"Es ist deine verdammte Schuld!": Real-Stars giften nach Bayern-Pleite gegen Schiedsrichter Vincic

Nach dem Aus beim FC Bayern finden die Madrilenen in Schiedsrichter Vincic den Sündenbock. "Es ist deine Schuld, deine verdammte Schuld!", schimpft Carvajal, die englische Presse aber verspottet Real.
von  Bernhard Lackner
Die Real-Spieler haderten gegen die Bayern mit Schiedsrichter Slavko Vincic.
Die Real-Spieler haderten gegen die Bayern mit Schiedsrichter Slavko Vincic. © IMAGO/Sven Simon

Die fünfte Minute der Nachspielzeit war schon fast abgelaufen, da hämmerte Michael Olise endgültig den Sargnagel in eine völlig verkorkste Saison von Real Madrid. Mit einem satten Linksschuss an den Innenpfosten stellte der Flügelstürmer des FC Bayern auf 4:3. Das Viertelfinal-Aus der Königlichen war besiegelt – und die zweite titellose Saison in Folge ebenfalls. Ein sportliches Desaster für die so stolzen Madrilenen.

Nach einem Narrativ für das über Hin- und Rückspiel nicht unverdiente Ausscheiden mussten die Beteiligten nicht lange suchen. Wie so häufig, wenn es bei den Blancos sportlich nicht läuft, war auch am Mittwochabend der Schiedsrichter Schuld. Der Mann, der dieses Mal für die Exekutive auf dem Platz zuständig war, hört auf den Namen Slavko Vincic.

Real-Stars wüten wegen Gelb-Roter-Karte gegen Schiedsrichter

In der 86. Minute schickte der Slowene Reals Mittelfeldspieler Eduardo Camavinga mit einer Gelb-Roten Karte vom Platz, nachdem dieser im Anschluss an einen Freistoß für Bayern den Ball in die Hand genommen und so eine schnelle Spielfortsetzung verhindert hatte. Eine regelkonforme, aber insgesamt harte Entscheidung.

Reals Eduardo Camavinga sah wegen vorsätzlicher Spielverzögerung die Gelb-Rote-Karte.
Reals Eduardo Camavinga sah wegen vorsätzlicher Spielverzögerung die Gelb-Rote-Karte. © IMAGO/Michael Weber

Was den Madrilenen besonders sauer aufstieß, war die Tatsache, dass Vincic Camavinga erst die Rote Karte zeigte, nachdem er von mehreren Bayern-Spielern darauf hingewiesen wurde, dass dieser bereits verwarnt gewesen war. Ob der Unparteiische nochmal ein Auge zugedrückt hätte, wenn ihm in diesem Moment gewahr gewesen wäre, welche Konsequenzen seine Entscheidung hat?

Nun, die Gäste aus Madrid hatten durch den Platzverweis jedenfalls ihren Sündenbock gefunden – und machten ihrem Unmut noch an Ort und Stelle lautstark Luft. Jungstar Arda Güler beleidigte Schiedsrichter Vincic nach Abpfiff und sah erst Gelb, dann Rot. Vize-Kapitän Dani Carvajal sprang von der Bank auf und keifte in Richtung des Unparteiischen: "Es ist deine Schuld, deine verdammte Schuld!"

Vize-Kapitän Daniel Carvajal vergriff sich gegenüber Schiedsrichter Vincic ordentlich im Ton.
Vize-Kapitän Daniel Carvajal vergriff sich gegenüber Schiedsrichter Vincic ordentlich im Ton. © IMAGO/PsnewZ

Real Madrid profitierte auch von Fehlentscheidungen

Mittelfeld-Star Jude Bellingham sprach in den Katakomben von einem "Witz", Innenverteidiger Antonio Rüdiger verbat sich sicherheitshalber selbst den Mund. Auch Trainer Álvaro Arbeloa attackierte Sündenbock Vincic: "Das Spiel hat sich mit dem Platzverweis entschieden. Es war ein Fehler des Schiedsrichters. Unbegreiflich. Es tut einfach weh."

Tatsächlich erwischte der Unparteiische am Mittwoch nicht seinen besten Tag. Was die alles andere als staatsmännisch auftretende Delegation aus der spanischen Hauptstadt aber großzügig verschwieg: Auch Real hatte von so manch zweifelhafter Entscheidung profitiert. Dem Freistoßtreffer von Güler in der 29. Minute war etwa eine Schwalbe von Brahim Díaz vorausgegangen. Zudem gab es vor dem Tor von Kylian Mbappé kurz vor der Pause ein Foul von Antonio Rüdiger an Josip Stanisic.

Real Madrid spielt eine Saison für den Giftschrank

Während die spanische Presse nach dem Aus der Königlichen Milde walten ließ und ebenfalls den Schiedsrichter ins Visier nahm, richtete der englische Boulevard deutlich kritischer über die Madrilenen. "Es ist erbärmlich und so unpassend, wenn Madrid - ein legendärer Verein – sich wie ein kleines Kind aufführt und die Opferrolle spielt", schrieb der "Guardian" über das Auftreten der Blancos.

Deren Saison wird als eine für den Giftschrank in die Geschichte eingehen. Das im vergangenen Sommer gestartete Projekt mit Trainer Xabi Alonso ging komplett in die Hose, nachdem dieser schon nach wenigen Monaten die extrem schwierige Kabine verloren hatte. Kurz nach der Amtsübernahme von Arbeloa blamierten sich die Blancos im Pokal beim peinlichen Achtelfinal-Aus gegen Zweitligst Albacete (2:3). In der Liga liegen die Königlichen aktuell neun Punkte hinter Erzrivale FC Barcelona – mit der Meisterschaft wird es also auch nichts.

Im Sommer steht Real nach der zweiten titellosen Saison in Folge der größte Umbruch der jüngeren Vereinsgeschichte bevor.

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