Goretzka-Abschied in der Allianz Arena: Wie groß ist der Verlust beim FC Bayern wirklich?

Leon Goretzka läuft am Samstag gegen den 1. FC Köln zum letzten Mal für den FC Bayern in der Allianz Arena auf. Was bleibt vom 31-Jährigen aus seiner Zeit in München hängen?
Patrick Strasser |
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Leon Goretzka wird beim FC Bayern gegen Köln verabschiedet.
IMAGO/Lackovic Leon Goretzka wird beim FC Bayern gegen Köln verabschiedet.

Leon Goretzka darf anfangen am Samstagnachmittag gegen den 1. FC Köln (15.30 Uhr, Sky). Vielleicht überlässt ihm Torhüter Manuel Neuer bei seinem letzten Heimspiel in der Allianz Arena auch die Kapitänsbinde. Ehre, wem Ehre gebührt.

Ist Goretzkas Nominierung von Beginn an – denn so kann der 31-Jährige im Laufe der zweiten Halbzeit beifallsumrauscht ausgewechselt werden – ein Abschiedsgeschenk? Das hört Vincent Kompany gar nicht gerne. "Nein, kein Geschenk", sagte der Bayern-Trainer am Freitagvormittag an der Säbener Straße und erklärte: "Das hat sich Leon über viele Jahre mit Leistung verdient." Man könne sich, so Kompany, "auch seine Bühne verdienen".

Goretzka "ein Vorbild" laut Kompany

Vor dem Anpfiff wird Goretzka, dessen Vertrag Ende Juni nach acht Jahren in München endet, vom Vorstand und Präsidium offiziell verabschiedet. Es gibt Blumen, eine gerahmte Collage der besten Bilder seiner Bayern-Zeit – und womöglich Tränen. Es dürfte emotional werden, auch wenn der Mittelfeldspieler eigentlich nicht dafür bekannt ist, nah am Wasser gebaut zu sein.

Es war ein Abschied auf Raten, nachdem er bereits im Sommer 2024 seinen Stammplatz verloren hatte und ihm der Verein nahelegte, zu gehen. Doch er blieb. Nach und nach kämpfte sich Goretzka ins Team von Kompany zurück, wurde wieder wichtig. Und Leistungsträger. Fortan diente er "Role Model" für den Rest der Mannschaft, weil er standhaft blieb, nicht motzte und sich zurückkämpfte. Mehrmals erwähnte Kompany ihn – vor allem in dieser Saison – bei internen Besprechungen, sprach davon, dass dieser Goretzka "ein Vorbild" sei. Somit wurde der Mittelfeldspieler zu einem wichtigen Faktor für das Binnenklima im Kader, für die Stimmung in der Kabine.

Macht Goretzka den Weg frei für Kennet Eichhorn?

Goretzka hat sein Ende beim FC Bayern ein Stück weit selbst bestimmt. Er hat nun seinen Frieden damit gemacht, dass er nach dieser Saison nicht mehr gebraucht wird, dass man künftig im Münchener Mittelfeld auf die jüngere Generation setzt – auf Aleksandar Pavlovic (22) und Tom Bischof (20) als Nebenleute des erfahrenen Vizekapitäns Kimmich (31). Macht Goretzka den Weg frei für einen Transfer von Kennet Eichhorn, dem 16-jährigen Mega-Talent von Hertha BSC, an dem auch Borussia Dortmund dran ist?

Was wird bleiben von Goretzka, der 2018 vom FC Schalke nach München gewechselt war? Auf der einen Seite ein nachdenklicher Spieler, der sich stets auch Gedanken über seinen Beruf und das Fußball-Business hinaus gemacht hat. Einer, der sich – auch als Zuagroasta – voll und ganz mit dem FC Bayern identifiziert, der das "Mia san mia" verinnerlicht hat. "Ich liebe den Verein, ich liebe die Stadt, ich liebe die Fans. Es war eine wunderschöne, intensive, besondere Zeit, die ich sicher vermissen werde", sagte der gebürtige Bochumer in einem Interview mit dem Vereinsmagazin "Säbener 51" voller Dankbarkeit. In seiner letzten Saison sah man Goretzka nach Siegen oft vor der Kurve die Fans-Songs lauthals mitträllern.

AC Mailand lockt Goretzka mit einem Dreijahresvertrag

Und rein sportlich? Wird man Goretzka und seine spezielle Spielweise vermissen? An guten Tagen erinnerte er dank seiner Dynamik und seiner Kopfballstärke an den früheren DFB-Kapitän Michael Ballack. Goretzka bestach durch seine Robustheit, das Ergebnis zahlloser Trainingsstunden und Kraftraumbesuche. An schlechteren Tagen fiel sein mangelndes (Spiel-)Tempo im Spielaufbau und in Laufduellen zu sehr ins Gewicht. Spielte Pavlovic, bestach dieser durch seine enorme Passsicherheit und Quote bei Balleroberungen in Zweikämpfen. Im Umkehrschluss – und das wurde bei direkten Auswechslungen offensichtlich – fehlte Goretzka diese Qualität.

Nun lockt die AC Mailand Goretzka mit einem Dreijahresvertrag in die Serie A. Obwohl es sportlich wie finanziell gesehen die richtige Entscheidung ist, einem der Top-Verdiener der Mannschaft mit 31 Jahren keinen neuen Vertrag mehr zu geben, könnte es den Bayern und ihren Fans mit dem meist umstrittenen Goretzka so ergehen wie mit Scheidenden in anderen Lebenslagen: Den wahren Wert bemerkt man erst, wenn jemand nicht mehr da ist.

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