Frankfurt-Fan John Degenkolb im AZ-Interview: "Der Eintracht-Adler ist bei jedem Rennen dabei"

In der AZ spricht Frankfurt-Fan John Degenkolb über das Spiel gegen Bayern und Kovacs Abschied: "Es tut schon weh."
| Maximilian Koch
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Lebt in Frankfurt - und wurde dort zum Eintracht-Fan: Radprofi John Degenkolb.
dpa, privat Lebt in Frankfurt - und wurde dort zum Eintracht-Fan: Radprofi John Degenkolb.

In der AZ spricht Frankfurt-Fan John Degenkolb über das Spiel gegen Bayern und Kovacs Abschied: "Es tut schon weh."

Der 29-jährige Degenkolb zählt zu den besten deutschen Radprofis. Er gewann unter anderem schon den Klassiker Paris-Roubaix und ist großer Fan von Eintracht Frankfurt.

AZ: Herr Degenkolb, an diesem Samstag trifft Eintracht Frankfurt, Ihr Lieblingsklub, auf den FC Bayern. Was rechnen Sie sich aus?
JOHN DEGENKOLB: Ich denke, wir werden ein wenig bluffen fürs Pokalfinale und sie ausnahmsweise gewinnen lassen.

Ganz schön selbstbewusst: Wie sehen Sie denn die Chancen der Eintracht im Cup-Finale am 19. Mai?
Auch wenn es sicher eine sehr schwere Aufgabe und ganz bestimmt kein Spaziergang wird: Als Sportler weiß man, dass an einem perfekten Tag alles möglich ist. Und dass man jede Herausforderung immer mit Mut und der festen Überzeugung, gewinnen zu können, angehen muss. Tut man das, kann man auch Großes vollbringen. Und selbst vermeintlich haushoch überlegenen Favoriten das Leben schwer machen.

Was macht Sie optimistisch?
Die Mannschaft ist sehr stabil, schwer zu bespielen - und ganz talentfrei sind die Jungs ja auch nicht. Auch im letzten Jahr hätten wir gegen Dortmund, das vorher die Bayern aus dem Pokal geworfen hatte, gewinnen können (1:2, d.Red.).

Beim Pokalfinale 2017 in Berlin waren Sie ja als Fan dabei.
Ja - und noch immer habe ich Gänsehaut, wenn ich an die Stimmung im Stadion zurückdenke. Eins ist schon mal klar: Die Südkurve der Bayern muss sich wärmstens anziehen und sehr gut vorbereiten, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Die Eintracht-Kurve ist der Hammer. Sensationell, was da los war 2017.

Sind Sie diesmal wieder im Stadion?
Wenn es nur nach mir ginge - ja, unbedingt! Bei mir entscheiden das aber der Rennkalender und der Trainingsplan. Falls ich es nicht ins Stadion schaffe, werde ich aber definitiv vor dem TV dabei sein und mitfiebern.

Degenkolb: Abschied von Kovac tut weh

Wie sehr schmerzt der Abschied von Niko Kovac?
Als Fan tut es schon weh. Es hat perfekt gepasst, zusammen mit Fredi Bobic und Bruno Hübner wurde sehr viel in kurzer Zeit bewegt. Aber ich bin mir sicher, dass die Eintracht einen Nachfolger finden wird, der die gute Arbeit fortsetzen kann, ja vielleicht noch einen draufsetzen kann.

Sind Sie persönlich enttäuscht von Kovac?
Ich selbst sehe das nicht ganz so emotional wie viele andere der Eintracht-Fans, einige leiden da jetzt bestimmt wirklich. Ich bin ja selbst Profi und kann daher ganz bestimmt mehr nachvollziehen, dass man manche Chancen einfach wahrnehmen muss. Und Bayern München zu trainieren, ist für einen Trainer sicher eine solche Chance.

Geht Kovac trotzdem als Eintracht-Held?
Heldenstatus wäre mir zu viel - nicht nur in Bezug auf Kovac, sondern überhaupt in Bezug auf Fußballer oder Profisportler allgemein, auch in Bezug auf mich selbst. Diese Überhöhung tut keinem gut, weder dem vermeintlichen Helden noch den Fans - denn die Enttäuschung ist damit ja zwangsläufig programmiert. Wenn er wie jetzt geht - oder auch mal der Erfolg ausbleibt. Ein Gewinner - zusammen mit der Mannschaft und dem Umfeld - ist er aber auf jeden Fall.

Haben Sie einen Wunsch für seine Nachfolge?
Och, ein Spiel würde ich schon mal gerne coachen... (lacht) . Nein, im Ernst: Ich bin mir sicher, dass die Verantwortlichen der Eintracht einen sehr guten Nachfolger präsentieren werden.

Wie sind Sie eigentlich Eintracht-Fan geworden? Sie sind ja in Gera geboren, in Bayern aufgewachsen.
Zuerst mal war ich einfach nur Fußball-Fan. Und da ich in Bayern aufgewachsen bin, muss ich gestehen: Meine erste Liebe galt damals den bayrischen Vereinen. Aber als ich dann der Liebe wegen nach Frankfurt zog, entwickelte sich auch schnell die Liebe zur Eintracht. Aber klar, wenn man neu in eine Stadt kommt, geht man auch auf Entdeckungsreise. So bin ich dann auch bei der Eintracht im Stadion gelandet. Und die Atmosphäre hat mich sofort fasziniert. Gerade in der Kurve, das ist pur und ehrlich. Mittlerweile ist der Adler auch auf meinem Rad verewigt, ist also bei allen Rennen mit an Bord und dreht mit mir an die 25 000 Kilometer im Jahr. Das verbindet.

Als Kind wollte John Degenkolb Fußballer werden

Wie oft sind Sie denn in der Frankfurter Arena zu Besuch?
Ich bin immer im Stadion, wenn es mein Rennkalender zulässt, immer. Und wenn sich meine Rennen mit einem Spieltag überschneiden und ich nicht im Stadion oder sonst wie live dabei sein kann, wissen mein sportlicher Leiter und die Betreuer, dass sie das Ergebnis der Eintracht kennen müssen, wenn ich ins Ziel komme. Sie sind jetzt schon darauf vorbereitet und verfolgen das für mich.

Wollten Sie als Kind nicht auch Fußballer werden?
Klar, jedes Kind will Fußballer werden! Ich habe in einem Verein gekickt, wo ich aufgewachsen bin - beim SC Ettenstatt in Bayern. Leider hat sich schnell herausgestellt, dass aus mir kein zweiter Bernd Hölzenbein oder Charly Körbel werden würde. Es gibt da ein Zitat meines Vaters: "Ein Fußballer wird er eher nicht." Er hat mich dann aufs Rad gesetzt, und als ich gleich das erste Rennen, an dem ich überhaupt teilgenommen habe, gewinnen konnte, war zumindest meine eigene sportliche Zukunft geklärt - zum Glück.

Anderes Thema: Müssen Sie über die Belastungen der Fußballer eigentlich ein bisschen schmunzeln, wenn Sie an die Kilometer denken, die Sie im Jahr radeln?
Auch wenn ich weiß, dass auch das Belastungsprofil eines Fußball-Profis nicht ohne ist - manchmal muss ich schon schmunzeln. Weniger über Laufleistungen und Trainingsumfänge, viel mehr, wenn sich bei kleinsten Fouls minutenlang auf dem Rasen gewälzt wird. Sowas gibt es bei uns im Radsport nicht. Selbst wenn man hart crasht, versucht man sofort wieder aufs Rad zu kommen und weiter zu fahren - sonst war's das nämlich mit dem Rennen.

Fällt Ihnen ein Fußballer ein, der Alpe d'Huez besonders schnell hochfahren würde?
Wer ist der Leichteste aktuell beim FC Bayern? Der hätte schon mal nicht so schlechte Voraussetzungen. Ich denke, Joshua Kimmich hätte ganz gute Anlagen.

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