FC Bayern München: "Käfer Cabrio!" Augsburg-Rocker Alexander Wesselsky über Jupp Heynckes

Er lebte in München, wohnt heute nahe Augsburg: Sänger Alexander Wesselsky von der Band "Eisbrecher" spricht im AZ-Interview über das Duell FC Bayern gegen FC Augsburg und erklärt, warum ihm die Fußballer a la Mario Basler und Franz Beckenbauer heutzutage fehlen.
| Julian Buhl
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Schüler und Tutor: Joshua Kimmich (li.) und Jupp Heynckes beim FC Bayern.
Schüler und Tutor: Joshua Kimmich (li.) und Jupp Heynckes beim FC Bayern.

Er lebte in München, wohnt heute nahe Augsburg: Sänger Alexander Wesselsky von der Band "Eisbrecher" spricht im AZ-Interview über das Duell FC Bayern gegen FC Augsburg und erklärt, warum ihm die Fußballer à la Mario Basler und Franz Beckenbauer heutzutage fehlen.

Augsburg/München - Es ist angerichtet für das bayerische Derby der Bundesliga: Der FC Bayern empfängt an diesem Samstag den FC Augsburg (15.30 Uhr, bei Sky und im AZ-Liveticker). Einer kennt beide Städte bestens: Rocker und Fernsehmoderator Alexander Wesselsky von der Band "Eisbrecher". Im Interview mit der AZ spricht der 49-Jährige über Lokalpatriotismus, echte Typen im Fußball - und er vergleicht Jupp Heynckes mit einem Mercedes. 

Herr Wesselsky, Sie sind der Sänger der Band "Eisbrecher" und den TV-Zuschauern als der (Auto-)"Checker" bekannt. Heute geht’s aber um Fußball.
ALEXANDER WESSELSKY: Da haben Sie sich den Richtigen ausgesucht. Geil, mein Lieblingssport.

Wirklich?
Eher nicht. American Football ist für mich da schon der geilere Sport. Aber ich schaue schon Fußball.

Am Samstag haben Sie dazu wieder Gelegenheit, wenn der FC Bayern gegen den FC Augsburg spielt. Sie sind in Augsburg geboren, haben lange in München gelebt. Wem stehen Sie näher?
Ich lebe seit vier Jahren wieder bei Augsburg und verfolge den FCA seit dem Aufstieg mit ein wenig Lokalpatriotismus, bin aber kein Fanatiker.

"FC Bayern ist mir zu durchprofessionalisiert"

Sind Sie auch mal im Stadion?
Da zieht es mich nicht so hin, weil ich das nicht so mag – solche Massenveranstaltungen sind nicht so meins. Wobei alle immer von der Atmosphäre in Augsburg schwärmen.

Sie drücken also am Samstag dem FCA die Daumen?
Klar. Ich gehöre zu denen, die Sachen geil finden und mitfiebern können, ohne sich in die erste Reihe stellen zu müssen. Ich stehe absolut auf diesen Verein. Der FC Bayern ist mir zu durchprofessionalisiert. Deshalb hoffe ich, dass die Augsburger den Bayern so richtig den Hintern verhauen.

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Wünschen Sie sich das sogar zu Ihrem Geburtstag, der ja am Samstag ist, oder ginge das dann doch zu weit?
Nein. Ich wünsche mir, dass Augsburg den Bayern die Lederhosen runterzieht, und zwar bis zu den Knöcheln.

Was halten Sie als Eisbrecher-Sänger von den Liedern in den deutschen Fußballstadien?
Nichts, weil das immer der kleinste gemeinsame Nenner ist. Da bin ich zu wenig Tote Hosen. Musikalisch spricht mich das nicht an, egal, welche Stadionhymne da gerade gegrölt wird. Das ist mir alles ein bisschen zu nahe am Schlager oder am Bierzelt, da werden ja auch "Atemlos" und solche Geschichten gefeiert. Einfach nicht mein Musikgeschmack.

"Wenn der FC Augsburg will..."

Wollen Sie da nicht mal ein bisschen Pep reinbringen?
Die Fußballhymnen überlassen wir lieber anderen. Wir sind dafür nicht gebaut. Aber wenn der FCA mal einen unserer Songs im Stadion spielen will, dann können sie das gerne tun. Wir sind aber keine Stadionhymnenschreiber und auch keine Bierzeltmusikanten. Wir sind eine Rockband und spielen in der Regel woanders, nicht im Fußballstadion.

Schüler und Tutor: Joshua Kimmich (li.) und Jupp Heynckes beim FC Bayern.
Schüler und Tutor: Joshua Kimmich (li.) und Jupp Heynckes beim FC Bayern.

Rocker Alexander Wesselsy: Joshua Kimmich (li., neben Bayern-Coach Jupp Heynckes) spielt mit Herz. (Foto: imago/MIS)

Ihre Band ist bei der Musikrichtung bei der "Neuen deutsche Härte" einzuordnen. Wer steht, auf den Fußball übertragen, für Sie für "Neue deutsche Härte"?
Ich mag den Begriff nicht so, in diese Schublade werden wir aber oft reingesteckt. Aber wenn wir schon von „Neuer deutscher Härte“ sprechen: Ich mag Fußballer, die nicht die ganze Zeit rumliegen und rumheulen. Meine Sportarten sind zum Beispiel American Football oder Rugby. Ich würde mir im Fußball grundsätzlich mehr Härte wünschen. Das sind Männer und keine Memmen. Fußball ist mir teilweise zu mimosenhaft. Die sollen auch mal was einstecken können. Also: mehr Herz, mehr Härte, mehr Eier.

"Fußballgott Beckenbauer, steig herab"

Gibt es jemanden, der für Sie dafür steht?
Was mir am Fußball grundsätzlich gefällt, ist, dass es eine funktionierende Integrationsmaschine ist. Da ist es völlig egal, ob einer aus Japan, Korea oder sonst woher kommt. Bei Jogi Löw fand ich die jungen Wilden ganz cool: Julian Draxler, Joshua Kimmich und Co. – die spielen ganz entspannt auf, mit Herz. Aber wo sind die kettenrauchenden Augenthalers, Baslers, die geilen Typen von früher, geblieben? Man hat den Eindruck, dass Fußballer früher auch noch Menschen und nicht nur Sport- und Geldmaschinen waren. In der einen Hand ein Weißbier und in der anderen eine Kippe – und trotzdem gewinnt man noch ein Fußballspiel. Das finde ich irgendwie lässig. Fußballgott Beckenbauer, steig herab und spiel noch mal mit. Dann macht er auch keinen Scheiß mit der Kohle.

Ihre neue TV-Sendung bei DMAX heißt "Goldtimer". Der FC Bayern hat kürzlich in Trainer Jupp Heynckes, 72, ein Oldtimer-Unikat zurück an die Säbener Straße geholt.
Der Heynckes ist halt ein zuverlässiger Dauerläufer. Ich würde ihn mit einem Mercedes SL R 107 oder mit einem schönen Käfer Cabrio vergleichen. Er läuft und läuft, ist zuverlässig, liefert ab, man kann sich einfach auf ihn verlassen. Und er ist auch noch gut anzusehen für sein Alter. Jupp Heynckes ist für mich ein erfolgreicher, guter Oldie. Kann man kaufen, hätte ich auch gemacht! Ein absoluter Goldtimer.

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Der 49-jährige TV-Moderator Alexander Wesselsky ("Goldtimer", "der Checker") stammt aus Augsburg und ist der Sänger der Band Eisbrecher, deren neue Platte "Sturmfahrt" im Jahr 2017 neun Wochen die deutschen Albumcharts anführte.

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