Gottesspieler Nmecha: Er schnappte Goretzkas den Stammplatz in der DFB-Elf weg

Felix Nmecha hat sich im Mittelfeld der DFB-Elf neben Alexander Pavlovic fest gespielt. Noch Bayern-Spieler Leon Goretzka hat das Nachsehen, nimmt seine Rolle als Joker aber an. Seinen Glauben macht Nmecha selbst öffentlich zum Thema – und erntet immer wieder Kritik dafür.
von  Patrick Strasser
Leon Goretzka hat seinen Stammplatz an Felix Nmecha verloren.
Leon Goretzka hat seinen Stammplatz an Felix Nmecha verloren. © IMAGO/Matthias Koch

In dem Fall war Lothar Matthäus ein Visionär. Bereits im vergangenen Winter hatte der DFB-Rekordnationalspieler immer wieder von einem Mittelfeldspieler geschwärmt, den man nicht wirklich auf dem Zettel hatte für die WM in Nordamerika: Von Felix Nmecha von Borussia Dortmund. Der zentrale Mittelfeldspieler könnte die Überraschung der WM in der deutschen Nationalmannschaft werden, meinte Matthäus auch einmal im Gespräch mit der AZ. Für ihn müsse er aufgrund seiner Qualitäten einen Stammplatz im Zentrum haben.

Bingo – gegen Curaçao machte Nmecha sein erst neuntes Länderspiel, es war seit bisher bestes. Beim 7:1 gegen die Karibik-Kicker erzielte der 25-Jährige sein zweites Länderspieltor. Eines für die Geschichtsbücher: Sein erstes bei seinem WM-Debüt, zugleich das erste des DFB-Teams bei diesem Turnier. Feinstens herausgespielt nach einem Doppelpass mit Florian Wirtz auf engstem Raum. Kurz vor der Halbzeitpause holte Nmecha den Elfmeter heraus, den Kai Havertz zum 3:1 verwandelte. Mit seiner Dynamik, seiner Power gewann er viele Zweikämpfe, leitete mit seinen raumgreifenden Schritten zahlreiche Angriffe ein. Für Matthäus ist der Sechser "einer der besten Box-to-Box-Spieler der Welt". Nmecha, dessen Marktwert – noch – bei nur 50 Millionen Euro steht, könnte einer der Stars dieser WM werden.

Goretzka die Rolle als Einwechselspieler an

Der neue Real-Trainer José Mourinho soll sich laut "Sky" intern für einen Transfer von Nmecha stark gemacht und nach der Situation des gebürtigen Hamburgers erkundigt haben. Madrid könnte in ein Wettbieten mit den potenten Premier-League-Klubs Manchester City und United geraten. Obwohl Nmecha seinen Vertrag beim BVB erst Mitte März um zwei Jahre bis 2030 verlängert hat, droht nun der vorzeitige Abschied.

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Nach drei Startelf-Einsätzen (von insgesamt nur vier) hat Nmecha seinen Stammplatz im Mittelfeld neben Aleksandar Pavlovic vom FC Bayern, der sich über gemeinsame "kleine Tiki-Taka-Phasen" auf der Doppelsechs freute. Leon Goretzka galt noch im März als Stammspieler im Zentrum - auch, weil Nmecha wegen eines Außenbandrisses im Knie im Frühjahr länger verletzt ausfiel. Nun hat der 31-Jährige, der die Münchner nach acht Jahren verlassen musste, das Nachsehen. Er fügt sich jedoch in seine Rolle als Einwechselspieler, wenn einem der beiden Mittelfeld-Motoren gegen Ende einer Partie die Luft ausgeht. "Felix ist einer der talentiertesten Spieler, die wir haben", schwärmte DFB-Kapitän Joshua Kimmich, "ein sehr kompletter Spieler und sehr wertvoll für uns." Konkret, so Kimmich: Er habe "eine extreme Physis, ist sehr, sehr schnell, sehr robust, technisch für seine Größe wirklich überragend."

Nmecha über seinen Glauben: "Fußball ist meine Leidenschaft, Jesus mein Fundament"

Abseits der fußballerischen Qualitäten polarisiert Nmecha. Nicht nur, weil er seinen Glauben lebt und ihn in die Öffentlichkeit trägt, sondern weil er und seine evangelikale Glaubensgemeinschaft durch homophobe Äußerungen auffällt. Sein Tor gegen Curaçao feierte er mit einer religiösen Geste, in dem er eine virtuelle Krone auf den Rasen legte –ein Symbol für die Rückkehr Jesus Christus, des Königs. Nach dem 7:1 bildete er mit Teamkollege Jonathan Tah und Gegenspielern einen Kreis am Mittelkreis. Sie beteten miteinander, die Arme umeinander gelegt. "Im Spiel sind wir Gegner. Nach dem Spiel sind wir alle Christen und Brüder", meinte Nmecha in der ARD. Ein privater, inniger Moment – und zugleich vor den Augen der Welt. Paradox?

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Nmecha, der eine Bibel in seinem WM-Gepäck hat, steht zu seinem Glauben. Das Wort Gottes, sagt er, studiere er jeden Tag. "Die Bibel hat mein Leben verändert und tut es weiterhin. Ich bin Felix, ein Christ, der Fußball spielt." Eine weitere Aussage von ihm lautet: "Fußball ist meine Leidenschaft, Jesus mein Fundament." Um Gottes Willen?! Zu viel des Guten? Für manche ja. Da er sich – so der Vorwurf – an der Grenze zum Missionarischen bewege. Die Vereinigung der evangelikalen Fußballer "Ballers in God" hat ihn zu ihrem Popstar gemacht, feiert ihn als Vorbild. Bei Instagram teilte und likte Nmecha Inhalte, die als homophob und queerfeindlich gewertet werden können, was zu einem gewaltigen Echo führte. Gleichermaßen erntet er Kritik und andererseits Respekt. Zu seiner Verteidigung sagte Nmecha laut ntv: "Ich bin Christ, aber ich liebe alle Menschen und diskriminiere nicht."

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Nach dem 7:1 in Houston schrieb Nmecha auf Instagram "Thank you Jesus!" und postete Fotos seines Torjubels. Dafür erhielt er über 500.000 Likes.

 

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