Goldschmied Kompany: Wie der Trainer dem FC Bayern viele Millionen bringt
Vincent Kompany ist inzwischen nicht nur Erfolgstrainer, sondern auch Goldschmied beim FC Bayern. Der belgische Coach, der die Münchner auf Triple-Kurs geführt hat, mit seinem Team einen Rekord nach dem anderen aufstellt und den besten Fußball seit der Amtszeit von Hansi Flick spielen lässt, sorgt dafür, dass der Campus endlich die Aufmerksamkeit erhält, die er verdient. Bara Sapoko Ndiaye war am Wochenende beim 5:0 gegen St. Pauli bereits der zehnte (!) Nachwuchsspieler, der in dieser Saison in einem Pflichtspiel unter Kompany debütierte.

Eine Bilanz, die in der Akademie im Münchner Norden mit Begeisterung registriert wird - und nicht nur dort. Denn die Bosse an der Säbener Straße dürfen sich darüber freuen, dass die Marktwerte der eingesetzten Talente steigen und bei Verkäufen satte Gewinne generiert werden können. Sofern es die jungen Spieler nicht selbst zum Profi bei Bayern schaffen - wie etwa Lennart Karl in dieser Spielzeit. Das ist freilich der ideale Weg.
Campus als Antwort auf Transfer-Wahnsinn
"Das war immer unser Wunsch", sagte der frühere Vorstandschef und heutige Aufsichtsrat Karl-Heinz Rummenigge bei DAZN über den Talente-Aufschwung bei Bayern: "Ich zitiere Uli Hoeneß, als der Campus eröffnet wurde: Der Campus ist die Antwort des FC Bayern auf den finanziellen Transfer-Wahnsinn, der damals schon in Europa stattgefunden hat. Neymar und Mbappé wurden von Paris Saint-Germain für Wahnsinnsgeld verpflichtet, Manchester City hat große Transfers gemacht, Chelsea. Wir müssen eine eigene Philosophie haben - und da spielt der Campus eine große Rolle."

Mit Kompany hat Bayern einen Trainer, der den Talenten vertraut und sie auch spielen lässt. Wie es in der Vergangenheit unter anderem auch Thomas Tuchel (bei Aleksandar Pavlovic) oder Hansi Flick (bei Jamal Musiala) taten, aber eher sporadisch. So viele Debüts wie unter Kompany gab es noch nie. Neben dem 18-jährigen Ndiaye, der nach seiner Leihe im Sommer fest verpflichtet werden könnte, sowie Karl (18) wurden allein in der Bundesliga sechs weitere Talente eingesetzt: David Santos Daiber (19), Felipe Chávez (19), Maycon Cardozo (17), Wisdom Mike (17), Cassiano Kiala (17) und Erblin Osmani (16). In der Champions League gaben zudem Deniz Ofli (19) und Filip Pavic (16) ihr Profidebüt im Achtelfinal-Rückspiel gegen Atalanta Bergamo. Kompanys Top Ten. Stark!
Signal an Talente
Der Campus sei in der Zeit vor Kompany "nie richtig aktiviert worden", merkte Rummenigge an. Das sei erst jetzt der Fall. Man habe dem 40-jährigen Coach "den Wunsch ganz klar geäußert", so Rummenigge: "Wir wollen, dass Spieler aus dem Campus eine Chance haben. Und jetzt hat er uns in diesem Jahr einen Steilpass dahingelegt mit den ganzen Spielern, die aus dem Campus mal Minuten hatten."

Das werde sich auch bei anderen Talenten herumsprechen, hofft Rummenigge: "Wir haben immer Probleme gehabt, die besten Talente Deutschlands zum FC Bayern zu holen - nicht aus finanziellen Gründen, sondern weil die jungen Spieler und auch deren Eltern und Berater gesagt haben: Alles schön und gut beim FC Bayern, nur die jungen Spieler haben keine Chance, nach oben in die erste Mannschaft zu kommen. Jetzt mit Vinnie haben wir die große Chance, die beste Qualität Deutschlands oder Europas nach München zu holen und daraus Spieler nach oben zu entwickeln."
Das soll in Zukunft die Strategie des FC Bayern sein, was auch an diesem Beispiel zu erkennen ist: Die Lücke im zentralen Mittelfeld, die im Sommer durch die ablösefreien Abgänge von Leon Goretzka und Raphael Guerreiro entsteht, wird mit Noel Aseko geschlossen. Der 20-Jährige, der in der Bayern-Jugend ausgebildet wurde, kehrt nach seiner Leihe von Hannover 96 zurück. Er dürfte der nächste Debütant unter Goldschmied Kompany werden.

