Hoeneß feiert mit Weißbier und Rummenigge mit Wein: Auch Kompany mutiert zum Jubel-Biest

Geschafft! Das erste Ding ist da! Der FC Bayern ist Meister – zum 35. Mal insgesamt, zum 13. Mal in den letzten 14 Jahren. So dominant wie die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany durch diese Saison rauschte (nur eine Niederlage an bis dato 30 Spieltagen), so souverän besiegten die Bayern am Sonntag den Tabellenvierten VfB Stuttgart – mit 4:2. "Deu-tscher Fuß-ball Meis-ter: Eff Cee Bee!", hallte es von den Bayern-Fans nach dem Start-Ziel-Sieg (Tabellenführer vom ersten Spieltag an) durch die Allianz Arena.
Kompany jubelt vor der Kurve
Kompany riss beim Schlusspfiff die Arme hoch. Die Spieler umarmten sich, klatschten ab, schlüpften in die Meistershirts. Ab vor die Kurve samt Kakadu, dem Team-Maskottchen, um das sich Leon Goretzka kümmerte. Es gab Sprechchöre für Kompany. Der ging plötzlich aus sich raus, jubelte voller Inbrunst vor der Kurve.
Ein höchst gut gelaunter Kompany erklärte hinterher am DAZN-Mikro dazu: "In diesen Momenten heißt es einfach: voll genießen – alles andere ist heute nicht wichtig." Auch für Präsident Herbert Hainer war der Trainer der entscheidende Erfolgsfaktor: "Vincent ist ein Glücksfall. Einerseits, wie er die Mannschaft führt und was für einen attraktiven Fußball der FC Bayern unter ihm spielt, aber auch, was er für eine Ruhe ausstrahlt. Er wirkt unheimlich positiv, das tut der Mannschaft gut, aber auch uns als Verein."
Gefeiert wurde dennoch nur mit angezogener Handbremse. In der Players Lounge in der Allianz Arena standen für die Spieler und Familien und Freunde noch ein paar Kaltgetränke bereit, aber die große Meistersause in den Münchner Bars sollte es nicht mehr geben. Ganz sicher? "Ich kann es mir nicht vorstellen", sagte Sportboss Max Eberl mit Verweis auf die zwei weiteren Titel, die sein Team in dieser Saison noch holen will.

Zwischen Real-Rausch und Pokal-Fokus
Es war ein Spiel, das irgendwie ungelenk daherkam zwischen dem rauschhaften Spektakel gegen Real Madrid (4:3) samt Einzug ins Champions-League-Halbfinale am vergangenen Mittwoch und dem DFB-Pokal-Halbfinale an diesem Mittwoch bei Bayer Leverkusen. Und weil Trainer Kompany abgesehen von – oder gerade wegen – der schweren Verletzung von Serge Gnabry im Training (Ausriss der Adduktoren am Oberschenkel, siehe auch Seite 18) zunächst einige seiner Stammkräfte schonte. Also rotierte der Bayern-Trainer acht neue Profis in die erste Elf. Neben der Nummer eins Manuel Neuer, für den Jonas Urbig ins Tor rückte, begannen Ito, Kim, Davies, Goretzka, Guerreiro, Musiala und Jackson anstelle von Gnabry, Upamecano, Tah, Laimer, Pavlovic, Olise und Kane.

"Wir haben jetzt noch sehr schöne Halbfinals vor uns, darauf liegt der Fokus", sagte Sportvorstand Max Eberl bei DAZN und mahnte zu Bodenständigkeit trotz all der Euphorie: "Atmosphäre genießen ist erlaubt – aber die Beteiligten tun gut daran, nüchtern zu bleiben." Im wahrsten Sinne des Wortes – selbst beim Titelgewinn an diesem Sonntagnachmittag. Denn feiern wollen die Bayern im Mai noch mehrmals, am besten Triple-mäßig. "Ich hoffe, dass wir vielleicht ab Ende Mai wirklich genießen können – bis dahin zählt nur Leistung", betonte Eberl.
Dortmunder Ausrutscher und Münchner Weckruf
Und der eine Punkt, den die Münchner rein rechnerisch noch brauchten, um die nächste Meisterschaft perfekt zu machen. Die unfreiwillige Vorlage zum Schalen-Matchball hatte der Verfolger, den man nicht wirklich Verfolger nennen kann, am Samstagnachmittag geliefert. Borussia Dortmund verlor tief in der Nachspielzeit noch mit 1:2 bei der TSG Hoffenheim. Die Bayern fanden erst nicht recht ins Spiel, die kurzfristige Trägheit kam von den Real-Nachwehen (Eberl: "Egal wo man war, man wurde auf diesen fantastischen Abend angesprochen"). Der VfB, angetreten ohne den gesperrten Deniz Undav, mit 18 Toren der beste deutsche Torjäger der Liga, nutzte die Schläfrigkeit der Hausherren und kam durch Chris Führich zur Führung (21.) – 0:1.
Danke für den Weckruf, sagten die Bayern – und legten los. Nach Musialas rasantem Dribbel-Antritt samt perfekter Vorlage haute Guerreiro den Ball unters Gebälk – 1:1 (31.). Zwei Minuten später, kurz nach dem Anstoß, patzte die VfB-Abwehr und Díaz legte bei einer Drei-gegen-Eins-Überzahl perfekt auf Jackson ab, der lässig zum 2:1 einschob. Einmal auf dem Gas setzten die Bayern nach und Davies per abgefälschtem Schuss das 3:1 drauf (37.). Das Spiel? Vorentschieden. Die Meisterschaft? Eingesackt. Der Torrekord? In schwindelerregender Höhe, ausgebaut auf 108. Unfassbar.

Um den noch zu steigern, brachte Kompany zur zweiten Halbzeit Kane für Musiala und Olise für Díaz – ein Königreich für einen Trainer, der solche Wechsel vornehmen kann. Der britische Nationalelf-Kapitän Kane staubte zum 4:1 ab (52.), Tor Nummer 109. Sein 32. Ligatreffer - die nächste Torjägerkanone, seine dritte hintereinander, kann die DFL schon mal für die Übergabe nach dem 34. Spieltag aufpolieren.
Party mit angezogener Handbremse
Dann, nach dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln am 16. Mai, gibt’s auch erst die Meisterschale. Samt Konfettikanonen, Weißbierduschen und allerhand Blödeleien. Wieder eine Party mit angezogener Handbremse – schließlich wollen die Bayern an den Samstagen darauf in zwei nicht unbedeutenden Finals reüssieren. In Berlin und in Budapest.