Jürgen Kohler über den FC Bayern: "Das Duo Hummels und Martínez? Keine Weltklasse!"

Im AZ-Interview spricht Ex-Verteidiger Jürgen Kohler über die Defensivprobleme des FC Bayern und den Wechsel von Holger Badstuber: "Klar ist, dass sich jetzt nicht noch einer verletzen darf".
| Maximilian Koch
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Boateng verletzt, Badstuber verliehen: Javi Martinez (l) und Mats Hummels sind in der Innenverteidigung gesetzt. Riskant, findet Jürgen Kohler.
firo/Rauchensteiner/Augenklick/AZ Boateng verletzt, Badstuber verliehen: Javi Martinez (l) und Mats Hummels sind in der Innenverteidigung gesetzt. Riskant, findet Jürgen Kohler.

AZ Interview mit Jürgen Kohler: Der 51-Jährige spielte als Innenverteidiger unter anderem für den FC Bayern, Borussia Dortmund und Juventus Turin. 1990 wurde er Weltmeister.

AZ: Herr Kohler, Holger Badstuber verlässt den FC Bayern, um in der Rückrunde bei Schalke 04 Spielpraxis zu bekommen. Ein nachvollziehbarer Schritt?
JÜRGEN KOHLER: Ja, klar. Schalke ist eine Top-Adresse in Deutschland, ein Verein, der jetzt sehr gut aufgestellt ist mit Christian Heidel und Markus Weinzierl. Vielleicht ist es für Badstuber auch gut, mal etwas Neues zu machen. Ich wünsche ihm, dass er verletzungsfrei bleibt und viele Spiele macht. Es ist eine Win-Win-Situation für beide Seiten.

Hätte er bei Bayern denn keine Chance auf Einsatzzeit gehabt? Jérôme Boateng ist noch bis März verletzt, mit Mats Hummels und Javi Martínez gibt es aktuell nur zwei gesunde Innenverteidiger.
An solchen Leuten musst du aber erstmal vorbeikommen. Für Badstuber ist es wichtig, dass er seinen Rhythmus wiederfindet. Da hat er bei Schalke aktuell die besseren Chancen. Ich sehe den Wechsel positiv. Man muss abwarten, ob er dann im Sommer überhaupt nach München zurückkommt oder an Schalke verkauft wird.

Glauben Sie, dass Badstuber sein hohes Niveau von früher nochmal erreichen kann nach all den Verletzungen?
Das glaube ich nicht, weil die Verletzungen sehr schwer waren. Ihm fehlen ja nicht nur die Spiele, sondern auch der Trainingsrhythmus. Irgendwann sagt der Körper dann: Ich bin müde. Das Wichtigste für ihn ist, dass er jetzt nicht übermotiviert sein darf. Er muss auf seinen Körper hören und ehrlich sagen, wenn er eine Pause braucht. Da ist Fingerspitzengefühl gefragt, auch bei seinem Trainer Markus Weinzierl.

Kommen wir zu den Bayern: Ist es ein Risiko, mit nur zwei fitten Innenverteidigern in die Rückrunde zu gehen?
Das sehe ich relativ entspannt. David Alaba und Joshua Kimmich können das auch spielen. Und vielleicht machen die Bayern ja noch was auf dem Transfermarkt. Klar ist, dass sich jetzt nicht noch einer verletzen darf.

Ist es ein Problem, dass Boateng die Partien im Champions-League-Achtelfinale gegen Arsenal wohl verpassen wird?
Bei allem Respekt vor Arsenal: Ich sehe da kein großes Problem für die Bayern, auch ohne Boateng. Die Ergebnisse in den letzten Jahren waren immer positiv. Wenn die englischen Mannschaften von der Insel runter müssen, haben sie ja immer ihre Probleme. Arsenal ist eine Topmannschaft, aber Bayern wird sich durchsetzen.

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Wie groß ist Ihr Vertrauen in das Duo Hummels/Martínez, verkörpern die beiden Weltklasse?
Weltklasse? Nein. Beide haben in dieser Saison bislang nicht auf dem höchsten Niveau gespielt. Jérôme, den ich sehr schätze, übrigens auch nicht. Er hat nicht an die Leistungen anknüpfen können, die er vor der EM gezeigt hat. Sicher hatten die Verletzungen daran ihren Anteil.

Fallen Ihnen aktuell Weltklasseverteidiger ein?
Sergio Ramos von Real Madrid gefällt mir gut, er ist aber jetzt schon ein bisschen in die Jahre gekommen. Auch Barcelonas Gerard Piqué hat mich immer überzeugt. Generell bedeutet Weltklasse für mich, dass man über sieben, acht Jahre auf dem höchsten Niveau spielt. So wie Zidane früher oder heute Messi.

Muss sich der FC Bayern defensiv deutlich steigern, um die Champions League zu gewinnen?
Alle Spieler müssen sich steigern, nicht nur die Verteidiger. Es ist nachvollziehbar, dass es in dieser Saison mal eine Schwächephase gibt nach so vielen Titeln in den letzten Jahren. In der Vorrunde haben mich die Bayern in keiner Weise überzeugt, mit Ausnahme des Spiels gegen Leipzig vielleicht. Dennoch ist der Kader stark genug, um die Champions League zu gewinnen, wenn die Form stimmt.

Mit Carlo Ancelotti haben die Bayern einen Rückrundenexperten auf der Bank. Ist er der Trumpf der Bayern?
Ancelotti hat viel Erfahrung, er sagt zu recht, dass das zweite Halbjahr entscheidend ist. Vielleicht hat er deshalb so viel rotiert nach der EM. Man wird sehen, ob er damit richtig gelegen hat. Ich persönlich denke, dass es schwierig ist, ein schwächeres Halbjahr aus den Köpfen heraus zu bekommen. Und nicht nur das: Die anderen Topteams dürften gemerkt haben, dass gegen die Bayern diese Saison etwas zu holen ist.

Zum Abschluss: Was halten Sie von Niklas Süle, der im Sommer zu Bayern wechseln wird?
Er ist mit seinen 21 Jahren noch sehr jung, hat einen weiten Weg vor sich. Aber Süle ist ein Spieler mit Qualität, zweikampfstark, robust, kopfballstark, er hat ein sehr gutes Aufbauspiel. Süle kann das Topniveau erreichen.

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