"Im Mittelmaß angekommen": Schweinsteiger mit Knallhart-Analyse nach Klopp-Heimdebüt

Die deutsche Nationalmannschaft verliert die Heimpremiere von Bundestrainer Jürgen Klopp mit 0:1. Nach der Partie legt Bastian Schweinsteiger die Finger in die Wunde.
Patrick Strasser |
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Hat noch ordentlich Arbeit vor sich: Bundestrainer Jürgen Klopp.
Hat noch ordentlich Arbeit vor sich: Bundestrainer Jürgen Klopp. © IMAGO

Hand auflegen? Gute Laune einimpfen? Euphorie entfachen? Geht eben nicht innerhalb von einer Woche. Die deutsche Nationalmannschaft versemmelte das Heimdebüt von Jürgen Klopp als Bundestrainer –verlor mit 0:1 in Augsburg gegen Griechenland. Der Sensations-Europameister von 2004 (unter Trainer Otto Rehhagel) ärgerte das DFB-Team, bei dem erneut zwei Debütanten aufliefen. Die Griechen verpassten die Qualifikation zur WM in Nordamerika, befinden sich im Neuaufbau. Wie das DFB-Team, nun seit vier Spielen ohne Sieg.

Klopp nahm fünf Änderungen in der Startelf vor

Der Trip nach Augsburg war ein ernüchternder Quickie. Vormittags mit zwei Bussen aus dem DFB-Quartier in Herzogenaurach angereist, ab ins Tageshotel "Maximilian‘s", dann zum Spiel in der WWK-Arena, danach direkt zurück. Ohne eine Nacht in der Fuggerstadt. Der Belastungssteuerung und Regeneration wegen, so Klopp. Dabei hätte er andersherum – üblicherweise verbringt die Nationalelf die Nacht vor einem Länderspiel an Ort und Stelle – einen Familienbesuch machen können. "Meine Cousine hat eine Apotheke in Augsburg", meinte Klopp.

Zum Personal des zweiten Klopp-Auftritts: Fünf Änderungen nahm der Bundestrainer in der Startelf gegenüber dem 1:1 in den Niederlanden am Donnerstag vor. Im Tor der frühere Stuttgarter Alexander Nübel (jetzt Besiktas) anstelle von Marc-André ter Stegen – in seinem vierten Länderspiel. Im Abwehrzentrum erhielt Nico Schlotterbeck eine Pause, für ihn begann Yann Bisseck (Inter Mailand) – sein zweiter DFB-Einsatz.

Der Kader für die kommenden Länderspiele schaute sich die Partie gegen Griechenland von der Tribüne aus an.
Der Kader für die kommenden Länderspiele schaute sich die Partie gegen Griechenland von der Tribüne aus an. © IMAGO

Sechs Profis mit weniger als zehn Partien

Für den Debütanten aus dem Amsterdam-Spiel, Philipp Treu, begann hinten rechts VfB-Profi Josha Vagnoman – drittes Länderspiel. Anstelle von Nadiem Amiri begann der Hoffenheimer Bambasé Conté, der nächste Klopp-Debütant. Später wurde der FCA-Profi Hennes Behrens eingewechselt, ein weiterer Frischling. Für den verletzten Kai Havertz (Muskelzerrung) stand Younes Ebnoutalib in der Startelf – viertes DFB-Spiel.

Eine recht unerfahrene Mischung. Neben Kapitän Joshua Kimmich (116. Länderspiel) und Abwehrchef Jonathan Tah (53.) hatten sämtliche Spieler lediglich maximal 14 DFB-Einsätze (Nmecha) oder weniger. Sechs Profis mit weniger als zehn Partien. Denn sie wissen nicht, mit wem sie es zu tun haben. Oder anders formuliert: Klopp forscht.

Tat sich schwer gegen Griechenland: Die Nationalmannschaft um Kevin Schade.
Tat sich schwer gegen Griechenland: Die Nationalmannschaft um Kevin Schade. © IMAGO

Schweinsteiger: "Auch Klopp kann nicht zaubern"

Die erste Halbzeit? Nun ja – zäh. Karim Adeyemi, der in Amsterdam die 2:0-Führung auf dem Gewissen hatte, war sehr aktiv und spielfreudig. Nach einem Tempo-Solo verzog er (27.), dann traf er mit links das Tor, doch Griechen-Torhüter Kostas Tzolakis parierte (32.). 0:0 zur Pause bei 79 Prozent Ballbesitz. Mehr Stimmung verbreitete in der Pause der Klassiker "Griechischer Wein" von Udo Jürgens, der im Stadion über die Lautsprecher dröhnte.

Wo war sie, die Klopp-Euphorie? Der Elan, der Sturm und Drang? "Sie hatten zwei Tage zusammen trainiert und wir sprechen über Details", sagte Klopp in Augsburg über seine Spieler und deren Auftritt in Amsterdam: "Details können nicht funktionieren." Viele Meetings habe man gehabt, wiederholte Klopp. Was es laut dem Bundestrainer zu verbessern gilt: "Nicht nur die Stimmung im Camp muss gut sein, sondern auch die Stimmung im Land." Gilt nicht etwa: Erst die Leistung? Vor dem Spiel meinte ARD-Experte Bastian Schweinsteiger: "Auch Klopp kann nicht zaubern." Ist so.

Fand klar Worte für das DFB-Team: Bastian Schweinsteiger.
Fand klar Worte für das DFB-Team: Bastian Schweinsteiger. © IMAGO

Kourbelis mit Siegtreffer für Griechenland

Es kam, was kommen musste: Bei einem der stets gefährlichen Konter traf Dimitrios Kourbelis zum 0:1 (74.). Nmecha kam nicht in den Zweikampf, Kimmich fälschte unglücklich ab. Zwei Spiele, kein Sieg – so die ernüchternde Start-Bilanz des mit so viel Schwung und großen Hoffnungen gestarteten Bundesjürgen. "Wir haben nicht genug Druck erzeugt, dass der Gegner nicht mehr hinten rauskam", resümierte Schweinsteiger, ehe er zur Knallhart-Analyse ansetzte.

"Wir sind keine Top-Mannschaft mehr", so der ehemalige Spieler der FC Bayern: "Wir sind im Mittelmaß angekommen. Wir haben nicht mehr diese Spieler, die den Unterschied ausmachen. Selbst Griechenland hatte diese Unterschiedsspieler. Deswegen muss Klopp sich alle anschauen, die in Frage kommen können." Sekunden später legte er nochmal nach: "Der einzige, der kreative Pässe spielen kann, ist Joshua Kimmich. Wenn der nicht da ist, wird es schwer." 

Großes Stühlerücken beim DFB

Nun lohnt ein genauer Blick. Nun gibt’s das große Stühlerücken im DFB-Lager. Bis auf Torhüter Dahmen, den Neulingen Treu, Engelhardt und Conté sowie Gnabry und Schlotterbeck bleibt keiner. Weiter geht’s im Klopp'schen Testbetrieb am Donnerstag in München gegen Serbien sowie am Sonntag in Thessaloniki erneut gegen die Griechen.

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