Goretzka kommt unter Kompany kaum zum Zug – selbst der WM-Traum ist in Gefahr

Ob sich Leon Goretzka damit wirklich einen Gefallen getan hat? Knapp zwei Wochen ist es her, dass der Nationalspieler und der FC Bayern offiziell bekannt gegeben haben, sich nach Vertragsablauf in diesem Sommer zu trennen – und eben nicht schon im Winter, obwohl mit Atlético Madrid ein europäischer Spitzenklub Interesse an einer sofortigen Verpflichtung zeigte.
"Unser gemeinsames Ziel ist es, dass wir im Mai wieder mit vollen Händen am Marienplatz stehen", schrieb der Mittelfeldspieler, der in der vergangenen Woche seinen 31. Geburtstag feierte, über sein letztes Halbjahr beim Rekordmeister. Wie viel Goretzka dazu beitragen kann und vor allem darf, wird sich zeigen. Unter Cheftrainer Vincent Kompany hat der gebürtige Bochumer aktuell jedenfalls keine allzu guten Karten.
Der Bayern-Coach hat sich im Mittelfeldzentrum klar auf das Duo Joshua Kimmich als Lenker und Denker sowie Aleksandar Pavlovic als umsichtiger Ballverteiler festgelegt. Letzterer hatte in der Vergangenheit immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen, ist in dieser Saison aber konstant fit und befindet sich derzeit in Top-Form.
Goretzka spielte in den letzten vier Partien nur zehn Minuten
"Aleks geht manchmal unter bei den ganzen Toren, die von anderen Spielern geschossen werden", sagte Sportvorstand Max Eberl vor dem Auswärtsspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim kriselnden SV Werder Bremen und schickte ein Sonderlob hinterher: "Aleks ist die Maschine, die läuft, die macht, die tut. Er ist in einer sehr guten Form." Und genau deshalb hat er aktuell auch die Nase klar vor Goretzka.
Dessen Spielzeit ist zuletzt merklich zurückgegangen. In den vergangenen vier Partien saß der 31-Jährige drei Mal über die kompletten 90 Minuten auf der Bank, nur beim Sieg im Pokal gegen Leipzig durfte er für die letzten zehn Minuten ran. "Die Situation von Leon ist eine Folge davon, dass wir im Moment alle Spieler fit haben. Und ich möchte das nicht negativ sehen. Wir sind positiv, denn es sind alle da. Vom Gefühl her können sie jetzt den ganzen Februar mit dieser Geschichte kommen", sagte Trainer Kompany jüngst.
Goretzka braucht Spielpraxis, sonst ist der WM-Traum in Gefahr
Goretzka selbst dürfte die aktuelle Entwicklung nicht ganz so entspannt sehen. Er ist auch in München geblieben, um sich den Traum von der Weltmeisterschaft in Nordamerika im kommenden Sommer zu erfüllen. Bundestrainer Julian Nagelsmann hat aber bereits mehrfach betont, dass regelmäßige Spielpraxis die Grundvoraussetzung für eine Nominierung ist. Ob er die bei den Bayern in der Rückrunde in ausreichendem Maße erhält, wird sich zeigen.

Dabei hat sich für Goretzka kurz vor Ende des Winter-Transferfensters noch einmal eine durchaus interessante Option aufgetan. Laut einem Bericht der "Bild" zeigte der englische Tabellenführer FC Arsenal am Deadline-Day Interesse an einer sofortigen Verpflichtung. Da hatte sich der Mittelfeldspieler aber schon öffentlich einem Verbleib in München verschrieben – eine Rolle rückwärts wäre also schwer zu vermitteln gewesen.
Wie es für den 31-Jährigen ab Sommer weitergeht, ist noch unklar. International genießt er noch immer einen sehr guten Ruf, schon mehrere Top-Klubs sollen Interesse bekundet haben. Als potenzielle Abnehmer werden neben Arsenal auch Stadrivale Tottenham Hotspur sowie die AC Mailand gehandelt.
AZ-Info: Noel Aséko-Nkili soll Goretzka-Nachfolger werden
Bei den Bayern macht man sich derweil bereits Gedanken darüber, wie die Position von Goretzka im Sommer nachbesetzt wird. Nach AZ-Informationen kehrt Noel Aséko-Nkili, der derzeit an Zweitligist Hannover 96 ausgeliehen ist, zurück zum Rekordmeister. Der zweikampfstarke Mittelfeldspieler macht in dieser Saison mit starken Leistungen auf sich aufmerksam und soll bei den Bayern seine Chance erhalten.

Sportdirektor Christoph Freund verfolgt die Entwicklung des 20-Jährigen genau. "Noel macht es richtig gut. Er hat sich richtig gut in die Mannschaft reingespielt, steigert sich von Spiel zu Spiel und ist auch immer wieder an Toren beteiligt", lobt Freund gegenüber Sky: "Er bringt Aggressivität und eine Note mit, die für uns sehr interessant ist. Wir werden ihn weiterhin intensiv verfolgen und sind mit ihm in Kontakt. Er ist ein sehr interessanter Spieler für uns."