Hup, Bayern, hup

Drei Holländer prägen den 22. Meistertitel der Vereinsgeschichte: Trainer van Gaal mit seiner unglaublichen Art, Käpt’n van Bommel mit seinem Kampfgeist, Goalgetter Robben mit seinem Esprit.
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MÜNCHEN - Drei Holländer prägen den 22. Meistertitel der Vereinsgeschichte: Trainer van Gaal mit seiner unglaublichen Art, Käpt’n van Bommel mit seinem Kampfgeist, Goalgetter Robben mit seinem Esprit.

Am Anfang stand die Skepsis. Eine gewisse Unsicherheit war vergangenen Sommer schon zu spüren an der Säbener Straße: ’Wie wird das wohl mit diesem Super-Ego? Und dann bringt er auch ein Rudel Holländer mit! Das ging doch schon bei Barca schief.’ Einige bewegte Monate später sind die Zweifel der Begeisterung gewichen. Der 22. Meistertitel des FC Bayern ist oranje gefärbt. Und da die Fans auch ein wenig holländisch gelernt haben, würde es nicht verwundern, wenn es demnächst aus der Südkurve – in Anlehnung ans legendäre „Hup, Holland, hup!“ – tönt: „Hup, Bayern, hup!“ Die Hauptschuldigen am ersten Triumph der Saison:

Louis van Gaal: Kein Bayern-Trainer stand so im Blickpunkt wie der Mann, der bei RKSV De Meer seine Karriere begann. Seit Max Merkel klopfte keiner mehr solche Sprüche. Keiner verglich sich indirekt mit Gott. Keiner schrieb in seiner Biografie von „Visionen“. Keiner schoss in Holzschuhen auf die Torwand. Keiner giftete so ätzend gegen unbequeme Fragesteller. Der letzte Bayern-Coach, der dem Team seinen Stempel aufdrücken konnte, war Ottmar Hitzfeld. Aber was war das für ein Spar-Fußball im Vergleich zum „Voetbal total", den sich van Gaal bei „Gottvater“ Rinus Michels abgeschaut hat! Nie spielte Bayern spektakulärer, nie war die Stimmung in der Arena besser als zuletzt. Und das nach dem schlimmsten Saisonstart der Klubgeschichte. In Berlin sagte van Gaal: „Die Spieler haben von Tag eins an mich geglaubt. Ich bin immer noch die selbe Persönlichkeit. Wir sind auf eine Weise Meister geworden, wie es nicht viele geschafft haben: immer mit viel Pressing, immer mit viel Angriff.“ Nun ist er der erste von 14 holländischen Bundesligatrainern, der die Schale stemmte. Und wenn nun sein Team Holland – Co-Trainer Andries Jonker, Video-Analyst Max Reckers, Trainingsphysiologe Jos van Dijk – noch um den Torwarttrainer Frans Hoek ergänzt wird, beunruhigt das niemanden mehr. Im Gegenteil.

Mark van Bommel: Als in der vergangenen Saison die Verpflichtung Anatolij Timoschtschuks bekannt wurde, schienen van Bommels Tage gezählt zu sein. Der gab sich zwar kämpferisch („Er soll nur kommen“), erlebte aber einen schlimmen Saisonstart und wurde trotzdem noch ein derart bestimmender Kapitän, dass man unweigerlich Parallelen zu Stefan Effenberg ziehen muss. Als erster holländischer Spielführer eines Bundesligisten reckte er nun die Schale in den Konfetti-Himmel und war auch der Erste, der van Gaal mit Bier duschte. Wann die Tage des 34-Jährigen bei Bayern enden, ist offen: Zuletzt unterschrieb er einen Vertrag über ein Jahr, obwohl ihm der Verein zwei angeboten hatte.

Arjen Robben: Der Dank der Liga geht an Andreas Ivanschitz und Aristide Bancé. Mit ihren Treffern erhöhten sie an Spieltag drei den Leidensdruck so sehr, dass ein Gang in die Festgeldabteilung nötig wurde. Nach dem 1:2 in Mainz rief Hoeneß bei Real Madrid an, einen Spieltag später kam Robben gegen Wolfsburg nach der Pause ins Spiel und schoss gleich zwei Tore. So machte er weiter, bis am Ende 16 Bundesligatreffer zu Buche standen. Für Furore sorgten aber vor allem seine Champions-League-Tore. Dreimal in Serie schoss er das „Tor des Monats“. Anders als van Gaals Holland-Importe Edson Braafheid und Danijel Pranjic ist Robben jeden Cent wert gewesen. Also nochmal: Danke nach Mainz!

Bei „Hup, Holland, hup!“ geht es übrigens so weiter: „Laat de Leeuw niet in zyn hempie staan!“ Das heißt: Lass den Löwen nicht im Unterhemd stehen! Also, liebe Holländer, enttäuscht uns nicht! Da draußen sind noch zwei Titel!

Thomas Becker

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