"Ich wurde verspottet": Kuriose Vorgeschichte zu Kimmichs Traumtor gegen den BVB

Kritiker, die ihm zuletzt eine Formdelle attestierten, kontert der Sechser mit einem Traum-Tor. Sogar Ex-Trainer Kovac lobt Bayerns Match-Winner: "Weltklasse".
von  Patrick Strasser
Formdelle – war da was? Joshua Kimmich beim Torjubel mit einem Gruß an seine Kritiker.
Formdelle – war da was? Joshua Kimmich beim Torjubel mit einem Gruß an seine Kritiker. © IMAGO/osnapix / Marcus Hirnschal

Erst 31 Bundesliga-Tore in nun 315 Bundesligaspielen– das ist nicht die Welt für einen Mittelfeldspieler wie Joshua Kimmich. Der Siegtreffer zum 3:2 der Bayern in Dortmund war in dieser Saison erst das zweite persönliche Erfolgserlebnis des Kapitäns, der den verletzten Manuel Neuer in Amt und Würden vertrat. Dass er darüber hinaus Torjäger Harry Kane als Matchwinner vertrat, kommt noch seltener vor. Kane erzielte zwar wieder einmal – reinste Routine mittlerweile – einen Doppelpack, beim Stand von 2:2. Doch Kimmich sorgte für die Kirsche auf der Torte.

Kimmichs besonderer Moment im Signal-Iduna-Park

"Ich schieße ja generell nicht so viele Tore, deswegen nehm’ ich jedes Tor sehr gern mit. Und in Dortmund so spät das 3:2 zu machen, das ist schon was ganz Besonderes", befand der Sechser, der aufgrund seines Aufgabenprofils auf dem Feld eher selten im Strafraum in Abschlusssituationen kommt. Dass es ein Traumtor wurde? War erstens eine sehr spontane Sache. Er habe sich lediglich darauf "konzentriert, den Ball vernünftig zu erwischen, da ist nicht viel mit Zielen", erklärte Kimmich. Bereits sein zweiter sehenswerter Siegtreffer in Dortmund – zuvor hatte er im Mai 2020 während der Corona-Pandemie per Lupfer zum 1:0 getroffen. In einem Geisterspiel. Umso schöner, diesmal mit den Fans in der Kurve feiern zu können.
Vor lauter Freude des roten Jubel-Pulks löste sich der schwarz-gelbe Stoff von der Eckfahne. Michael Olise warf das gute Stück wie ein Souvenir durch die Luft. "Ich habe zu Jo gesagt, dass das sein Stadion für besondere Tore ist", sagte Bayerns Sportdirektor Christoph Freund am späten Abend.

Kuriose Vorgeschichte des Traumtors

Kimmichs Traumtor hatte zudem eine kuriose Vorgeschichte. Im ZDF-Interview erzählte Kimmich, er habe am Freitag in der Abschlusseinheit speziell seinen linken Fuß trainiert. "Ich habe versucht, mit links das Tor zu treffen. Es ist mir nicht gelungen, ich wurde verspottet. Also habe ich mir den ein oder anderen Spruch anhören müssen. Die Kollegen haben gesagt: ,Komm’, geh’ lieber rein!’ Daher tut das heute ganz gut." Als "Linker" taugt Kimmich offenbar nur, wenn’s wirklich drauf ankommt.

Linke Klebe und drin das Ding! Joshua Kimmich mit seinem Traumtor zum emntscheidenden 3:2.
Linke Klebe und drin das Ding! Joshua Kimmich mit seinem Traumtor zum emntscheidenden 3:2. © IMAGO/Heiko Blatterspiel

Vom Formtief zum Taktgeber

Dass er zuletzt eine kleinere Formdelle und nach dem 3:2 gegen Eintracht Frankfurt wegen seiner zu riskanten Spielweise vor dem eigenen Tor (daraus resultierte der 3:2-Anschlusstreffer der Hessen) Gegenwind und Kritik erfahren hatte, scheint der 31-Jährige locker weggesteckt zu haben.
In Dortmund war es Kimmich, der das bayerische Aufbauspiel nach unterdurchschnittlicher erster Hälfte mit seinen Pässen und Läufen deutlich forcierte. Mit Auge.
"Wir wussten, dass es in der zweiten Halbzeit für die Dortmunder schwieriger wird, das Tempo hochzuhalten", sagte Kimmich, "die hatten harte Wochen hinter sich. Uns war bewusst, dass wir einen Vorteil haben werden, je länger das Spiel geht."
Atalanta Bergamo hatte den Dortmundern in zwei Duellen alles abverlangt und am Ende auch noch jeglicher Königsklassen-Hoffnungen beraubt.

Der kleine, aber feine Unterschied

Führungskraft Kimmich kalkulierte das ein. Unterschiedsspieler wissen, wie man den Unterschied machen. "Weltklasse" sei die Leistung des DFB-Kapitäns gewesen, schwärmte BVB-Trainer Niko Kovac. Sein ehemaliger Coach meinte voller Bewunderung: "Andere hauen das Ding unters Dach, er hau das Ding ins Tor." Und bereitete das 1:1 mit vor. Unterm Strich, so Kovac, war "der kleine, aber feine Unterschied heute Jo Kimmich." Patrick Strasser

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