Konkurrenz im Transfer-Check: Reicht es dieses Mal für den Angriff auf den FC Bayern?
Geht es nach Lothar Matthäus, wird das Meisterrennen in der Bundesliga auch in der kommenden Saison ein langweiliges. "Generell halte ich den Konkurrenzkampf um die Stammplätze beim FC Bayern für spannender als das Rennen um die deutsche Meisterschaft", schrieb der Rekordnationalspieler jüngst in seiner Sky-Kolumne.
Ist die Konkurrenz also wieder so schwach – und was treiben die Bayern-Verfolger so auf dem Transfermarkt? Die AZ macht den Check:
Borussia Dortmund
Der Vizemeister der Vorsaison vollzieht in diesem Sommer einen durchaus beachtlichen Umbruch. Die Verträge von Julian Brandt (wechselte zu Ajax Amsterdam) und Niklas Süle (Karriereende) wurden nicht verlängert, dazu wurde Dauer-Sorgenkind Karim Adeyemi ein Jahr vor Vertragsende für rund 22 Millionen Euro an den FC Barcelona verkauft.
Auch in Sachen Neuzugänge ist Sportchef Ole Book äußerst aktiv und besinnt sich dabei auf die Transferstrategie, die den BVB insbesondere in den 2010er-Jahren erfolgreich gemacht hat. Heißt: junge, hochtalentierte Neuzugänge verpflichten, um ihnen den Feinschliff zu geben und sie im Optimalfall mit möglichst großer Wertsteigerung zu verkaufen.
Dies spiegelt sich auch in den bisherigen Verpflichtungen wider. Bis dato hat die Borussia mit Konstantinos Karetsas (18, kam für 30 Millionen Euro von KRC Genk), Joane Gadou (19/20 Millionen/Red Bull Salzburg), Kaua Prates (18/sieben Millionen/Cruzeiro) und Justin Lerma (18/vier Millionen/Independiente) vier externe Neuzugänge verpflichtet, die sich allesamt noch im Teenager-Alter befinden.
Königstransfer sollte ursprünglich Said El Mala werden. Nachdem der Transfer an der 50-Millionen-Ablöseforderung des 1. FC Köln gescheitert war, richtete sich der Fokus der BVB-Bosse auf Giannis Konstantelias von PAOK Saloniki. Die Verpflichtung des 23 Jahre alten Angreifers für eine Ablöse von rund 30 Millionen Euro war am Montag perfekt, kurz darauf folgte die des niederländischen Mittelfeldmanns Joey Veerman (27) von der PSV Eindhoven. Kostenpunkt: rund 20 Millionen Euro.

Geht der Plan auf, könnte insbesondere die Offensive um Konstantelias und Spielmacher Karetsas, einem der talentiertesten Mittelfeldspieler Europas, für Furore sorgen. Fraglich ist allerdings, ob die beiden Freigeister von Disziplinfanatiker Niko Kovac auch die nötigen Freiheiten bekommen, um sich voll entfalten zu können. Zudem werden die jungen Spieler zunächst Zeit brauchen, um sich an das neue Umfeld und das Niveau der Bundesliga zu gewöhnen.
Bayer 04 Leverkusen
Wie schon nach dem Abgang von Star-Trainer Xabi Alonso im vergangenen Jahr ist Bayer Leverkusen auch heuer wieder eine große Unbekannte. Nach einer turbulenten und insgesamt enttäuschenden Vorsaison soll unter dem neuen Übungsleiter Carles Martínez, der zuletzt beim FC Toulouse unter Vertrag stand, bei der Werkself wieder Kontinuität einkehren.

Damit es auch auf dem Platz besser läuft, wurde der Kader bereits für knapp 100 Millionen Euro verstärkt. Bisheriger Königstransfer ist der von Linksaußen Afonso Moreira (21), der für knapp 30 Millionen Euro von Olympique Lyon verpflichtet wurde. Zudem wurde die Abwehr mit Linksverteidiger Miguel Gutiérrez (kam für 26 Millionen aus Neapel) und Vize-Weltmeister Facundo Medina (23 Millionen/Olympique Marseille) verstärkt.
Große Hoffnungen setzt man unter dem Bayer-Kreuz auch auf das deutsche Supertalent Kennet Eichhorn, das für neun Millionen von Hertha BSC verpflichtet wurde. Während der Vorbereitung wurde beim 16-jährigen Mittelfeldspieler allerdings eine Stoffwechselkrankheit diagnostiziert, die ihn bis auf Weiteres zum Zuschauen zwingt.
Einen großen Aderlass hat Leverkusen in diesem Sommer nicht zu verzeichnen. Prominentester Abgang ist Alejandro Grimaldo, der für 22 Millionen Euro zu Atlético Madrid gewechselt ist. Zudem hübscht der feste Verkauf von Piero Hincapié die Bilanz noch etwas auf. Der Ecuadorianer wechselt nach einjähriger Leihe nun für 49 Millionen Euro fest zum FC Arsenal.
RB Leipzig
Auch bei RB Leipzig steht seit Sommer ein neuer Trainer an der Seitenlinie – und zwar kein Geringerer als Ex-Bayer Martin Demichelis. Der Argentinier war zwischen 2003 und 2011 selbst als Spieler für den Rekordmeister aktiv und arbeitete später auch als Jugendcoach bei den Münchnern. Nun soll der Nachfolger von Ole Werner, der von Jürgen Klopp kurz vor dessen Inthronisierung als Bundestrainer aus dem Amt gekegelt wurde, seinem Ex-Klub das Leben schwer machen.
Inwiefern das gelingt, wird sich zeigen. Mit Torhüter Peter Gulacsi (wechselte zum FC Villarreal) und Xaver Schlager (Nottingham Forest) wurden zwei wichtige Leistungsträger und Führungsspieler abgegeben. Zudem verließ mit Yan Diomande der wichtigste Offensivspieler den Verein – für ihn kassierte Leipzig von Real Madrid immerhin eine satte Ablöse von 125 Millionen Euro.

Auf der Zugangsseite stehen mit Innenverteidiger Maxim Esteve (kam für 25 Millionen vom FC Burnley) und Mittelfeldspieler Rocco Reitz (20 Millionen/Borussia Mönchengladbach) bislang lediglich zwei externe Neuzugänge. Eine Verpflichtung von Hoffenheims Fisnik Asllani scheiterte, nachdem beim Medizincheck Zweifel aufgetreten waren.
Die Diomande-Lücke in der Offensive muss also noch gefüllt werden. Ein Kandidat, der auch bei RB immer wieder gehandelt wird, ist El Mala. Anders als der BVB könnte Leipzig die geforderte Ablöse von 50 Millionen Euro locker stemmen.
VfB Stuttgart
Während die anderen Bayern-Konkurrenten mehr oder weniger große Umbaumaßnahmen im sportlichen Bereich vornehmen, bleibt beim VfB Stuttgart alles beim Alten. Wozu auch etwas ändern, das seit Jahren hervorragend funktioniert?
Seit der Amtsübernahme von Sebastian Hoeneß im April 2023 zeigt die Entwicklung des VfB fast durchgehend in eine positive Richtung. Zuletzt qualifizierten sich die Schwaben zweimal für das DFB-Pokalfinale, kommende Saison nimmt er erneut an der Champions League teil.

Wenig verwunderlich, dass man in Stuttgart verstärkt auf Kontinuität setzt. Dank der Königsklasse als Faustpfand konnten die Leistungsträger in diesem Sommer bislang fast durchweg gehalten werden. Namhaftester Abgang ist Alexander Nübel, der nach seiner Leihe wieder zu den Bayern zurückkehrte und an Besiktas weiterverkauft wurde. Er wird im Tor durch Dennis Seimen ersetzt. Der 20-Jährige gilt als eines der größten Torwart-Talente Deutschlands und soll sich nach seiner Leihe in die zweite Liga nach Paderborn im vergangenen Jahr nun in der Bundesliga etablieren.
In der Offensive haben sich die Schwaben mit Dzenan Pejcinovic verstärkt. Der Angreifer kommt für 25 Millionen Euro vom VfL Wolfsburg und soll den Etablierten Ermedin Demirovic und Deniz Undav Dampf machen. Zudem wurden mit Leo Sauer (kam für 14 Millionen aus Hoffenheim) und Routinier Grischa Prömel (Hoffenheim) zwei weitere externe Neuzugänge verpflichtet. Mit dem VfB wird also auch in der kommenden Saison zu rechnen sein.
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