"Ich bin Sechziger-Fan": Schalke-Trainer sorgt vor Bayern-Spiel für klare Verhältnisse

Nach dem Fehlstart in Augsburg wartet auf Schalke am Samstag gleich der nächste Brocken: der FC Bayern. Trainer Miron Muslic hat dabei einen besonderen München-Bezug – und verrät, welchem Klub in der Stadt seine Sympathien gehören.
von  Klaus Bergmann, dpa
Schalkes Trainer Miron Muslic vor dem Spiel beim FC Augsburg auf der Bank.
Schalkes Trainer Miron Muslic vor dem Spiel beim FC Augsburg auf der Bank. © Harry Langer (dpa)

Die Aufstiegs-Euphorie mochten sich die rund 6.000 Schalke-Fans nach der harten Ankunft in der Bundesliga-Realität nicht nehmen lassen. Das königsblaue Comeback im Fußball-Oberhaus ging schief, okay. Aber die Anhänger reagierten nach dem 0:3 (0:1) beim FC Augsburg im ersten Erstligaspiel seit drei Jahren nicht niedergeschlagen oder gar geschockt. Sie feuerten ihr Team nach dem Schlusspfiff vielmehr lautstark mit "Schalke"-Rufen und Applaus an. So wie sie es in den 90 Minuten davor getan hatten. 

Die Aufbauhilfe aus dem Fanblock passte zur Haltung des Trainers. Miron Muslic mahnte nach der bitteren Niederlage des letztjährigen Zweitliga-Meisters zwar sehr deutlich schnelle Lerneffekte seiner Mannschaft an. "Wir können sehr viel lernen aus den 90 Minuten. Die Bundesliga verlangt einfach ein anderes Level an Wachsamkeit in allen Momenten", sagte der 43-Jährige. 

"Haben ein stabiles Fundament"

Aber er strahlte im kleinen Presseraum des Augsburger Stadions gleichzeitig eine demonstrative Ruhe aus, gerade mit Blick auf den drohenden Fehlstart. Am Samstagabend kommt der große FC Bayern mit seiner megastarken Offensive um Harry Kane und Michael Olise nach Gelsenkirchen. Eine fatale Ansetzung für Schalke? "Nein. Fatal? Es ist der 2. Spieltag", reagierte Muslic. 

"Wir kennen unsere Rolle als Aufsteiger. Wir haben uns ein stabiles Fundament erschaffen in den letzten 14 Monaten. Und was wir auch haben, ist eine gesunde Selbsteinschätzung", sagte der 43-Jährige. 

Lächelnd erzählte Muslic in der Pressekonferenz auch noch dies: Er habe vor dem Spiel "den Sohnemann" von FCA-Coach Manuel Baum kennengelernt, der mit seinem Papa zwei Tage zuvor Augenzeuge beim mächtigen 5:1 der Bayern gegen den VfB Stuttgart in der Münchner Arena gewesen war. "Ich habe ihm gesagt, ich bin Sechziger-Fan. Von dem her habe ich schon mal für klare Verhältnisse vor dem Spiel gesorgt", sagte Muslic und lächelte.

"Wir kennen unsere Rolle als Aufsteiger." Schalke-Coach Miron Muslic in Aktion am Spielfeldrand.
"Wir kennen unsere Rolle als Aufsteiger." Schalke-Coach Miron Muslic in Aktion am Spielfeldrand. © Harry Langer/dpa

Der 1860-Sympathisant hatte Schalkes Bundesliga-Mission schon im Vorfeld der Saison als "XXL-Herausforderung" bezeichnet. In Augsburg sah er in der ersten Hälfte auch "sehr viel Gutes" von seiner Elf. Muslic lobte die "gute Struktur" und auch die "Galligkeit" im Auftreten. Schalke hätte sogar in Führung gehen können. "Die Chancen musst du nützen, das ist ein großes Learning."

"Knallhart bestraft"

In der vergangenen Meistersaison in der 2. Liga "haben wir die gegnerischen Mannschaften bestraft", bemerkte Muslic. In Augsburg stand es lange nur 0:1. Erst nach der berechtigten Roten Karte für Mittelfeldspieler Ron Schallenberg konnte Augsburg die Führung durch Michael Gregoritsch in der Endphase noch durch weitere Tore von Anton Kade und Rodrigo Ribeiro in die Höhe schrauben. 

Der eingewechselte Edin Dzeko konnte in Unterzahl auch nichts mehr an Schalkes Niederlage ändern.
Der eingewechselte Edin Dzeko konnte in Unterzahl auch nichts mehr an Schalkes Niederlage ändern. © Harry Langer/dpa

"Die Augsburger haben gezeigt, warum sie schon so lange in der Bundesliga sind", benannte Schalke-Kapitän Timo Becker den Unterschied beider Teams in puncto Effektivität und Abgeklärtheit. In der Bundesliga würde alles "knallhart bestraft", sagte der Abwehrspieler, der mit einem dick bandagierten Fuß in den Katakomben stand. "Ich habe ein paar auf den Knöchel bekommen, aber die Niederlage schmerzt mehr", sagte der 29-Jährige.

Harte Maloche bleibt angesagt auf Schalke. Schlusswort Muslic: "Die Mannschaft hat Lust, zu lernen. Unsere Mannschaft hat Lust, sich zu entwickeln. Wir wissen, die nächsten zehn Monate werden brutal intensiv, die werden richtig fordernd. Aber auf das sind wir auch vorbereitet."

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