"Knochenbrüche und schwere Reizungen der Atemwege": Südkurve des FC Bayern verurteilt Polizeieinsatz beim Klassiker
Die legendäre Südtribüne des Signal-Iduna-Parks brannte. Die Ultras von Borussia Dortmund zündeten viel Pyro, formten dazu den Giga-Schriftzug: „Heja BVB“. Die Extramotivation vor dem Duell gegen den FC Bayern. Und die Ultras der Münchner?
Ultras berichten von mehreren Verletzten
Der vordere Teil des Gästeblocks blieb über die vollen 90 Minuten leer. Auch die üblichen Banner wurden nicht ausgerollt. Keine Fahnen, keine Trommeln und nur ein leiser Fangesang. Als Jamal Musiala in der 30. Minute zum Aufwärmen ging, schaute er recht ratlos auf die Tribüne. Mit rudernden Armen ermunterte er die wenigen anwesenden Bayern-Anhänger, mehr Stimmung zu machen.
Wenig später wurde er von einem der Fans am Zaun über die Hintergründe aufgeklärt, die die AZ bereits wenige Minuten nach dem Anpfiff aus Ultrakreisen erfahren hatte. Es gab eine Auseinandersetzung zwischen Fans und der Polizei direkt vor dem Gästeblock. Beamte gingen mit Schlagstöcken und Pfefferspray auf einen Teil der Anhänger los. Ultras berichten von mehreren Verletzten.
Südkurve: "Übertraf das Maß an Polizeigewalt vergleichbarer Übergriffe"
"Neben Knochenbrüchen und Gesichtsverletzungen mussten vor allem schwere Reizungen der Augen und Atemwege attestiert werden", schreibt die Südkurve in einer Mitteilung am Sonntag: "In Quantität wie Intensität übertraf das Maß an Polizeigewalt in Dortmund vergleichbare Übergriffe, die wir in Madrid oder Athen erleben mussten." Wie es dazu kam?

Die Polizei Dortmund erklärte am Samstagabend auf AZ-Nachfrage, dass eine 29-köpfige Gruppe zuvor versucht habe, sich mit nicht regulären Tickets in den Gästeblock zu schleusen. Nachdem mehrere Mitarbeiter des BVB-Ordnungsdienstes körperlich angegriffen worden seien, hätten Einsatzkräfte eingegriffen. Die betroffenen Fans seien in der Folge von den Beamten kontrolliert worden und hätten die Gästetribüne wohl sogar betreten dürfen.
Situation im Signal-Iduna-Park eskaliert
Aus Solidarität mit den festgehaltenen Anhängern, so schreibt es die Polizei Dortmund in einer Mitteilung, kam es zu "tätlichen Angriffen auf Polizeibeamte". Die Situation eskalierte. Auch, weil die Einsatzkräfte laut Südkurve überhart vorgingen: "Der Polizei wären wesentlich ungefährlichere Maßnahmen wie Videoüberwachung, die zahlreichen eingesetzten szenekundigen Beamten oder auch eine weniger konfrontative Ansprache zur Verfügung gestanden."
So seien die Verletzungen ohne Not "bewusst in Kauf genommen" worden. Nachdem sich die Lage wieder beruhigt hatte, entschieden sich die Ultras des Rekordmeisters für einen Boykott. Rund 500 Personen blieben bis zum Abpfiff vor dem Eingang des Gästeblocks. Im Innenraum hörte man zu Beginn der zweiten Halbzeit "Alle Bullen sind Schweine"-Fangesänge. Dazu hissten die BVB-Ultras ein Banner mit der Aufschrift: "Freiheit für Gästefans in Dortmund!"

Polizei leitet Strafverfahren gegen 29 Bayern-Fans ein
Auch die übrigen Anhänger der Bayern solidarisierten sich mit den Ultras. Sie entrollten einen Schriftzug. Darauf in fetten Lettern: "Freiheit für Fußballfans." Eine klare Botschaft in Richtung der Polizei Dortmund, die gegen die erwähnten 29 Fans ein Strafverfahren wegen Hausfriedensbruch eingeleitet hat. Kurz nach der Partie kochte die Situation nochmal über. Als ein Beamter einen Fan, der zuvor an einem "Angriff" auf Beamte beteiligt gewesen sei, unter der Tribüne wiedererkannte, kam es erneut zu Gewalt.
Im Zuge der Personalienfeststellung, so schreibt es die Polizei, sei es zu "Angriffen auf die Einsatzkräfte" gekommen. Zum zweiten Mal an diesem Abend wurde zum Pfefferspray und Schlagstock gegriffen. Dazu schreibt die Südkurve: "Der Großteil der eingesetzten Beamten ließ auch deutlich optisch wie verbal ihren Gefallen an dem Angriff auf die Fans erkennen." Klarer geht Kritik in Richtung der Polizei kaum.
Bayern-Fans verschandeln Bahnhof in Pasing
Übrigens: Es war nicht der einzige Vorfall am Klassiker-Wochenende. Schon in der Nacht von Freitag auf Samstag kam es in Pasing zu einem Einsatz. Nachdem der Sonderzug nach Dortmund zu spät kam, hielten sich rund 250 Fans ab circa 3.30 Uhr für eine Stunde in der Unterführung des Bahnhofes auf. Die Wartezeit nutzten diese, um diverse Graffiti-Tags und Aufkleber an den Wänden und Schaukästen anzubringen.
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