Hamburg bekommt Elfmeter, Bayern dreimal nicht – Schiedsrichter-Frust nach Remis

So genervt war der FC Bayern lange nicht mehr – ganz besonders Stürmer Harry Kane: vom Schiri, den Unterbrechungen und den Balljungen.
von  Patrick Strasser
"The worst I’ve ever met in football": Die Meinung von Harry Kane (l.) zur Leistung von Schiedsrichter Harm Osmers beim Duell mit dem HSV lässt wenig Interpretationsspielraum.
"The worst I’ve ever met in football": Die Meinung von Harry Kane (l.) zur Leistung von Schiedsrichter Harm Osmers beim Duell mit dem HSV lässt wenig Interpretationsspielraum. © IMAGO/Heiko Blatterspiel

Hamburg, der Hafen. Das Tor zur Welt, diese Weite. Mit seiner Kleiderwahl strahlte Vincent Kompany, der von 2006 an zwei Jahre für den Hamburger SV spielte, an diesem frostigen Samstagabend dieses Weltmännische, eine zu ihm passende Lässigkeit aus. Der Bayern-Trainer trug eine schwarze, ultraweite Hose – baggy. Mit Bügelfalte und Seitentasche. Styler eben.

Was der 39-Jährige hingegen nur schwer ertrug: die Schiedsrichter-Leistung beim 2:2 seiner Mannschaft gegen Gastgeber HSV. Zu lässig, zu wenig weltmännisch, einfach zu weit war die Regelauslegung und das Panoptikum, das zu weit gestreute Kuriositätenkabinett der einzelnen Entscheidungen von Schiedsrichter Harm Osmers. Der Arme, er schadete beiden Teams. Hinterher bekam er vornehmlich von den Bayern sein Fett ab. So wütend waren die Münchner lange nicht.

Harry Kane nach Abpfiff bedient

Kompany versteht es, Kritik vornehm zu verpacken, er sagte: "Wenn es insgesamt 16 Minuten Nachspielzeit gibt, dann ist etwas passiert im Spiel. Ich will nicht über die Schiedsrichter sprechen, weil ich das in 18 Monaten noch nicht gemacht habe." Er tat es doch. "Aber wenn es 16 Minuten Nachspielzeit gibt, dann sind es nicht nur die 22 Spieler auf dem Platz, die das Spiel beeinflussen. Dann gibt es auch noch andere Leute."

Als Harry Kane nach Abpfiff bedient und desillusioniert in Richtung Kabine stapfte, konnten TV-Mikrofone einfangen, was er von sich gab über den Schiedsrichter. "The worst I’ve ever met in football", murmelt er vor sich hin. Auf Deutsch: "Der Schlechteste, den ich je im Fußball getroffen habe."

Hamburg bekommt Elfmeter, Bayern dreimal nicht

Auch die Tatsache, dass ein Kane, der stets gerne und meist vornehm-britisch mit dem Referee diskutiert, eine Gelbe Karte fürs Meckern erhielt, belegt den Verdruss. Während die Hamburger nach dem – eindeutigen – Foul von Joshua Kimmich einen Elfmeter bekamen, blieb dies auf der Gegenseite dreimal aus. Als Michael Olise sanft, aber doch touchiert wurde und zu Fall kam. Sowie gleich doppelt in der Nachspielzeit, als zunächst ein Handspiel von HSV-Mann Capaldo nach Kimmichs Schuss überprüft (der Ball sprang vom Oberkörper an den Arm) und ein Schubser gegen Josip Stanisic ignoriert wurde. Allesamt jedoch keine Aktionen, bei denen ein VAR-Eingriff zwingend notwendig gewesen wäre, um des Schiedsrichters Entscheidung zu korrigieren.

"Er hat aus meiner Sicht Situationen nicht gut eingeschätzt, er war etwas überfordert", polterte Sportvorstand Max Eberl. Der Sportvorstand führte aus: "Für das Produkt Bundesliga war es so, dass der Schiedsrichter auf sehr, sehr viele Fallen des HSV hereingefallen ist. Das Zeitspiel nervt mich, genauso wie die Thematik mit den Ballkindern. Ich bin froh, wenn wir endlich dieses Ballsystem haben, bei dem die Bälle einfach am Boden liegen. Wenn die Balljungen die Bälle festhalten, macht das das Spiel kaputt."

Der FC Bayern trennt sich vom Hamburger SV mit 2:2.
Der FC Bayern trennt sich vom Hamburger SV mit 2:2. © IMAGO/Marco Steinbrenner/DeFodi Images

Eberl: "Wir waren dann in Rage"

Der Schiedsrichter, die Unterbrechungen, die Balljungen. Die Bayern waren genervt, nur ein Sieg hätte all dies übertüncht. Eberl, der in seiner ebenso weiten Hose mehrere Fäuste hätte ballen können, stellte klar: "Das heißt nicht, dass wir deshalb nicht gewonnen haben, aber wir haben uns davon auch ein Stück weit emotionalisieren lassen. Wir waren dann in Rage, nicht mehr so cool, wie wir es sonst waren." Der intensive Kick forderte seinen Tribut an Aufmerksamkeit.

HSV-Trainer Merlin Polzin schwärmte von "einer magischen Nacht", weil er wusste, dass es ihm und seiner Mannschaft gelungen war, die spielerisch überlegenen Bayern auf ihr Niveau – Auge um Auge, Grätsche um Grätsche, Mann gegen Mann über den gesamten Platz – zu bringen. Der Meister tappte in die Falle, fand von der kreierten Hektik angesteckt keinen Ausweg mehr.

Wut tut nicht immer gut. Kapitän Manuel Neuer wählte die diplomatische Ausfahrt, sagte: "Wenn der Schiedsrichter nach dem Spiel ein Thema ist, dann ist es nie ein gutes Zeichen." Gilt meist für alle Beteiligten.

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