Interview

"Für Schiedsrichter nicht einfach": Heldt befürchtet Benachteiligung von Union Berlin im Duell gegen den FC Bayern

Vor dem Duell zwischen dem FC Bayern und Union spricht Berlins Sport-Geschäftsführer Horst Heldt im AZ-Interview über eine mögliche Benachteiligung seiner Mannschaft durch das Schiedsrichterteam und gibt Einblicke, wie er mit steigenden Beraterhandgeld und Spielergehältern umgeht.
von  Kilian Kreitmair
Erwartet kein einfaches Spiel für Union Berlin beim FC Bayern: Union-Boss Horst Heldt.
Erwartet kein einfaches Spiel für Union Berlin beim FC Bayern: Union-Boss Horst Heldt. © IMAGO

AZ: Herr Heldt, am Samstag geht es für Sie zurück nach München, wo Ihre Familie nach wie vor lebt. Fühlt es sich ein bisserl an wie heimkommen? 
HORST HELDT: Wie sie sagen, München ist schon seit langer Zeit der Lebensmittelpunkt meiner Familie. Das wird er auch immer bleiben. Deswegen bejahe ich die Frage natürlich. Aber ich fühle mich mittlerweile in Berlin gleichwohl wie zu Hause.

Union will Tor mit "Mann und Maus verteidigen"

Im Vordergrund steht am Samstag ohnehin nicht die Familie, sondern das Duell gegen den FC Bayern. Für Union geht es um wichtige Punkte, um den Abstand auf die Abstiegsplätze zu bewahren. Sie haben jüngst die Sorge kundgetan, dass die Schiedsrichter aufgrund der Kritik der Bayern-Bosse besonders im Brennglas stehen. Sehen Sie das als Nachteil für Ihre Mannschaft? 
Andere Vereine, und da schließe ich uns und mich auch mit ein, haben die Entscheidungen der Schiedsrichter auch schon kritisiert. Und manchmal, da nehme ich mich auch nicht aus, geht man einen Schritt zu weit. Aber der Aufschlag, den die Bayern getätigt haben, dass sie sich benachteiligt fühlen, hat eine ganz andere Wahrnehmung. Am Ende sind Schiedsrichter Menschen. Nach so einer Situation könnte es schwer werden, Entscheidungen gegen die Bayern zu treffen, die hart sind. Bedeutet: Für das Schiedsrichterteam wird es am Wochenende sicher nicht einfach. Ich bin weit davon entfernt, über den großen FC Bayern eine Meinung zu äußern, sondern mir geht es da um unseren Klub. Wir haben es sowieso mit dem Branchenprimus zu tun.

Mut dürften Ihnen zumindest die knappen Ergebnisse machen. In der Liga war Union das erste Team, das den Bayern ein Remis abluchste. Auch im Pokal war es eine knappe Kiste. 
Wir versuchen auch diesmal eine Spielweise an den Tag zu legen, die sie immer wieder begleitet. Viele Mannschaften versuchen gegen die Bayern, ihr eigenes Tor mit Mann und Maus zu verteidigen. Das werden wir auch machen. Dafür müssen sie dann Lösungen finden. Das gelingt ihnen zwar in 99 Prozent der Fälle, aber wir versuchen es ihnen so unangenehm wie möglich zu machen und unsere Qualitäten einzubringen, um die Minichance zu nutzen. Aber wir können das Spiel nicht so offen gestalten, wie wenn Arsenal oder Real Madrid auf die Bayern treffen.

Leitet das Spiel zwischen dem FC Bayern und Union Berlin: Patrick Ittrich.
Leitet das Spiel zwischen dem FC Bayern und Union Berlin: Patrick Ittrich. © IMAGO

Heldt spricht von einer Dreiklassengesellschaft in der Bundesliga

Heißt: Die Marschroute lautet, mit Mann und Maus zu verteidigen?
Wir gehen fest davon aus, dass die Bayern das Spiel nicht nutzen, um sich auszuruhen. Die wollen ihre Dominanz in der Bundesliga beibehalten. Aber natürlich fahren wir schon dorthin, um wichtige Punkte mitzunehmen. Die Bayern kommen jetzt in die heiße Phase mit permanent englischen Wochen und haben dann noch zahlreiche Abstellungen zu den Länderspielen. Sie sind also dauerhaft in Aktion. Das ist vielleicht der Moment, in dem wir ihnen ein Bein stellen können.

Wir haben in der Bundesliga eine Dreiklassengesellschaft. Es spielen, mit Ausnahme von ein paar Ausreißern, immer die gleichen Mannschaften um die vorderen Plätze.

Horst Heldt

Union gewann zwar zuletzt mit 1:0 gegen Freiburg, aber 2026 konnte man noch nicht an die Leistung vom Vorjahr anknüpfen. Woran liegt das? 
Man muss sich bewusst machen, in welcher Situation wir und viele andere Vereine sind. Wir haben in der Bundesliga eine Dreiklassengesellschaft. Es spielen, mit Ausnahme von ein paar Ausreißern, immer die gleichen Mannschaften um die vorderen Plätze. Das sind Leverkusen, Dortmund, Stuttgart, Leipzig und die Bayern. Das ist eine Klasse für sich. Dann gibt es die Gruppe, die dort hineinstechen will und um die internationalen Plätze spielen will. Wir gehören zur dritten Gruppe. Wir gehen in eine Saison und versuchen, möglichst wenig mit dem Abstieg zu tun zu haben. Aber das kann man nie wirklich vorhersagen, weil in dieser Gruppe alle Mannschaften auf einem ähnlichen Niveau sind. Es ist da alles sehr eng und spannend.

Beim FC Bayern unter Druck: Sportvorstand Max Eberl.
Beim FC Bayern unter Druck: Sportvorstand Max Eberl. © IMAGO

Heldt hat klare Linie bei Beraterhandgeldern und Gehältern

Obwohl es sportlich für die Bayern läuft, ist es nicht ganz ruhig im Klub. Sportvorstand Max Eberl steht intern in der Kritik. Ihm wird unter anderem vorgeworfen, dass er zu viel Geld für Verlängerungen und Beraterhandgeld ausgibt. Haben Sie ähnliche Probleme mit den Beratern? 
Wir bewegen uns zwar in einer anderen Range als der FC Bayern, aber werden nichtsdestotrotz damit auch immer wieder konfrontiert. Aber wir zahlen nur das, was wir zur Verfügung haben, und gehen nicht darüber hinaus. Damit ist es uns in den letzten Jahren immer gelungen, eine konkurrenzfähige Mannschaft aufzustellen.

Sie haben also eine klare Linie entwickelt, dass es dazu möglichst nicht kommt. 
Wir versuchen, die größtmögliche Qualität mit unseren Möglichkeiten zu holen. Obwohl ich Max sehr gut kenne, ist es schwer für mich, die Situation in München zu bewerten. Aber bei aller möglichen Kritik muss man immer noch sagen: Sie tanzen, wie in fast jedem Jahr, bis zum Ende auf drei Hochzeiten. Meister werden sie, ins DFB-Pokalfinale werden sie wahrscheinlich auch einziehen. Und am Ende wird das Duell in der Champions League gegen Real Madrid der Knackpunkt sein, ob sie das Triple holen.

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