Fall Kroos: Pep Guardiola, der strenge Pädagoge

Mario Mandzukic und Toni Kroos bekamen schon zu spüren, wie hart der Bayern-Trainer durchgreifen kann. Experte Helmer analysiert: „Für Toni könnte es eng werden“
| Patrick Strasser
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München - Drei Spiele in acht Tagen. Es wird ernst, in den K.o.-Wettbewerben stehen die ersten Entscheidungen an. Und doch gibt Bayern-Trainer Pep Guardiola zwei freie Tage. Montag und Donnerstag. Gut für die Mannschaft, schlecht für Toni Kroos.

Denn der 24-Jährige würde sicher gerne trainieren, nur so kann er sich wieder reinspielen in die erste Elf vor dem DFB-Pokalviertelfinale beim Hamburger SV am Mittwoch (20.30 Uhr, ARD und Sky live). Dass er beim 5:0 gegen Frankfurt draußen saß – eine Rotationsmaßnahme. Dachte Kroos. Dachten alle. Es war ein Denkzettel. Kroos’ Wutausbruch nach der Auswechslung in Stuttgart (2:1), als er seine Handschuhe vor die Bank pfefferte, hat Guardiola ganz und gar nicht gefallen. Auch in Nürnberg gönnte er dem Mittelfeldspieler nicht mal eine Einwechslung.

Eine Erziehungsmaßnahme von Pep, dem Pädagogen. Geldstrafen lehnt er in diesem Zusammenhang ab. Guardiola setzt auf Eigenverantwortung und Selbständigkeit. Pünktlichkeit, Loyalität und Respekt sind für ihn Grundvoraussetzung des Miteinanders einer Mannschaft. Bisher musste er noch keine Geldstrafe aussprechen. Will er auch nicht. Seine Drohkulisse: Wer nicht spurt, sitzt. Auf der Bank, auf der Tribüne oder zu Hause auf der Couch.

Kroos ist Peps zweiter Fall. Zum Rückrundenauftakt musste Mario Mandzukic in die Ecke. Weil er vor der Partie in Gladbach nicht gut genug trainiert hatte, wurde der Mittelstürmer aus dem Kader verbannt. Fünf Tage später war Mandzukic zunächst nur Joker.

„Was Pep gemacht hat, ist ein Signal an die ganze Mannschaft: Mit mir nicht!“, erklärt Ex-Bayern-Kapitän Thomas Helmer der AZ, „dass Kroos zwei Mal draußen saß, hängt sicher mit dessen Reaktion bei der Auswechslung zusammen.“ Was nun, Toni Kroos? Vom Stammspieler und Pep-Liebling zur Symbolfigur der Trainer-Erziehungsmaßnahme. „Für einen Spieler eine blöde Situation“, sagt Helmer, „man fühlt sich außen vor, an die Seite geschoben. Du bist irgendwie alleine. Das tut weh. Die Mitspieler helfen dir auch nicht.“

Was bleibt Kroos? Einzig und allein Trainingsfleiß. „Sport1“-Moderator Helmer, selbst einmal Opfer einer Strafverbannung von Trainer Ottmar Hitzfeld: „Nach so einer Aktion spürst du: Jetzt muss ich im Training mehr machen, mich zeigen, durch Leistung auffallen. Du darfst dich nicht hängen lassen oder gar rumstänkern. Dann erreichst du genau das Gegenteil.“ Mandzukic hatte seine Lektion gelernt, zeigte in Nürnberg seine Stärken (ein Treffer, eine Torvorlage). „Du musst Reaktion zeigen, wenn du Schwierigkeiten hast. Das hat Mario super gemacht“, sagte Sportvorstand Matthias Sammer. Er ist der Sprecher des Trainers in diesen Angelegenheiten. Peps Credo: „Ich spreche nur über die Spieler, die gespielt haben.“ Also muss Sammer ran. „Aus Spanien ist es Guardiola nicht gewohnt, dort erklären Trainer ihre Aufstellungen nicht“, erklärt Helmer, „indem er nicht spricht, demonstriert er Konsequenz und Härte. Das ist clever, macht ihn unantastbar.“

Kroos kämpft um sein Comeback. „Grundsätzlich ist er ein Spielertyp, den Pep mag. In der Vorrunde war er unumstritten“, sagt Helmer, „doch das lag auch daran, dass Thiago und Götze so lange verletzt ausgefallen sind. In Zukunft könnte es eng werden für Toni. Pep hat Lahm, Thiago, Götze für die Zentrale. Und die sind ja nicht die schlechtesten.“ Martínez und Schweinsteiger sind ja auch wieder fit.

 

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