zum Flughafen und nach Argentinien zurück geflogen.

Ihr Trainer Diego Maradona hat nach der Partie für einen Skandal gesorgt und Journalisten übel beleidigt. Er sagte: „Diejenigen, die nicht an mich geglaubt haben, sage ich, ihr könnt mir einen...“

Diego hat das gesagt, als er völlig euphorisch war. Ich glaube, hier in Deutschland kann man sich das nicht vorstellen, was in Argentinien abgeht. Die Leute sind verrückt, rund um solch wichtige Spiele dreht sich alles nur um Fußball. Im Fernsehen, im Radio, in den Zeitungen, überall. Es gibt nur ein Thema. Der Druck ist noch größer als hier beim FC Bayern – und für Diego war es ganz speziell vor diesem Spiel.

Was wäre passiert, wenn er in der WM-Qualifikation gescheitert wäre?

Ich glaube, Diego hätte nicht mehr in Argentinien bleiben und dort leben können. Es ist ein Muss, dass wir bei einer WM sind. Natürlich hätte er andere Worte wählen und niemanden beleidigen sollen, aber ich kann seine Emotionen ein wenig nachvollziehen.

Was bedeutet Ihnen Maradona?

Er ist für jeden Fußballer meiner Heimat, nein, für jeden Menschen etwas ganz Besonderes. Er hat auf mich gesetzt, obwohl ich bei Bayern noch nicht wieder im Kader war. Ich durfte in Uruguay von Beginn an spielen, obwohl ich über zwei Monate verletzt war. Das rechne ich ihm hoch an.

Hat er Ihnen als Stammspieler schon das WM-Ticket für Südafrika 2010 versprochen?

Nein, bis dahin ist es noch ein langer Weg. Ich muss gesund bleiben und möchte mir nun so schnell wie möglich meinen Platz bei Bayern zurückerobern.

Hat Ihnen Trainer van Gaal Mut gemacht?

Er hat unser Spiel in Uruguay gesehen und mir danach gratuliert. Ich warte nun auf meine Chance. Ich bin bereit zu kämpfen.

Wie beurteilen Sie die Leistungen des jungen Aufsteigers Holger Badstuber, Ihres Konkurrenten auf der Innenverteidiger-Position?

Das ist keine Frage für mich. Fragen Sie das den Trainer, bitte.

Interview: Patrick Strasser

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