Freiwilliger WM-Verzicht? Bayern-Star Musiala kontert Kahn mit Köpfchen
Natürlich ist Jamal Musiala nicht komplett happy mit seiner Situation. Natürlich würde er lieber zu dem Spielerkreis gehören, der für die Duelle mit Real Madrid im Champions-League-Viertelfinale wie selbstverständlich gesetzt ist. Und nicht zur anderen Gruppe, die zwischendrin im Bundesliga-Alltag beim FC St. Pauli Spielpraxis sammeln sollte für spätere Aufgaben. Beim Sandwich-Spiel die saure Gurke sein?
Nun ja, auf die kann es besonders ankommen bei einem schmackhaften Burger. Die Gurke ist das Salz in der Suppe eines Burgers, die spezielle Note. Kommt ja nicht jeden Tag Rinderfilet auf den Tisch.
Musiala, von der internationalen Feinschmeckergilde als Kobe-Wagyu-Filet eingestuft, bewies am Samstag, dass er auch als Hausmannskost durchgeht. Und war über seine Performance beim 5:0 aufm Kiez glücklich. Mit einem wuchtig erzielten Kopfballtreffer hatte er die Hamburger gegrillt. Beim Jubel über das 1:0 haute sich der 23-Jährige mehrmals auf sein Haupt, die Teamkollegen tätschelten freudig das Köpfchen. Er selbst hatte Köpfchen bewiesen. Mit der Birne gekontert.
Musiala kontert Kahn mit Köpfchen
Und zwar Aussagen von Oliver Kahn, dem einstigen Vorstandschef des FC Bayern (bis Mai 2023), der den Spielmacher gut kennt aus der gemeinsamen Zeit an der Säbener Straße. Der frühere Weltklassetorhüter riet Musiala nach seiner schweren Verletzung (Wadenbeinbruch samt Sprunggelenksluxation) und dem kürzlichen Rückschlag (Verklebungen im operierten Knöchel als schmerzhafte Reaktion) doch besser auf die WM im Sommer in Nordamerika zu verzichten.
"Wenn ich spüre, dass etwas in meinem Spiel nicht stimmt, dann muss ich an mir arbeiten, wieder bereit zu sein", sagte Kahn mit Blick auf das DFB-Team bei Sky und erklärte: "Jamal muss, wie alle anderen auch, wenn er spielen will, schon bei 100 Prozent sein."

Schrittweise Rückkehr zur Topform
Er nähert sich seiner alten Form an. Schritt für Schritt, Dribbling für Dribbling, Spiel für Spiel. Beinahe hätte er ein zweites Tor erzielt, der Innenpfosten hatte was dagegen – es wäre das Rekordtor Nummer 102 gewesen. Dafür bereitete Musiala passgenau das 4:0 durch Nicolas Jackson vor. "Es war ein gutes Spiel", resümierte er bei Sky, "ich komme besser in Aktionen rein. Ich bin zufrieden mit meiner ganzen Leistung."
So gesehen war er doch glücklich, zur aktuellen 1B-Auswahl zu gehören. Manchmal ist Glück im Unglück besser als Pech im Glück. "Jede Minute, in der ich Gefühl in den Fuß, in die Beine wieder rein bekomme, tut mir gut", findet Musiala. Sein Fuß sei nun "viel freier", er fühle sich "viel, viel besser als vor einem Monat".
Kompanys behutsamer Aufbauplan
"Er ist vielleicht noch nicht auf seinem besten Niveau, völlig in Ordnung", meinte Trainer Vincent Kompany, der ihn stets mit Bedacht und Weitsicht aufbaut. "Wer große Verletzungen hatte, der weiß, wie schwierig es ist, erst einmal dieses Gefühl zurückzubekommen", erklärte der Belgier. Das komme "irgendwann" wieder, aber sicher. Denn: "Am Ende werden die talentvollen Spieler immer recht haben und das wird bei Jamal genauso sein." Balsam für die Seele, gut fürs Köpfchen.
Lieferte auch Vizekapitän Joshua Kimmich, der sagte: "Natürlich ist für Jamal es noch ein Weg, beständig diese Leistung alle drei Tage bringen zu können. Ich merke aber, dass sich sein Mindset gerade etwas verändert hat, er wird jetzt positiver."
Klare WM-Ansage trotz Mahnung von Kahn
Und die Idee von Kahn? Von einem, dessen unbändiger Ehrgeiz der Grundbaustein seiner großen Karriere war? "Ich habe nicht genau gelesen, was er gesagt hat", so Musiala, "aber auf jeden Fall will ich zur WM." Was denn sonst? Er wolle in der restlichen Saison "alles tun", um mit den Münchnern erfolgreich zu sein. Für das mögliche Triple. "Und dann ist mein Fokus, dem Land und der Mannschaft zu helfen."
Sind ja auch noch knapp neun Wochen hin bis zum WM-Auftakt der Nationalelf am 14. Juni in Houston gegen Neuling Curaçao. Und selbst im Laufe des Turniers, größtenteils im Land der Burger ausgetragen, kann sich Musialas Leistung von medium zu well done entwickeln.
