Fink: Die Bürde des Bayern-Gens

HSV-Coach Fink neigt zu lauten Tönen – der Erfolg gibt ihm nun jedoch Recht
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HSV-Coach Fink neigt zu lauten Tönen – der Erfolg gibt ihm nun jedoch Recht.

HAMBURG Als Thorsten Fink den Hamburger SV vor einem Jahr übernahm, kamen die Schlagzeilen in der Hansestadt recht eindimensional daher. „Fink bringt das Bayern-Gen nach Hamburg”, schrieb man damals, bezugnehmend auf dessen Vergangenheit als Bayern-Spieler und dessen beeindruckende Titelsammlung (Champions-League- & Weltpokal-Sieger, 4-mal Meister, 3-mal Pokalsieger). Und wem das Bayern-Gen nachgesagt wird, also der unbedingte Wille zum Sieg, der darf sich vor Spielen gegen den Branchenprimus natürlich nicht klein machen.

„Der FC Bayern ist nicht unverwundbar”, sagte Fink nun also vor dem Nord-Süd-Klassiker (Sa., 18.30 Uhr live bei Sky und Liga total!) und meinte bei den Bayern gar erkannt zu haben, „dass sie in den ersten sechs Spielen schwerer zu besiegen waren als im Moment”. Worte, die normalerweise ein gewisses Echo hervorrufen. Jupp Heynckes nahm Finks Anstachelungsversuche jedoch allenfalls gelassen zur Kenntnis. Wenn vor solchen Spiele gar keiner mehr mit den Säbeln rasseln würde, hätten die Medien „ja gar nichts mehr zu schreiben”, sagte der Bayern-Coach, der den HSV immerhin als „Mannschaft im Aufwind” adelte: „Das ist auswärts ein schwieriger Gegner.” Finks Bilanz mit 13 Punkten aus den vergangenen sechs Spielen lässt sich jedenfalls mit der von Heynckes (15) vergleichen. „Diese Saison haben wir zu Hause schon Dortmund geschlagen. Offenbar liegen uns die großen Gegner”, sagte Fink selbstbewusst.

Mittelmaß kommt im Sprachgebrauch des 45-Jährigen ohnehin nicht vor. Bei seinem Amtsantritt sprach er visionär von Europa – dabei stand der HSV damals auf dem letzten Tabellenplatz. Einen großen Gefallen tat sich Fink angesichts des ohnehin schon schwierigen HSV-Umfelds damit nicht. Er hat lernen müssen, dass er nun an Aussagen wie „Wir sind eine andere Mannschaft als im Vorjahr: effektiv und torgefährlich” gemessen wird, dass er seiner Mannschaft damit zusätzlich Druck aufbürdet.

Finanziell wurden für Fink – und dessen Anspruch – zuletzt allerdings nochmal alle Hebel in Bewegung gesetzt: Die Last-Minute-Zukäufe von Rafael van der Vaart, Milan Badelj und Petr Jiracek haben die Qualität im Kader entscheidend erhöht, dazu steht jetzt mit René Adler ein starker Keeper im HSV-Tor. „Wir gehen wieder mit dem Bewusstsein ins Spiel, dass wir Akteure haben, die mit einer Aktion Partien entscheiden können”, sagte Fink.

„Ich bin von mir überzeugt und habe überhaupt keine Angst”, hatte Fink im Oktober 2011 gesagt. Und: „Wenn die Spieler meine Denke umsetzen, dann werden wir Erfolg haben.” Knackige Worte, die 54 Wochen später nach Taten verlangen. Mit einem Sieg könnte sich der HSV auf Platz vier wiederfinden – und damit den Schlagzeilen mit dem „Bayern-Gen” endlich Leben einhauchen.

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