FC-Bayern-Torhüter Urbig lauert: ter Stegen "für den Moment" aber die Nummer eins
44 Länderspiele sind eine stattliche Anzahl für einen Torhüter, der nie so wirklich die Nummer eins seines Landes war. Was nicht ganz stimmt im Fall von Marc-André ter Stegen. Zweimal war er tatsächlich Stammtorwart der deutschen Nationalelf. Zweimal für jeweils zwei Spiele.
ter Stegen stand nach Heim-EM im Rampenlicht
Dann machte ihm seinen Körper erneut einen Strich durch all seine Ziele und Träume. Im Herbst 2024 beerbte ter Stegen seinen ewigen Schattenspender Manuel Neuer. Nach der Heim-EM stand die ewige Nummer zwei unter dem damaligen Bundestrainer Julian Nagelsmann plötzlich im Rampenlicht als Nummer eins.
Zwei Spiele in der Nations League, gegen Ungarn (5:0) und in den Niederlanden (2:2) – Patellasehnenriss. Als er sich zurückgekämpft hatte, kehrte er auch zurück ins Tor. Juni 2025: Zwei Spiele in der Finalrunde der Nations League, gegen Portugal (1:2) und Frankreich (0:2) – Rückenverletzung. Die mündete bald in eine schwere Oberschenkelverletzung.

ter Stegen saß viermal als Neuer-Ersatz auf der Bank
Ganz abgesehen von den inneren Verletzungen, sprich der verpassten Chance, die WM 2026 in Nordamerika auf dem Feld bestreiten zu dürfen – nach vier Turnieren auf der Ersatzbank der Leiden als Ersatzmann für Neuer: EM 2016, WM 2018, WM 2022, EM 2024.
Bundestrainer Jürgen Klopp hat ter Stegen nun zur Nummer eins erklärt, wörtlich "für den Moment". Konkret erst einmal nur für ein Spiel, den Auftakt der Nations-League-Gruppenphase am Donnerstag in Amsterdam gegen die Niederlande (20.45 Uhr, RTL). Nur eines der vier aufeinanderfolgenden Partien innerhalb von elf Tagen? Als Stammkeeper auf Zeit, gar auf Abruf?
ter Stegen: "Ich habe während meiner Genesung viel durchgemacht"
Für den 34-Jährigen kein Problem. Dabei sein ist alles. Auf Instagram postete er zu seiner Ankunft im DFB-Trainingsquartier in Herzogenaurach "Proud. Grateful. Back." Also: Stolz. Dankbar. Zurück. Und sprach über sein Comeback: "Das bedeutet mir sehr viel. Ich habe während meiner Genesung viel durchgemacht. Ich versuche immer, mein Bestes zu geben und die beste Version meiner selbst zu zeigen – und ich freue mich, wieder dabei zu sein."
Mit im Gepäck hatte der Ajax-Torhüter einen "Albtraumabend" wie die spanische Fußballzeitung "Sport" nach dem 2:2 gegen Außenseiter Excelsior Rotterdam schrieb. Ter Stegen, der für eine Saison von seinem Stammverein FC Barcelona an den niederländischen Rekordmeister (bisher acht Spiele, 13 Gegentore) ausgeliehen ist, "fing sich zwei Gegentore bei nur zwei Schüssen aufs Tor. Dem Torwart gelang nicht eine einzige Parade, beim zweiten Gegentor hätte er mehr machen können", so die Analyse aus seiner langjährigen Heimat.

Urbig war bei DFB-Debüt von ter Stegen erst acht Jahre alt
Nun kehrt der gebürtige Mönchengladbacher ausgerechnet in seiner neuen Wahlheimat, in der Johan-Cruyff-Arena, zurück. Seine womöglich letzte Chance als deutsche Nummer eins ist überschrieben mit: Zurück in die Zukunft. "Für jedes Kind, das Fußball spielt, ist es ein Traum, für das eigene Land aufzulaufen", sagte ter Stegen, "umso mehr gilt das nach den vergangenen zwei Jahren, in denen ich nicht immer spielen konnte."
Apropos Kind: Im Mai 2012, vor mehr als 14 Jahren, debütierte ter Stegen im DFB-Team. Da war Jonas Urbig (23) gerade einmal acht Jahre alt und wechselte in die Jugendabteilung des 1. FC Köln. Der Bayern-Torhüter, im Verein nicht im Schatten, sondern dank der Förderung und Unterstützung aller Münchner Verantwortlichen im Windschatten von Neuer, dürfte ter Stegen eines Tages beim DFB beerben.

Klopp will fünf Torhüter testen
Für die vier Länderspiele wurden außerdem Finn Dahmen (28/FC Augsburg), Alexander Nübel (29/Besiktas Istanbul) und Noah Atubolu (24/Eintracht Frankfurt) nominiert. Dahmen für beide Zweierblöcke, Nübel – wie auch ter Stegen – nur für den ersten, Urbig und Atubolu für den zweiten. Klopp will alle Keeper sehen, mit ihnen sprechen, sie testen.
Auf eine Nummer eins muss er sich ja nicht festlegen. Die EM 2028 in Großbritannien und Irland ist noch weit weg. "Marc-André ist im Moment fit, er ist genau der gleiche Torwart, der er vorher war – wir haben da ganz genau hingeschaut. Er bringt die notwendige Erfahrung mit", sagte Klopp und betonte: "Es wird aber immer von der Leistung abhängig sein."

