Lautsprecher gesucht: Zwei Bayern-Stars werden bei Löw sehr vermisst

Ohne Führungsspieler wie Manuel Neuer und Joshua Kimmich mangelt es im DFB-Team an der Kommunikation. Bundestrainer Joachim Löw findet, das sei ein Thema von "Reife und Persönlichkeit".
| Patrick Strasser
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Bundestrainer Joachim Löw hat aktuell nur mäßigen Erfolg mit seiner Mannschaft.
Bundestrainer Joachim Löw hat aktuell nur mäßigen Erfolg mit seiner Mannschaft. © Christian Charisius/dpa

München - Geisterspiele am TV zu schauen, ist ein bisschen wie Homeschooling in Sachen Taktik im Fußball. Wie beim Nations-League-Match der deutschen Nationalelf im nahezu komplett leeren Stadion in Basel.

Weil die Richtmikrofone der TV-Sender ziemlich nah an den Trainerbänken standen, waren die Anweisungen von Bundestrainer Joachim Löw teils klar und deutlich zu vernehmen. Da fielen kurze Kommandos als Ermahnung an taktische Vorgaben, etwa "Zuordnung!" oder "Ohne Foul!" sowie "Zum Ball!" oder "Nachsetzen!" Oder auch Lob und Tadel.

Er habe "nicht wahrgenommen, wo die Mikrofone stehen", erklärte Löw nach dem 1:1 gegen die Schweiz. "Während des Spiels denke ich daran nicht", sagte der Bundestrainer, er mache das "situativ" - ob im Hexenkessel oder in der Corona-bedingten Stille. Offensichtlich wurde, dass Löw sehr häufig von seinem Sitz auf der Trainerbank aufstand, den Weg vorbei an der LED-Bande zur Seitenlinie ging - und laut wurde.

Impulsive, lautstarke Spieler fehlten

Seine Spieler brauchten Nachhilfe. Der für diese beiden September-Länderspiele neu zusammengestellten Mannschaft fehlten Lautsprecher, Antreiber. Ersatzkapitän Toni Kroos, technisch der beste Fußballer des Landes, diesmal Aushilfskapitän, ist kein exzentrischer Charakter. Es war schlicht zu ruhig, zu leise auf dem Platz.

Was Löw erkannte. "Es funktioniert besser, wenn eine Mannschaft schon länger zusammen ist. Wenn die Spieler, die länger dabei sind, wenn die auf dem Platz sind, dann ist es auch etwas anderes in der Kommunikation. Ich habe das auch mal thematisiert. Einige waren ganz neu, da kann man das nicht verlangen." Natürlich fehlten die Platzhirsche, allen vor allem Kapitän Manuel Neuer und Joshua Kimmich, der Kapitän der Zukunft. Zwei impulsive, lautstarke Spieler. Neuer dirigiert von hinten heraus, Kimmich gibt als Sechser in der Schaltzentrale den Ton an.

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Es sei ein Thema "einer gewissen Reife und Persönlichkeit", meinte Löw, der ein Freund einer lebhaften Mannschaft ist wie es die Bayern beim Champions-League-Finalturnier von Lissabon gut vernehmbar praktizierten. Unter anderem dank Ex-Nationalspieler Thomas Müller, dem unüberhörbaren Coach auf dem Platz. Und Löw weiter: "Wenn man sich gegenseitig coacht, gibt das Energie und Leben in der Mannschaft, das ist eine Hilfestellung. Manche sind schon ein bisschen zurückhaltend. Auch da müssen wir besser werden."

Im Oktober: "Dann werden wir richtig angreifen"

Was Niklas Süle, der Chef der Dreierkette, bereits vor dem Länderspiel-Doppelpack erkannt und sich selbst ermahnt hatte: "Ich versuche, Verantwortung zu übernehmen. Ich kann noch verbal lauter und auch mit meiner Körpersprache lauter und präsenter werden." Denn Spielertypen wie Thilo Kehrer, Antonio Rüdiger und Neuling Robin Gosens sind eher ruhig und zurückhaltend. Immerhin bei Matthias Ginter, dritter Kapitän in Gladbach, ist ein Fortschritt erkennbar. Aber auch die Offensiven wie Julian Draxler, Julian Brandt, Leroy Sané und Timo Werner sind keine Brüller auf dem Platz.

In vier Wochen schon geht's für die Nationalelf mit einem (von Löw wenig geschätzten) Länderspiel-Dreierpack weiter. Erst testet man in Köln gegen die Türkei (7. Oktober), dann folgen zwei Nations-League-Partien: in der Ukraine (10.10.) und gegen die Schweiz (13.10.). "Wenn alle Spieler im Oktober wieder da sind, wird auch das besser, dann ist es lauter, auch im Training", glaubt Löw, "da gibt es schon Spieler, die die Verantwortung übernehmen zu coachen. Manche müssen da noch reinwachsen. Das ist ein Thema, das wir in den nächsten Wochen verstärkt angehen müssen."

Löws Versprechen: "Natürlich werden wir mit voller Kapelle antreten im Oktober und November dann werden wir richtig angreifen und auch die ersten Spiele gewinnen in der Nations League." Hört, hört!

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