Interview

"Kenne ihn schon seit er 13 oder 14 ist": FC-Bayern-Star gibt Einblicke in die Jugend von Pavlovic

WM-Countdown: FC-Bayern-Star Jovana Damnjanovic spricht im AZ-Interview über ihren Titelfavoriten, Lennart Karl und Aleksandar Pavlovic, der eigentlich für die serbische Nationalmannschaft hätte spielen können.
von  Maximilian Koch
Sympathieträgerin bei den Frauen des FC Bayern: Jovana Damnjanovic, hier mit Klara Bühl.
Sympathieträgerin bei den Frauen des FC Bayern: Jovana Damnjanovic, hier mit Klara Bühl. © IMAGO

AZ: Frau Damnjanovic, Sie haben den Saisonendspurt der Bayern-Frauen wegen einer schweren Verletzung am Unterschenkel leider verpasst. Wie fällt Ihr Fazit aus nach dem Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal sowie dem Aus im Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona?
JOVANA DAMNJANOVIC: Das Champions-League-Finale war schon ein großes Ziel von uns, aber wir können insgesamt sehr zufrieden sein. Wenn ein neuer Trainer kommt, braucht es immer ein bisschen Zeit, bis alles klappt. Im Laufe der Saison haben wir uns dann gefunden. Mit dem Double haben wir etwas Großes geschafft. Und nächstes Jahr schauen wir, dass es international noch ein bisschen weitergeht. Bei mir persönlich ist es so, dass ich in der Vorbereitung auf die neue Saison wieder voll angreife mit meiner Mannschaft.

Damnjanovic wird WM an der Beach-Bar schauen

Zuvor steht aber Urlaub für Sie an. Wie werden Sie die WM der Männer verfolgen?
Ich sehne mich schon nach dem Urlaub und werde sicher ein Spiel nach dem anderen in einer Beach-Bar schauen (lacht). Leider wird die WM-Euphorie bei uns in Serbien nicht so groß sein, weil unsere Mannschaft das Turnier leider verpasst hat.

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Woran liegt das? Immerhin ist es die größte WM der Historie mit 48 Teams. . .
In Serbien steckt der Fußball momentan generell in einer großen Krise. Meiner Meinung nach liegt die Hauptverantwortung bei der Verbandsspitze. Die Menschen, die heute den serbischen Fußball führen, sind nicht wegen ihres Wissens, ihrer Kompetenz oder ihrer Qualifikationen auf diese Positionen gekommen, sondern durch das Parteibuch der regierenden korrupten Partei. Deshalb arbeiten viele eher für ihre eigenen Interessen als für den serbischen Fußball. Das ist besonders schade, weil Serbien eigentlich talentierte und starke Spieler hat. Leider sind unter Nationaltrainer Dragan Stojkovic einige erfahrene Spieler wie Sergej Milinković-Savić sowie Dusan Tadic aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Jetzt bleibt nur die Hoffnung, dass es mit Veljko Paunovic wieder bergauf geht. Bis dahin werde ich bei der WM wohl anderen Mannschaften die Daumen drücken.

Die Mannschaft kann nicht die WM gewinnen, aber sie kann eine der Überraschungen werden.

Jovana Damnjanovic

Bayern-Star sieht England und Deutschland als Titelfavorit 

Und wem?
Mir gefällt die Mentalität, die Bosnien-Herzegowina in den Playoffs gezeigt hat. Die Mannschaft kann nicht die WM gewinnen, aber sie kann eine der Überraschungen werden. Und natürlich halte ich auch zu Deutschland. Ich lebe ja schon fast 13 Jahre hier, es ist meine zweite Heimat geworden. Ich besitze inzwischen auch den deutschen Pass. Und deshalb hoffe ich, dass Deutschland weit kommt.

Wer ist der Favorit auf den WM-Titel?
Ich glaube, dass England sehr hoch einzuschätzen ist und auch Deutschland. Wenn alles gut passt, kann es Deutschland weit schaffen. Und die Spanier sind natürlich immer gefährlich und oben dabei, die darf man nie vergessen. Ich bin sicher, dass am Ende eine europäische Mannschaft den Titel holt.

Will mit dem DFB-Team eine erfolgreiche WM bestreiten: Bundestrainer Julian Nagelsmann.
Will mit dem DFB-Team eine erfolgreiche WM bestreiten: Bundestrainer Julian Nagelsmann. © IMAGO

Damnjanovic fordert Geduld für Nagelsmann

Wie sehen Sie die Entwicklung der DFB-Elf unter Julian Nagelsmann?
Man muss Nagelsmann und der Mannschaft Zeit geben, ihnen vertrauen. Nach der WM kann man dann bewerten, ob es ein Erfolg war oder nicht. Es hilft jetzt nichts, über jede Personalie zu diskutieren wie über Deniz Undav. Man muss die Mannschaft in Ruhe arbeiten lassen. Nagelsmann geht seinen Weg - und das sollte man respektieren.

Wer könnte der Spieler der WM werden?
Da denke ich an die Spieler, die derzeit den europäischen Fußball prägen: Michael Olise, Harry Kane, Lamine Yamal, auch der Engländer Bukayo Saka oder die Franzosen Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé. Ich denke, dass ein Flügelspieler überragen wird. Mein Tipp ist Olise, weil er bei Bayern spielt. Er kann der Spieler der WM werden.

Mein Tipp ist Olise, weil er bei Bayern spielt. Er kann der Spieler der WM werden.

Jovana Damnjanovic

Bayern-Spielerin freut sich über Entwicklung von Pavlovic

Welche Impulse bringt Lennart Karl der deutschen Mannschaft?
Er besitzt Qualitäten, die nicht so viele Spieler haben. Er hat diesen Spielwitz, einen überragenden linken Fuß, ist dribbelstark. Er kann der Mannschaft auf jeden Fall helfen. Deutschland hat nicht so viele Spieler mit diesem Profil wie Lennart.

Wie gefällt Ihnen eigentlich Aleksandar Pavlovic, der wie Sie serbische Wurzeln hat?
Aleks macht es einfach überragend. Manchmal vergesse ich, dass er erst 22 Jahre alt ist. Ich kenne ihn schon seit er 13 oder 14 ist und einer von gefühlt 300 Jungs am Campus war. Ich mag ihn persönlich sehr, er ist ein guter Kerl. Er war damals schon total nett, hat mich immer gegrüßt. Er wusste, dass ich aus Serbien bin. Seit dieser Zeit folgen wir uns auf Instagram (lacht). Dass er sich zu so einem krassen Spieler entwickelt hat, freut mich extrem für ihn.

Hätte auch für Serbien auflaufen können: Aleksandar Pavlovic.
Hätte auch für Serbien auflaufen können: Aleksandar Pavlovic. © IMAGO

Damnjanovic hat Verständnis für DFB-Wahl von Pavlovic 

Sind Sie trotzdem ein bisschen traurig, dass er nicht für die serbische Nationalmannschaft spielt?
Dass er die deutsche Mannschaft gewählt hat und nicht die serbische, ist verständlich, wenn man sich den Zustand des serbischen Fußballs anschaut. Und Aleks ist ja auch hier in München geboren und aufgewachsen, er ist schon sein ganzes Leben bei Bayern. Er hat alles richtig gemacht. Klar, für Serbien wäre Aleks ein riesengroßer Gewinn. Aber für ihn persönlich ist es besser so.

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