Klopp und die Torwartfrage: Wird Bayerns Urbig die neue Nummer 1?
Es könnte der größte Kader der DFB-Historie sein, den Jürgen Klopp am Donnerstag um 10 Uhr beruft. Der Bundestrainer plant offenbar ein XXL-Casting bei seinen vier Debütspielen, um möglichst viele Spieler zu sehen. Problem allerdings: Er darf für jedes der vier anstehenden Nations-League-Duelle in der ungewöhnlich langen Abstellungsperiode nur 20 Feldspieler und drei Torhüter nominieren.

Klopp denkt über A- und B-Kader nach
Dass Klopp über die 23 hinausgehen wird, gilt als sicher, er müsste somit jeweils einige Spieler aus dem Kader streichen. Sky berichtet sogar von einem "Gedankenspiel" mit einem A- und B-Kader und einem Wechsel nach den ersten beiden Spielen in Amsterdam gegen die Niederlande (24. September) und in Augsburg gegen Griechenland (27. September). Es folgen das Heimspiel gegen Serbien in München (1. Oktober) und die Reise ins griechische Thessaloniki (4. Oktober).
Junge Talente drängen in den DFB-Kader
Klopp hatte von 57 Feldspielern mit DFB-Potenzial gesprochen, es dürfte einige Überraschungen geben. "Wir haben unglaublich viel Talent. Wir sind bei der U17 Welt- und Europameister geworden", sagte Klopp: "Die müssten jetzt 20 sein. Jetzt, mit Führerschein, können wir sie gebrauchen." Newcomer wie Maurice Krattenmacher (SV Elversberg) oder Paris Brunner (AS Monaco) stehen auf Klopps Liste, dazu Nicolò Tresoldi aus Brügge oder Bayern-Profi Tom Bischof.

Urbig als möglicher Neuer-Erbe im Fokus
Mit am spannendsten wird es auf der Torhüterposition, wo Manuel Neuer nach dem WM-Aus seinen Rücktritt erklärt hatte. Wie beim FC Bayern ab Sommer 2027 könnte auch im Nationalteam Jonas Urbig auf Neuer folgen - entweder schon jetzt oder in Zukunft. Urbig berichtete zuletzt von einem "guten Gespräch" mit Klopp, dessen Inhalt nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sei. Der 23-Jährige sollte auf jeden Fall zum Kader gehören. Aber wird er auch direkt die neue Nummer eins?

Matthäus fordert langfristigen Aufbau
"Ich finde, dass man Urbig auf Sicht aufbauen muss, um bei Turnieren in der Zukunft eine klare Nummer eins zu haben", schrieb Rekordnationalspieler Lothar Matthäus in seiner Sky-Kolumne: "Vom Alter her ist er derjenige, der die meisten Turniere spielen kann." Klopp habe auf der Position "viele Alternativen", deshalb gebe es offene Fragen, so Matthäus: "Nimmt er drei oder vier Torhüter mit? Was macht er mit Jonas Urbig, der bei Bayern nicht die Einsatzzeiten hat wie die anderen Kandidaten in ihren Vereinen?" Urbig habe in München "nicht den Spielrhythmus wie Marc-André ter Stegen bei Ajax, Loris Karius bei Schalke oder Noah Atubolu in Frankfurt".

Ter Stegen wohl dabei, Baumann außen vor
Matthäus glaubt, dass ter Stegen, der die WM wegen einer langen Verletzungspause verpasst hatte, im Kader "sicher dabei sein wird. Wenn er in Amsterdam weiter seine Leistungen bringt, ist er ein Kandidat für die Nummer eins im deutschen Tor." Hoffenheims Oliver Baumann, der kurz vor der WM von Ex-DFB-Coach Julian Nagelsmann als Stammkeeper abgesetzt wurde, wird laut "Bild" hingegen nicht nominiert. Ganz bitter für den 36-Jährigen.

Konkurrenzkampf der Keeper
Dies dürfte die Aussichten von anderen Keepern verbessern, etwa von Alexander Nübel. Der 29-Jährige wechselte im Sommer vom FC Bayern zu Besiktas Istanbul und zeigt dort gute Leistungen. Er besitzt vielleicht die beste Mischung aus Können und Erfahrung. Auch ter Stegen, Karius und Atubolu dürfen hoffen - ebenso wie Urbig. "Ich glaube, dass man ihm auf jeden Fall vertrauen kann. Er hat das in allen Wettbewerben gezeigt", schwärmte Neuer, der den Mentor für Urbig gibt: "Da habe ich ein sehr gutes Gefühl."
Und wenn es einer wissen muss, ist es der mehrmalige Welttorhüter und Weltmeister von 2014.

