Kein Gegentor – aber viel Hass für Neuer bei letzter Schalke-Rückkehr: "Das habe ich erwartet"
Olaf Thon ist einer der zehn Ehrenspielführer des FC Schalke 04, sein Name hängt auf einem Banner in der Veltins Arena. Dem 60-Jährigen, geboren in Gelsenkirchen, wurde diese Ehre zuteil, obwohl der Schalker Junge einst 1988 von den Königsblauen zum FC Bayern gewechselt ist.
Neuer kehrt zurück – und wird ausgebuht
Wie Manuel Neuer im Sommer 2011. Als der Torhüter nun zu seinem wohl letzten Auftritt in seine ehemalige Heimat zurückkehrte, appellierte Thon an die Schalke-Fans: "Ich hoffe, weil er bei uns ausgebildet und Nationalspieler wurde, dass er nicht ausgebuht wird, sondern dass man seine Leistung als weltbester Torwart respektiert und akzeptiert." Die Hoffnung des früheren Mittelfeldspielers Thon, der – anders als Neuer - nach sechs Jahren in München 1994 zu S04 zurückkehrte, erwies sich am Samstagabend schon vor dem Anpfiff schnell als Trugschluss.
„Wir sind Schalker und du nicht“, brüllten die Fans in der Nordkurve, als Neuer den Rasen zum Warmmachen betrat. Selbst 15 Jahre nach seinem umstrittenen Wechsel von S04 zum FCB ist der Keeper bei weiten Teilen der königsblauen Anhänger d a s rote Tuch. Während des 0:0 folgte ein gellendes Pfeifkonzert bei jeder Ballberührung für den gebürtigen Gelsenkirchener, einst Publikumsliebling auf Schalke. Nichts Neues für Neuer, der zuletzt im November 2022 mit den Münchnern in Gelsenkirchen gespielt – und 2:0 gewonnen hatte. Diesmal gab's kein Gegentor, aber auch nur einen Punkt. Und viel Hass.

"Das ist ja Liebe" – Neuers eigene Sicht
Ob er sich mehr Anerkennung und Applaus von den Fans statt Pfiffen und Anfeindungen wie "Neuer ist ein H...sohn" gewünscht hätte? "Das kenne ich, das habe ich erwartet", meinte der Weltmeister von 2014. Ob ihn das alles persönlich treffe? "Nein", sagt der (Ex-)Schalker im Brustton der Überzeugung und erklärt: "Das ist ja Liebe, das weiß ich. Dementsprechend waren das eigentlich Komplimente." Nun ja, Ansichtssache. Weil es den Fans immer noch wehtun würde, so Neuer, dass er damals 2011 nach dem DFB-Pokalsieg zu den Münchnern gewechselt sei. Er war einer von ihnen, stand selbst in jungen Jahren in der Nordkurve und war Mitglied der "Buerschenschaft".
Trotz der Pfiffe bilanzierte der ehemalige Nationaltorwart: "Ich habe hier über 20 Jahre gespielt. Es war ein sehr emotionaler Tag und etwas ganz Besonderes für mich." Auch, weil seine Familie und Freunde auf der Tribüne waren. "Sie haben mich unterstützt. Ich habe mich sehr über den Besuch gefreut", erzählte Neuer, "einige sind happy über das Ergebnis, aber ich habe mir natürlich lieber die drei Punkte gewünscht. Ein war ein sehr emotionaler, toller Tag für mich – nur die drei Punkte fehlen." Bei seinem emotionalen Abschied von der Veltins Arena, da Neuer am Saisonende seine Karriere nach 21 Profi-Jahren beendet. "Für mich ist es sehr wahrscheinlich das letzte Spiel hier gewesen", so Neuer.

Eberl und Matthäus rügen die Schalke-Fans
Bayerns Sportvorstand Max Eberl zeigte kein Verständnis für die Anfeindungen gegenüber Neuer: "Die Schalke-Fans sollten stolz sein, dass sie so einen großartigen Jungen in ihrer Knappenschmiede ausgebildet haben, der dann Schritte in den Weltfußball getan und Welttorhüter sowie Weltmeister geworden ist. Dann gehören sich solche Kraftausdrücke nicht. Man kann pfeifen, weil man gegen Bayern ist, aber diese Ausdrücke braucht es nicht, die gehören sich nicht." Sah auch DFB-Rekordnationalspieler Lothar Matthäus bei Sky so: "Die Schalker Fans stehen hinter ihrer Mannschaft. Die Vergangenheit, die zählt wenig. Aber eigentlich sollten sie Manuel Neuer mit Applaus empfangen, gerade in seinem letzten Bundesliga-Jahr."
Mann des Abends beim 0:0 war der andere Torhüter: Loris Karius (33), der drei Großchancen der Bayern vereitelte. Mit ihm tauschte Neuer in den Katakomben das Trikot. "Sehr gut, ne?", meinte er über Karius‘ Leistung und lobte: "Er ist die richtige Wahl zum Player of the Match. Er hat die drei großen Chancen, die wir hatten, vereitelt. Das war der Schlüssel." Man muss auch gönnen können.
