„Im Grunde spielen wir wie Hoffenheim“

Kapitän van Bommel über Bayerns Offensive, seinen Ex-Klub Barcelona und den Tabellenführer aus der Provinz.
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Applaus für Hoffenheim und den FC Bayern: Bayern-Kapitän Mark van Bommel.
dpa Applaus für Hoffenheim und den FC Bayern: Bayern-Kapitän Mark van Bommel.

Kapitän van Bommel über Bayerns Offensive, seinen Ex-Klub Barcelona und den Tabellenführer aus der Provinz.

AZ: Herr van Bommel, wer spielt in Europa derzeit den besten Fußball?

MARK VAN BOMMEL: Mein ehemaliger Verein, der FC Barcelona. Ganz klar.

Also eigentlich 1899 Hoffenheim.

Wieso denn?

Na, Sie haben kürzlich gesagt, der Aufsteiger würde Fußball spielen wie Barca.

Ja, das wurde etwas falsch verstanden. Natürlich könnten sie ein direktes Duell nicht gewinnen. Die Sache ist die: Keiner kannte Hoffenheim und jetzt fallen sie auf. In Deutschland sieht man das nicht so oft, dass eine Mannschaft so offensiv und mutig spielt wie Hoffenheim. Bremen macht das, Leverkusen in dieser Saison.

Und der FC Bayern?

Wenn wir so spielen, sagen die Leute: Das ist doch normal.

Plötzlich spricht jeder vom 4-3-3-System. Ralf Rangnick lässt wagemutig drei Mann stürmen. Ibisevic, Obasi, Demba Ba – eine tolle Truppe, oder?

Ja, sie spielen spektakulär, klar. Die Ergebnisse geben ihnen Recht. Sie haben eine positive Idee, sie wollen was erreichen. Aber ich sage Ihnen eins: Ich glaube nicht, dass sie das durchhalten.

Sie glauben es. Wer weiß? Vielleicht hält der Lauf so lange an bis Hoffenheim im Mai 2009 plötzlich als Meister feststeht.

Die bekommen schon noch ihr Tief. Und außerdem sind wir auch noch nicht bei 100 Prozent. Letztes Jahr haben wir die Liga dominiert, diese Saison kommen wir von hinten, machen ein paar Überholmanöver.

Apropos Manöver. Jürgen Klinsmann hat ein paar System-Varianten ausprobiert in den ersten Monaten der Saison, kehrt aber – wie am Samstag beim 3:1 gegen Bielefeld nach der Pause – immer wieder zum altbewährten 4-4-2-System zurück.

Damit sind wir stabil, fühlen uns sicher. Jeder weiß, was er zu tun hat. Aber im Grunde spielen wir wie Hoffenheim, auch mit drei Stürmern. Franck Ribéry spielt einen Linksaußen mit Anlauf aus dem Mittelfeld, viel weiter vorne als Bastian Schweinsteiger rechts. Ribéry ist eigentlich ein Stürmer.

Taktik, Systeme, Aufstellungen – damit beschäftigen Sie sich gerne.

Ja! Das liebe ich. Fußball ist wie Schach. Es ist eine Kunst, dem Gegner sein eigenes System aufzuzwingen, ohne am eigenen System etwas zu ändern. Ich habe schon zwei Trainerscheine in meiner Heimat gemacht, ich werde sicher einmal Trainer.

Unterhält sich der Bald-Trainer van Bommel mit dem aktuellen Bayern-Trainer Klinsmann oft über Taktik.

Wir diskutieren darüber, ja.

Nun spielt der FC Bayern wieder wie unter Hitzfeld: Der gezielte Ergebnisfußball. Klappt das auch heute in der Champions League beim AC Florenz? Ein Punkt würde doch reichen, oder?

Wir dürfen nicht verlieren, aber auf einen Punkt spielen wir nicht. Wir müssen Erster werden in unserer Gruppe, damit wir im Achtelfinale zunächst ein Auswärtsspiel haben. Das ist ein großer Vorteil.

Florenz hat in München recht offensiv gespielt und viele Chancen gehabt. Das ist unüblich für Italiener.

Ja, dort wird Wert auf Verteidigung gelegt, es fallen nicht viele Tore. Fußball hat auch immer etwas mit der Mentalität des Landes zu tun.

Sie haben in Spanien gespielt, beim FC Barcelona. Was für ein Mentalitäts-Fußball wird dort gespielt?

Ein Beispiel: Wenn du dort als Heimmannschaft eher defensiv spielst, wirst Du von den eigenen Fans ausgepfiffen. Sie spielen nach vorne, die Leute wollen etwas sehen, unterhalten werden. Das allgemeine fußballerische Niveau in Spanien ist höher, die Spieler technisch besser. Da sind bei jedem Verein bis zum Tabellen-20. Nationalspieler unter Vertrag. Ein Beispiel: Schalke wurde in der Bundesliga letzte Saison Dritter – und wird in der Qualifikation von Atletico Madrid 4:0 abgeschossen.

Und die Premier League? Wäre es nicht ein Traum, in der anerkannt besten Liga der Welt zu spielen.

Es ist nicht die Beste. In England passiert viel auf dem Platz, viel Action. Das hat aber nicht nur mit Qualität zu tun, das liegt auch daran, dass die kleinen Teams den Ball bedingungslos nach vorne schlagen.

Fehlt noch Holland, Ihre Heimat.

Wir wollen immer spielen, einen technisch guten gepflegten Fußball zeigen. Wir sind ein kleines Land, also machen wir uns ständig Gedanken, wie wir besser werden können. Das ist das Geheimnis.

Die Underdog-Rolle. Die hat Bayern auch in der Champions League. Wie kann es in dieser Saison trotzdem klappen?

Wir können das Ding gewinnen. Aber nur wenn alles stimmt in solch großen Spielen. Wenn wir 20 Mal gegen Barca spielen, gewinnt Barca über 50 Prozent. Aber wir spielen nur zwei Mal – das ist unsere Chance.

Interview: Patrick Strasser

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