Interview

Freiburgs Günter vor dem Bayern-Duell: "Olise kriegst du nur im Verbund in den Griff"

Freiburgs Dauerbrenner Christian Günter spricht in der AZ über das Duell mit dem FC Bayern, große Egos und eiserne Treue zu einem Verein.
von  Kilian Kreitmair
"Er bringt ganz viel mit": Christian Günter schwärmt von Michael Olise.
"Er bringt ganz viel mit": Christian Günter schwärmt von Michael Olise. © picture alliance/dpa

AZ: Herr Günter, im Sommer sind Sie 20 Jahre beim SC Freiburg. Bei Ihrem Rekordspiel gab es für das ganze Stadion Freibier. Was planen Sie zum Dienstjubiläum?
CHRISTIAN GÜNTER: (lacht) Bis jetzt habe ich da tatsächlich noch nichts geplant. Aber dieses Jubiläum werden wahrscheinlich nicht so groß feiern. Ich werde wahrscheinlich eher nochmal eine ähnliche Aktion machen, wenn ich meine Karriere beendet.

Gab oder gibt es eigentlich einen Klub, für den Sie dem SC Freiburg den Rücken gekehrt hätten, wie den FC Bayern?
Wenn natürlich ein Angebot von so einem Weltverein wie dem FC Bayern gekommen wäre, wäre ich natürlich auch ins Überlegen gekommen. Aber bisher hatte ich das nicht. Deshalb habe ich mich damit auch noch nicht so intensiv auseinandergesetzt. Und jetzt würde bei der Abwägung auch meine Familie eine Rolle spielen.

"An einem besonderen Tag kann man auch große Gegner schlagen"

Schauen wir auf das Spiel am Samstag. Was erwarten Sie für eine Partie gegen den FC Bayern?
Wir spielen gegen ein Team, das zurzeit zu den besten drei Teams Europas gehört. Sie sind individuell wahnsinnig gut, aber funktionieren auch als Mannschaft sehr gut. Eine größere Aufgabe gibt es in der Bundesliga nicht. Deshalb wird es für uns maximal schwer. Wir wollen aber versuchen, ihnen so lange wie möglich Paroli zu bieten und vielleicht klappt es ja, dass wir gegen sie etwas mitnehmen.

Wie will es der Sportclub angehen?
Das Wichtigste ist, mutig zu sein. Wir dürfen nicht anfangen Dinge zu tun, die uns nicht stark machen. Entsprechend müssen wir mit Mut Fußball spielen. Und an einem besonderen Tag kann man auch große Gegner schlagen.

Christian Günter spielt seit 2006 für den FCB-Samstagsgegner Freiburg.
Christian Günter spielt seit 2006 für den FCB-Samstagsgegner Freiburg. © IMAGO/DeFodi Images

"Es gibt ja nichts Schöneres, als gegen einen der besten Spieler der Welt zu spielen"

Sehen Sie es als Vorteil, dass die Bayern in Gedanken wohl schon im Bernabéu sind, wo am Dienstag das Viertelfinale der Champions League gegen Real Madrid steigt?
Es gab schon so viele Spiele, in denen man das gedacht hat, aber am Ende haben sie sich davon nicht blenden lassen. Wir sind zum Beispiel schonmal als Tabellenzweiter nach München gefahren und dachten, wir können da vielleicht endlich mal was holen und schlussendlich sind wir da unter die Räder gekommen. Die Bayern haben so einen breiten Kader, egal wer da auf dem Platz steht, da ist eine richtig große Qualität. Sie können selbst mit Rotation sehr gut umgehen. Deshalb werden sie uns nicht unterschätzen und das Spiel ganz professionell angehen.

Sie persönlich bekommen es auf der linken Abwehrseite wohl mit Michael Olise zu tun. Haben Sie schon ein Rezept, wie Sie ihn stoppen wollen?
So einen Ausnahmespieler kriegst du im Normalfall nur im Verbund in den Griff. Du bist also auf die Unterstützung deiner Mitspieler angewiesen. Gleichzeitig musst du selbst kämpfen. Es gibt ja nichts Schöneres, als gegen einen der besten Spieler der Welt auf seiner Position zu spielen und da alles reinzuwerfen.

Sie sehen Ihn also als absoluten Unterschiedsspieler?
Auf jeden Fall. Er bringt ganz viel mit. Trotz seiner Qualität ist er ein sehr ehrgeiziger und bodenständiger Typ. Ich glaube er bringt vieles mit, dass er irgendwann vielleicht sogar der beste Spieler der Welt ist.

Günter hofft auf ein Pokal-Finale gegen den FC Bayern

Wenn wir nochmal auf Ihren Verein schauen. Es ist der Klub der treuen Seelen. Trainer Julian Schuster hat dort fast seine Karriere verbracht, auch Niclas Höfler und Lukas Kübler. Was macht den Sportclub zum Wohlfühlfaktor?
Wir sind einfach ein eingeschworener Haufen, wodurch das Arbeitsklima ganz angenehm ist. Wir haben nicht die großen Egos in der Mannschaft, sondern viele sehen das große Ganze. Dazu kommen viele angenehme Mitarbeiter auch in der höheren Etage. Dazu kommt, dass die Stadt wunderschön ist. Ich glaube, das macht den Klub speziell.

Es ist also ein Harmoniewohlfühlklub?
(lacht) Alles ist natürlich nicht immer harmonisch. Wir haben auch kritische Themen, aber wir gehen damit sehr lösungsorientiert um. Niemand will sich da in den Vordergrund drängen, sondern es wird einfach bodenständig weitergearbeitet. Das ist es auch, warum wir über so viele Jahre erfolgreich sind. Wenn sich da jeder zu wichtig nimmt, funktioniert es nicht über eine lange Zeit.

Das zeigt sich auch in dieser Saison. Freiburg noch in der Europa League und im DFB-Pokal vertreten. Wäre ein Sieg in Berlin, womöglich auch gegen die Bayern, das größte Geschenk, das man Ihnen zum Dienstjubiläum machen kann?
Etwas Größeres wird es nicht geben. Mit diesem Verein, dem ich mein Leben lang die Treue gehalten habe, mit dem ich so viel verbinde, mit dem einen Titel in die Höhe zu strecken, das wäre unglaublich. Aber da müssen davor noch zwei Spiele gespielt werden und die sind nicht so einfach. Aber es ist schon eine Freude, sich da einfach auch mit den besten Mannschaften messen zu dürfen.

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