"Es war ein harter Weg": Karl spricht nach FC-Bayern-Comeback erstmals über seine Leidenszeit

Jonathan Tah und Tom Bischof standen schon zur Einwechslung bereit, da wurde Lennart Karl nochmal zurück zur Bank geholt. Der Youngster bekam letzte Anweisungen am Tablet. Dann aber war es soweit. In der 84. Minute wurde er für Harry Kane, der FC Bayern führte zu diesem Zeitpunkt bereits mit 4:1 (5:1) gegen den VfB Stuttgart, eingewechselt. Das Karl-Comeback.
Karl zog sich kurz vor WM-Start einen Muskelbündelriss zu
"Ich war sehr glücklich, wieder zurück zu sein", meinte der 18-Jährige über den Moment, für den er in den vergangenen Wochen hart gearbeitet hatte. Das erste Mal in seiner noch jungen Profikarriere musste sich Karl zurück auf den Platz kämpfen, einen Rückschlag verdauen. Nicht irgendeinen. Muskelbündelriss im linken Oberschenkel lautete die Schock-Diagnose wenige Tage vor der Weltmeisterschaft.
Tränenreiche Verabschiedung vom Team, rein in den Flieger nach München, Reha. "Es war ein sehr harter Weg", sagte er nun. Ob die Hiobsbotschaft für die Psyche oder den Körper schwerer zu verdauen war? "Am Anfang war es eher der Kopf, aber dann der Körper", so Karl. Wenngleich er ein selbstbewusster Bursche ist, nagt so eine Verletzung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt an der Psyche eines 18-Jährigen.
Die Mannschaft und der Trainerstab haben mich gut unterstützt und in der harten Zeit mitgenommen.
Youngster bekam Unterstützung vom FC Bayern
Um den Kopf freizubekommen, fuhr Karl unter anderem mit seiner Freundin Zoe Käppele in den Urlaub nach Spanien und in die Türkei. Zusätzliche Hilfe gab es von der Familie, den Freunden und dem FC Bayern. "Die Mannschaft und der Trainerstab haben mich gut unterstützt und in der harten Zeit mitgenommen", verrät die Nummer 42. Wichtig.
Erst nach und nach konnte Karl wieder das Pensum steigern. Lange Zeit stand er alleine mit Serge Gnabry, der nach seinem Ausriss der Adduktoren am rechten Oberschenkel gegen den VfB noch nicht im Kader stand, alleine auf dem Trainingsplatz an der Säbener Straße. Anfang Juli konnte Karl wieder die ersten Übungen mit dem Ball absolvieren. Etwas mehr als einen Monat später nun die ersten Spielminuten.

Karl will schon bald wieder für Deutschland spielen
"Ich bin auf jeden Fall noch nicht ganz bei 100 Prozent", sagt der Offensivspieler über seinen aktuellen Zustand: "Aber ich komme schon fast auf 90 Prozent." Die verbleibenden Prozentpunkte sollen in den nächsten Wochen zurückgeholt werden. Wenngleich es noch kein Telefonat mit Bundestrainer Jürgen Klopp gab, will Karl schon bei den Länderspielen im September und Oktober sein DFB-Comeback geben.
"Ich hoffe, dass ich dabei bin", gibt sich das Top-Talent des FC Bayern kämpferisch: "Ich arbeite sehr hart daran, dass ich wieder komplett fit werde. Dann werden wir sehen, was der Bundestrainer macht." Gut für Karl: Am Sonntag will Klopp am Trainingsgelände der Münchner aufschlagen. Dann kann er seinen Plan dem neuen DFB-Coach höchstpersönlich mitteilen.