FC Bayern im Titel-Endspurt: Manöver 34

„Wir wollen endlich dahin, wo wir hingehören“, sagte Klinsmann, „nämlich auf Platz eins. So schnell wie möglich." In bester Bayern-Manier will der Trainer die Meisterschaft sichern – notfalls erst am letzten Spieltag - wie 1986, 2000 oder 2001 in letzter Sekunde.
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Hamburg, 19. Mai 2001: Später geht’s nicht. In der letzten Minute trifft Andersson per Freistoß zum 1:1 beim HSV – Bayern ist Meister.
Kunz/Augenklick Hamburg, 19. Mai 2001: Später geht’s nicht. In der letzten Minute trifft Andersson per Freistoß zum 1:1 beim HSV – Bayern ist Meister.

„Wir wollen endlich dahin, wo wir hingehören“, sagte Klinsmann, „nämlich auf Platz eins. So schnell wie möglich." In bester Bayern-Manier will der Trainer die Meisterschaft sichern – notfalls erst am letzten Spieltag - wie 1986, 2000 oder 2001 in letzter Sekunde.

MÜNCHEN Jürgen Klinsmann hat die Bayern zum Meister gemacht. Am letzten Spieltag. Nein, das ist keine Vision, keine Träumerei mit Blick auf das Ende der Saison – es ist wahr. Es ist Geschichte. Als VfB-Spieler war der heutige Bayern-Coach Meistermacher. Er stand in der Stuttgarter Elf, die Werder Bremen 2:1 besiegte. Damals, am 26. April 1986. Am 34. Spieltag.

Wie die Bayern, die zeitgleich gegen Mönchengladbach im Olympiastadion spielten, davon erfuhren? Nicht via SMS. Kein Handy-TV. Kein Internet-Fernsehen auf dem Laptop. Nein, man stelle sich vor: Ein Transistor-Radio war die Verbindung nach Stuttgart. Solch ein schweres, unpraktisches Ding. Tragbar, okay. Immerhin.

„Am Ende des Spiels standen wir fast alle an der Außenlinie und haben dem Radio gelauscht, das Spiel lief noch, aber wir führten ja 6:0“, erinnert sich Klaus Augenthaler, „das war ein Herzschlagfinale, dieser Titel war unvergesslich.“ Und unvergleichlich. 33 Spieltage pendelte der FC Bayern unter Udo Lattek zwischen Platz 14 (nach Spiel eins) sowie Rang zwei und drei (ab dem 12. Spieltag) – geschnappt wurde Werder ganz zum Schluss. Ein Manöver in Runde 34 – wird es auch diesmal so sein?

„Das wäre nicht schlecht“, sagt Kapitän Mark van Bommel, „das wäre sogar wunderschön.“ Schön fies eben. Ewig lang im Windschatten, immer als Verfolger und auf der Zielgeraden vorbei – ob verdient oder nicht. „Wenn du nach dem 34. Spieltag oben bist, bist du verdient Meister. Titel ist Titel. Beim Marathon gewinnt ja auch nicht derjenige, der am längsten führt“, sagt Augenthaler der AZ, „und die Bayern haben eben dieses Gen, das sie unwiderstehlich macht, das sie immer wieder aufstehen lässt. Als Spieler trägst du das in dir, du weißt: Es kann passieren.“

Wie eben 1986. Am vorletzten Spieltag empfing Werder die Bayern. Mit einem Sieg wäre Otto Rehhagel Meister geworden. Die Geschichte ist bekannt. 0:0 – letzte Minute: Elfmeter, Kutzop, Pfosten. Aus. „Zehn Zentimeter haben gefehlt“, sagt Augenthaler. Er war messbar, der Bayern-Dusel. Alles nur Dusel? „Als Verfolger baust du Druck auf die vor dir auf“, sagt Klinsmann heute, „wir machen das, in dem wir ein Spiel nach dem anderen durchziehen.“

Der Anfang soll am Samstag mit dem Heimspiel gegen Schalke (15.30 Uhr, Liveticker bei abendzeitung.de) gemacht werden. Klinsmann: „Wir wissen alle, was Sache ist. Es kommen vier heiße Wochen auf uns zu. Wir wollen die Maximalpunktzahl.“ 18 von 18. „Wenn man 18 Punkte holt, ist man Meister. Wolfsburg gewinnt keine 16 Spiele in Folge.“ Zehn haben sie schon – wann spüren sie „den heißen Atem der Bayern im Nacken“ (Hoeneß)?

Im Jahr 2000 hieß das Opfer Leverkusen. Vor dem letzten Spieltag hätte ein Punkt in Haching gereicht, doch die Daum-Elf verlor 0:2, Bayern schlug Bremen 3:1. Wieder die Wende. Ein Jahr später sogar innerhalb von Minuten: Durch das 5:3 von Schalke gegen Haching und das 0:1 der Bayern in Hamburg war Schalke Meister – bis Andersson in der Nachspielzeit traf.

„Wir wollen endlich dahin, wo wir hingehören“, sagte Klinsmann, „nämlich auf Platz eins. So schnell wie möglich – wenn’s sein muss am 34. Spieltag.“ Manöver 34 – diesmal daheim gegen Stuttgart. Wolfsburg tritt dann gegen Werder an, der HSV in Frankfurt, Hertha in Karlsruhe. Dann werden sie mit Laptops auf der Bank sitzen. Mit Knopf im Ohr.

Patrick Strasser

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