"Musste mich schon ein paar Mal quälen": Was bei Bayern-Juwel Bischof während der Vorbereitung auffällt

Als der mittlerweile ehemalige Bundestrainer Julian Nagelsmann Mitte Mai seinen WM-Kader bekanntgab, war die Enttäuschung bei Tom Bischof groß. Obwohl er beim FC Bayern insbesondere in der zweiten Saisonhälfte mit guten Leistungen und einigen sehenswerten Treffern auf sich aufmerksam machte, fehlte der 21-Jährige im Aufgebot für die Endrunde in den USA, Kanada und Mexiko. Bischof sei extrem nah dran gewesen, betonte Nagelsmann, noch habe es aber nicht gereicht.
Die Enttäuschung hat der junge Mittelfeldspieler längst abgestriffen und womöglich war er insgeheim sogar erleichtert darüber, dass der Kelch des DFB-Desasters an ihm vorbeigegangen ist. Stattdessen bot sich Bischof die Gelegenheit, sich nach seiner Premierensaison beim FC Bayern im Urlaub zu erholen und als einer der wenigen etablierten Profis die komplette Vorbereitung von Tag eins an mitzumachen. Eine Gelegenheit, die der 21-Jährige bislang sehr gut genutzt hat.
Bischof war in der Vorbereitung teils sogar Bayern-Kapitän
Der Mittelfeldspieler war in den bisherigen Testspielen stets einer der auffälligsten Akteure des Rekordmeisters und nahm in der Mannschaft der Münchner, die aufgrund des Fehlens der im Extra-Urlaub weilenden WM-Fahrer mit zahlreichen Nachwuchskräften aufgefüllt wurde, eine Führungsrolle ein und trug teilweise sogar die Kapitänsbinde. Neben technischer Beschlagenheit, guter Übersicht und gefährlichen Distanzschüssen – allesamt bekannte Qualitäten von Bischof – stellte er in der Vorbereitung aber auch und vor allem seine deutlich verbesserte Physis unter Beweis.

"Ich musste mich im Urlaub schon ein paar Mal quälen", sagt der zweimalige A-Nationalspieler nun im Interview mit Bayerns Mitgliedermagazin "51" und erklärte, dass er in den freien Sommer-Wochen keineswegs nur die Füße hochgelegt hat: "Ich habe die lange Pause als Chance gesehen. Ich hatte einen klar abgestimmten Plan mit den Athletiktrainern des FC Bayern und arbeite zusätzlich mit einem Personal Coach – mir war wichtig, dass alle genau wissen, wer was macht." Da hat sich jemand für seine zweite Saison im Bayern-Trikot offenbar einiges vorgenommen!
Nach Goretzka-Abgang: Bischof bekommt neue Bayern-Rolle
Das ist auch nötig, denn Bischofs Rolle wird sich zur kommenden Saison etwas ändern. In seinem ersten Jahr bei den Bayern war der im unterfränkischen Amorbach geborene Mittelfeldspieler noch der Herausforderer und musste sich klar hinter den gesetzten Joshua Kimmich, Aleksandar Pavlovic und Leon Goretzka anstellen, weshalb er häufiger auch auf der ungewohnten Linksverteidigerposition zum Einsatz kam.
Nach dem Abgang von Goretzka, dessen Vertrag nicht verlängert worden war, ist Bischof in der Hierarchie im zentralen Mittelfeld nach oben gerutscht. Dass die Bayern auf den 21-Jährigen bauen, zeigt sich auch darin, dass er im Sommer die prestigeträchtige Nummer acht von Goretzka übernommen hat.

"Als Kind träumt man von der Zehn. Die wollte ich früher auch immer. Jetzt spiele ich defensiver, da passt die Acht. Ich habe aus Respekt vor Leon lange gewartet – und dann zuerst mit Aleks Pavlović gesprochen. Er ist länger hier und ein Freund von mir. Aber Pavlo bleibt bei seiner Nummer", erzählt Bischof: "Also habe ich gefragt, und mir wurde früh signalisiert, dass ich sie gerne haben darf."
Bischof über seine Position: "Wenn mich der Trainer im Tor braucht, bin ich da"
Klar ist: Eine Garantie auf Einsatzzeiten wird Bischof auch in der kommenden Saison nicht bekommen. Im Mittelfeld-Zentrum dürfte das Duo Kimmich und Pavlovic unter Trainer Vincent Kompany vorerst weiter gesetzt sein. Links hinten, wo er im vergangenen Jahr in 20 seiner insgesamt 38 Pflichtspiele bestritten hat, ist Alphonso Davies nach seinem Kreuzbandriss zurück. Zudem wurde in Nationalspieler Nathaniel Brown eine weitere hochkarätige Option verpflichtet.
Bischof selbst ist aber ohnehin egal, auf welcher Position zum Einsatz kommt. "Ich weiß, dass ich für die Sechs eingeplant bin, fürs Zentrum. Aber trotzdem weiß der Trainer, dass ich für alles offen bin", sagte der 21-Jährige während der Asien-Reise: "Wenn er mich auf links, auf rechts oder im Tor braucht, bin ich da. Das habe ich ja letztes Jahr auch gemacht, ich bin offen für alles."
Eine Einstellung, die auch dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp gefallen dürfte – schließlich wird Bischof nicht nur beim FC Bayern, sondern auch in der Nationalmannschaft als eines der Gesichter der jüngeren Generation künftig eine wichtigere Rolle einnehmen. Ganz unbefleckt und ohne, dass ihm der Makel des WM-Desasters von 2026 anhaftet.