Hoffenheim macht sich über Bayern-Juwel Karl lustig – Kompany gibt Rückendeckung

Ein missglückter Übersteiger bringt Lennart Karl im Netz Hohn und Spott ein, selbst die TSG Hoffenheim beteiligt sich. Nicht nur Trainer Vincent Kompany gibt dem Top-Talent des FC Bayern Rückendeckung.
von  Bernhard Lackner
Der Shootingstar dieser Saison beim FC Bayern: Lennart Karl
Der Shootingstar dieser Saison beim FC Bayern: Lennart Karl © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.

Ob man nach einer 1:5-Klatsche wirklich die Chuzpe an den Tag legen sollte, einen 17-jährigen Spieler des Gegners auf Social Media bloßzustellen, muss jeder Verein für sich selbst entscheiden. Bei der TSG Hoffenheim sieht man darin offenbar überhaupt kein Problem.

Anders ist es kaum zu erklären, dass sich der Klub aus dem Kraichgau nach der Pleite beim FC Bayern nicht zu schade war, das Video von einem missglückten Übersteiger von Lennart Karl zu posten und dieses auch noch mit einem Daumen nach oben zu kommentieren. Auch Ironie will gekonnt sein.

Karl erntet nach Übersteiger-Fail Spott im Netz

Ereignet hat sich die Szene in der 66. Minute des Spitzenspiels zwischen dem Tabellenführer aus München und dem Dritten aus Hoffenheim. Karl, erst kurz zuvor beim Stand von bereits 4:1 für Michael Olise in die Partie gekommen, stand nahe der rechten Eckfahne Gegenspieler Alexander Prass gegenüber und versuchte, den Österreicher mit einigen Übersteigern aus dem Konzept zu bringen, schob den Ball dabei aber versehentlich ins Toraus. Der Clip der Aktion ging in der Folge auf Social Media viral und wurde überwiegend spöttisch kommentiert.

Kompany: Kein Übersteiger-Verbot für seine Offensiv-Stars

Am Dienstag wurde Trainer Vincent Kompany nach der Szene gefragt. "Ich weiß nicht, was im Internet los war. Tut mir leid, das ist mir entgangen", sagte der Belgier, der den missglückten Übersteiger seines Top-Talents aber halb so wild findet: "Wenn mich etwas in dem Moment ärgert, sage ich es natürlich. Aber in dem Moment habe ich nur gesagt: 'Du hast diesen Übersteiger verpasst.' Punkt. Ich werde meine Spieler jetzt nicht dafür bestrafen, dass sie Übersteiger machen. Was soll ich Michael Olise sagen? Was soll ich Lucho Díaz sagen?"

Bayern-Trainer Vincent Kompany und sein Top-Talent Lennart Karl.
Bayern-Trainer Vincent Kompany und sein Top-Talent Lennart Karl. © IMAGO/Frank Hoermann/SVEN SIMON

Eine klare Grenze zieht Kompany, einst selbst ein Innenverteidiger auf Weltklasse-Niveau, aber beim Thema Überheblichkeit. "Wenn ich Anzeichen von Arroganz oder Respektlosigkeit gegenüber der gegnerischen Mannschaft sehe, muss niemand etwas sagen, dann werde ich etwas sagen", stellte der Bayern-Coach klar.

Matthäus über Karl: "Bei Messi hat mit 17 auch nicht alles funktioniert"

Rückendeckung erhielt Karl auch von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus. "Der Junge ist 17 Jahre alt, er liebt das Fußballspielen und lässt auch mal die Gegenspieler schlecht aussehen. Manchmal ist es ein Trick zu viel, aber trotzdem wollen wir doch alle solche Sachen sehen", schreibt Matthäus in seiner Sky-Kolumne. Man müsse doch froh sein, "wenn einer zaubert und die Tricks der Superstars nachmachen will. Bei Messi hat mit 17 auch nicht alles funktioniert. Lasst die Jungs uns unterhalten, auch wenn man sich als Gegenspieler manchmal ein bisschen veräppelt fühlt."

In den vergangenen Wochen war der zwischenzeitlich riesige Hype um den jungen Offensivspieler etwas abgeflacht. Nachdem er in der Hinrunde noch mit furiosen Auftritten und spektakulären Treffern auf sich aufmerksam gemacht hat, agiert Karl seit dem Jahreswechsel eher unauffällig. Eine vollkommen normale Entwicklung für einen 17-Jährigen, den man auch bei den Bayern erwartet hat.

Eberl: Die Gegner stellen sich auf Karl ein

"Wie sagt Vinnie (Vincent Kompany, d. Red.) immer so schön? Don’t believe the drama, don’t believe the hype! Lennart hat eine herausragende Hinrunde gespielt und jetzt ist es eben so, dass die Gegenspieler ihn und seine Stärken kennen. Sie wissen, was er kann", sagte Sportvorstand Max Eberl am Sonntagabend.

Bayerns Sportvorstand Max Eberl.
Bayerns Sportvorstand Max Eberl. © IMAGO/Michael Nibel

Auch Karl selbst gibt sich mit Blick auf den ersten kleinen Durchhänger seiner noch so jungen Profikarriere gelassen. "Ich werde einfach weiter Vollgas geben. Man kann nicht immer die perfekten Leistungen bringen. Ich muss im Training und im Spiel Vollgas geben – dann kommt die Leistung wieder", sagte der 17-Jährige.

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