"Können besser und mehr Fußball spielen": Klopp zieht erstes Fazit nach DFB-Remis gegen die Niederlande
Man ist bescheiden geworden als Begleiter der deutschen Nationalmannschaft. Und so begann einer der Reporter seine Frage an Jürgen Klopp um kurz vor Mitternacht in der Johan-Cruyff-Arena in Amsterdam mit: "Gratulation zum Punkt!" Der Bundestrainer blickte überrascht vom Podium und entgegnete: "So fühlt es sich nun auch nicht an. Ich denke, wir haben aufgrund des späten Ausgleichs zwei Punkte verloren. Ich hätte natürlich super gerne gewonnen, aber ich kann mit dem Unentschieden leben."
Gakpo raubte DFB-Team den Sieg
Das 1:1 der Niederländer in der Nachspielzeit durch Cody Gakpo raubte dem DFB-Team und dem Debütanten Klopp nach dem Führungstreffer von Felix Nmecha einen – zumindest ergebnistechnisch – perfekten Start in die Gruppenphase der Nations League. Und überhaupt: In eine neue Zeitrechnung. Es war ein wildes, hitziges Nachbarschaftsduell. Hin und her wogte es.
Zu sehen waren zwei Schiffe auf hoher See, die mit veränderter Besatzung und neuem Kapitän auf der Kommandobrücke – bei den Niederländern feierte der Spanier Xavi seine Premiere als Bondscoach - noch nicht aufeinander abgestimmt waren für alle Wetter und Widrigkeiten. Beide Boote erreichten am Ende den Hafen – mit Schlagseite, abgekämpft, aber zufrieden. Ein Spiel zum Reinkommen, zum (Kennen-)Lernen.
Es hat sich meistens gut angefühlt.
Klopp: "Es gibt eine lange Liste an Dingen, die geklappt haben"
Eine Partie, mit der beide Trainer 86 Tage nach dem jeweils peinlichen WM-Aus im Sechzehntelfinale arbeiten können. Das Boot der Vorgänger war im Sommer jämmerlich gesunken. Die doppelte Jungfernfahrt von Amsterdam war ein bisschen Kompass, ein bisschen Blindflug. "Es hat sich meistens gut angefühlt", meinte Klopp nach der Partie bei RTL und sah das Positive: "Es gibt eine lange Liste an Dingen, die geklappt haben."
Die Energie, die Laufbereitschaft, der Wille – alles da, wieder da. "Es war ein guter erster Schritt, brutal intensiv, beide haben Feuer und Energie reingebracht", analysierte es Abwehrspieler Jonathan Tah treffend und fand: "Es war nicht alles perfekt, darum ging es auch nicht. Es ging darum, zu zeigen, ein anderes Gesicht auf den Platz zu kriegen." Das war es, was Jürgen Klopp von seiner Mannschaft einforderte. Das neue Gesicht wollte ein anderes seiner Spieler sehen. Das gelang. Mehr Miteinander, mehr Füreinander, mehr Wir-Gefühl. Das verkörpert Klopp, das fordert Klopp.

Klopp fordert Zeit nach Remis gegen die Niederlande
Sowie sein stilprägendes, laufintensives Umschaltspiel. Sein geliebtes "organisiertes Chaos". Was den Gegner und zeitweise auch die eigene Mannschaft verwirrte. "Die Abläufe können noch nicht natürlich sein", sagte Klopp, "wir brauchen Zeit, damit sich die Abläufe – vor allem gegen den Ball – für die Jungs selbstverständlicher anfühlen. Aber das war ja klar."
Die taktische Sicherheit habe noch gefehlt, auch im Gegenpressing. Er habe, so der Neue auf der Kommandobrücke, dennoch „viele gute Eindrücke“ gewonnen. Was Trainer ja lieben, wenn man eben nicht verloren hat: Man habe sich selbst "Arbeit verschafft", so Klopp, der betonte: "Ich war in vielen Momenten mit unserem Spiel zufrieden. Fürs erste Spiel war so viel dabei, womit wir super arbeiten können."
Ich weiß, ich darf nicht die nächsten 500 Spiele unentschieden spielen, sonst bin ich bald wieder beim Padel.
Klopp: "Ich darf nicht die nächsten 500 Spiele unentschieden spielen"
In den nächsten Tagen in Herzogenaurach, wenn man sich auf die Heimspiele gegen Griechenland (Sonntag in Augsburg) und Serbien (nächsten Donnerstag in München) vorbereitet. Klopp weiß: "Wir können besser und mehr Fußball spielen, ganz bestimmt. Es gibt viel Spielraum für Verbesserungen und da sind wir jetzt dran." Immer wieder wurde er nach seinen Emotionen, seinen Gedanken bei der Rückkehr an die Seitenlinie gefragt.
Im Mai 2014 hatte er nach knapp neun Jahren sein letztes Spiel für den FC Liverpool gecoacht. "Ich war mir nicht sicher, ob irgendwas eingerostet ist", sagte der 59-Jährige, "aber geht noch, ist ein bisschen wie Rad fahren." Während seines Engagements als "Global Head of Soccer" im Red-Bull-Kosmos, einem strategisch geprägten Job, sei er seit Januar 2025 "nur drei Mal" seiner großen Leidenschaft Padel nachgegangen - "weil ich eine alte Hüfte habe". Zum Ende der Fragerunde am späten Abend in Amsterdam witzelte er: "Ich weiß, ich darf nicht die nächsten 500 Spiele unentschieden spielen, sonst bin ich bald wieder beim Padel."
