Kompany zufrieden, aber Kimmich meckert: "Da haben wir noch sehr, sehr viel Arbeit vor uns"

Trotz Supercup-Triumph in Dortmund schlägt Joshua Kimmich ungewohnt kritische Töne an. Während Trainer Vincent Kompany vom perfekten Saisonstart spricht, warnt der Vizekapitän des FC Bayern vor trügerischer Frühform.
von  Patrick Strasser
Joshua Kimmich (l., mit Manuel Neuer) begutachtet den Franz-Beckenbauer-Supercup. Der Sieg über Dortmund freut ihn, die "Art und Weise" des Triumphes aber weniger.
Joshua Kimmich (l., mit Manuel Neuer) begutachtet den Franz-Beckenbauer-Supercup. Der Sieg über Dortmund freut ihn, die "Art und Weise" des Triumphes aber weniger. © IMAGO/Cweis/TEAM2sportphoto

Konfetti, Kakadu, Kompany – und Kimmich. Die Bayern feiern ihre erste Trophäe der Saison. "In Dortmund einen Titel zu gewinnen, kann man schon als perfekten Saisonstart bezeichnen", meinte Trainer Vincent Kompany, der zu Perfektionismus neigt. Zu diesem Stadium der Spielzeit ließ der Coach Milde walten und sprach: "Es war eine sehr gute erste Halbzeit. Auch in der zweiten Halbzeit haben wir sehr viel Bereitschaft gezeigt. Da hat man das Herz und den Charakter der Mannschaft gesehen. Die Mentalität bleibt das Wichtigste für diese Mannschaft. Einfach nicht akzeptieren, dass wir einen Schritt weniger machen."

Milde von Kompany, Kritik von Kimmich

Vizekapitän Joshua Kimmich akzeptiert das nicht. Kompany weiß das. Kompany schätzt das. Der 31-jährige Mittelfeld-Chef ist für klare Ansagen und seine Ehrlichkeit bekannt. Nach dem 2:1-Erfolg beim BVB meinte Kimmich zu Performance: "Ich fand ehrlicherweise schon die erste Halbzeit nicht so gut. Natürlich führen wir mit 2:0. Wir sind zufrieden, dass wir gewonnen haben."

Ergebnis okay, das "Wie" verbesserungswürdig – besser als umgekehrt. Logo. Dennoch ist es erstaunlich, dass Kompany und Kimmich die Dinge so unterschiedlich bewerten. Was die "Art und Weise" betreffe, sei man "noch weit weg" von dem, was sich der Sechser mit Blick auf die Saison vorstellt. Kimmich konkret: "Wir waren nicht so aktiv mit Ball, haben es nicht immer geschafft, uns zu unterstützen."

Kimmich: "Da haben wir noch sehr, sehr viel Arbeit vor uns"

Man habe "ein bisschen zu viel zugelassen – vor allem nach Flanken. Da müssen wir uns deutlich verbessern." Nach dem Wechsel habe man nicht geschafft, "das Spiel zu kontrollieren" oder es zu beruhigen, "da wäre schon einiges möglich gewesen. Der BVB hatte einfache Ballverluste, die wir hätten besser ausnutzen und bestrafen können." Unterm Strich: "Da haben wir noch sehr, sehr viel Arbeit vor uns."

In der Nationalelf noch mehr nach dem blamablen WM-Aus im Sechzehntelfinale. Ob er denn mit dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp, Tribünengast beim Supercup, telefoniert habe? "Ja, wir haben ein Mal gesprochen", antwortete Kimmich, wollte aber nicht auf Inhalte des Gesprächs eingehen. "Lustig" sei es gewesen, er sei auch zu Wort gekommen. "Ich habe es versucht." Seine Aussichten? Er bleibt wohl DFB-Kapitän.

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