Kastenmaier: "Gladbach lässt sich nicht abschlachten"

Er begann seine Karriere beim FC Bayern, doch erst in Gladbach startete er durch. Thomas Kastenmaier über den Klassiker.
| Interview von Marc Merten
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen
Spielten zusammen bei Gladbach: Peter Wynhoff und Thomas Kastenmaier.
GES/Augenklick Spielten zusammen bei Gladbach: Peter Wynhoff und Thomas Kastenmaier.

München - Heute leitet Kastenmaier eine Fußballschule. Der 48-Jährige ist noch immer regelmäßig im Borussia-Park zu Gast. Früher lief er am legendären Bökelberg auf. Nach einer Saison beim FC Bayern kam er in Gladbach in neun Jahren auf insgesamt 182 Einsätze.

Die AZ sprach mit ihm über die alte Rivalität der beiden Mannschaften und das bevorstehende Duell Erster gegen Zweiter.

AZ: Herr Kastenmaier, Sie sind gebürtiger Münchner, haben erst für den FC Bayern gespielt, ehe sie in Gladbach Karriere gemacht haben. Fiebern Sie dem Topspiel am Sonntag entgegen?

THOMAS KASTENMAIER: Auf jeden Fall. Ich bin bei fast jedem Heimspiel im Stadion. Aber ausgerechnet am Sonntag kann ich nicht, weil ich mit meiner Fußballschule in Aalen bin. Da freut man sich das ganze Jahr auf dieses eine Spiel und dann klappt es nicht. Das ist wirklich schade.

Lesen Sie hier: "Es fehlt noch ein ganzes Stück zum FC Bayern"

Ausgerechnet jetzt, da der Erste auf den Zweiten trifft. Wie hat es Gladbach geschafft, von einem Fast-Absteiger zu einem Top-Team zu reifen?

Sie haben jetzt mehrere Jahre hintereinander gut eingekauft. Sie haben sogar Abgänge wie Reus und Dante kompensieren können. Mittlerweile ist jede Position doppelt besetzt. Gegen Limassol konnten sie drei, vier Topspieler draußen lassen und haben trotzdem funktioniert. Jeder fügt sich nahtlos ein. 

Und taktisch hält Lucien Favre alle Zügel in der Hand.

Er ist der unumstrittene Macher. Alles, was er macht, hat Hand und Fuß. Er hat seine Mannschaft taktisch immer weiterentwickelt und sofort erkannt, wenn Maßnahmen nicht gegriffen haben. Als sie Luuk de Jong geholt haben, hat er schnell gesehen, dass das Spiel mit einem echten Stoßstürmer  doch nicht funktioniert. Er hat ein System geschaffen, in dem seine Mannschaft defensiv extrem sicher steht, alle vier Verteidiger hinten bleiben, und trotzdem nach vorne die Post abgeht. Bei vielen Klubs gehen die Außenverteidiger häufig mit nach vorne und versorgen die Stürmer mit Flanken. Nicht so bei Gladbach.

Was ist drin für die Fohlen in dieser Saison?

Mit etwas Glück und Konstanz können sie sich da oben festsetzen. Eigentlich müssen sie versuchen, in diesem Jahr in die Champions League zu kommen. Wenn sie das schaffen, können sie sich über Jahre oben festsetzen. Denn was in der Champions League finanziell abgeht im Vergleich zum Rest, ist nicht normal.

Lesen Sie hier: Beckenbauer lobt nächsten Gegner Gladbach

In der Königsklasse haben die Bayern dem AS Rom gerade erst sieben Stück eingeschenkt. Wie kann Gladbach verhindern, dass ihnen das gleiche Schicksal widerfährt?

Es würde mich schwer wundern, wenn die Borussia fünf, sechs Stück kriegen würde. Die werden sich nicht abschlachten lassen. Die Bayern haben sich in Gladbach immer schwer getan. Das wird ein Spiel auf Augenhöhe. Ein ganz enges Ding.

Kann die Borussia den FC Bayern vielleicht sogar richtig ärgern und um die Meisterschaft mitspielen?

Das glaube ich nicht. Die Bayern sind die Nummer eins. Aber man sollte sich das Ziel setzen. Der Klub arbeitet vernünftig, macht keine Schulden. Sie sind dabei, in die Phalanx der ersten Fünf vorzustoßen. Sie sind in der Lage, ab jetzt keine wilden Panikkäufe mehr zu tätigen, sondern sie können sich gezielt verstärken. So wirst du immer besser. Das ist der richtige Weg.

Dann wäre auch die alte Rivalität wieder da.

Davon sind die Fohlen noch weit entfernt. Augenhöhe mit den Bayern ist kaum möglich. Sportlich punktuell ja, wirtschaftlich nein. Aber es ist gut, dass die Borussia jetzt Zweiter ist. Das macht das Spiel umso reizvoller. Endlich steht da oben wieder ein Traditionsverein mehr. Mit der Arbeit, die sie machen, sind sie Vorbild für viele andere Klubs. Das war vor ein paar Jahren noch undenkbar.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
0 Kommentare
Bitte beachten Sie, dass die Kommentarfunktion unserer Artikel nur 72 Stunden nach Veröffentlichung zur Verfügung steht.
Ladesymbol Kommentare