"Er hat kein Angebot vorliegen": Welche Folgen haben Neuers Patzer und die Abwehr-Lücken?
Die Uhr zeigte schon Richtung Mitternacht, als sich in den Katakomben der Allianz Arena zwei Torhüter-Legenden begegneten und gut gelaunt abklatschten. "Du wolltest es spannend machen, was?", sagte der dänische Torwart-Held Peter Schmeichel, 1999 Champions-League-Sieger mit Manchester United gegen den FC Bayern, zu Manuel Neuer. Und der Münchner Keeper antwortete mit einem Lächeln: "Nur für dich, nur für dich!"
Früher Schock durch Neuers Fehlpass
Am Ende, nach diesem epischen 4:3 gegen Real Madrid, konnte es Neuer locker nehmen. Doch zuvor hatte der 40-Jährige seine Teamkollegen mit zwei Fehlern ziemlich ins Schwitzen gebracht. Ohne Druck passte Neuer den Ball zunächst zu Arda Güler, der nach nur 35 Sekunden zum 1:0 für Real traf. Ein Schock für Bayern – und ein "Schweineball" von Neuer, wie er selbst zugab: "Für mich war es schwierig in der Situation, weil ich den Ball zu Stani (Josip Stanisic, d.Red.) spielen wollte auf die rechte Seite, ich treffe ihn sehr schlecht."

Aus Neuers Sicht war es "ein Hallo-wach-Moment für alle im Stadion, dass man gegen Real Madrid spielt und dass hier alles passieren kann. Das ist natürlich ein blöder Start für mich. Aber ich muss auch versuchen, das wegzustecken und weiterzuspielen, so wie wir es immer machen. Dann waren wir auch da", sagte der Keeper, der beim 2:1 im Hinspiel in Madrid noch überragend gehalten hatte.
Neuer und die offene Zukunft
Diesmal sah Neuer in der "Drama-Nacht" von Fröttmaning auch beim zweiten Gegentor schlecht aus. An Arda Gülers Freistoß war er noch dran mit einer Hand, er bekam aber keine Spannung hinter den Ball und fiel ins Netz. "Super geschossen, auch vom Tempo her", sagte Neuer. Doch den hätte er an einem guten Tag halten können. "An einem Tag bist du der Hero, im anderen Spiel machst du den Fehler, der alles etwas schwerer macht", sagte Sportvorstand Max Eberl.

Egal – letztlich setzte sich Bayern durch und erreichte das Halbfinale gegen Paris Saint-Germain. Übrigens auch, weil Neuer in der zweiten Halbzeit einmal sensationell mit der rechten Hand gegen Kylian Mbappé parierte. Neuer sprach von einem "Klassiker von mir" und ergänzte: "Das war, glaube ich, die entscheidende Parade."
Defensive Schwächen vor Duell mit PSG
Klar ist aber auch: Neuer und die gesamte Defensive müssen sich gegen PSG steigern. Besonders Mbappé zeigte die Lücken in der Bayern-Abwehr auf, Jonathan Tah und Co. hatten in den Sprintduellen immer wieder Probleme. Und auch im defensiven Mittelfeld fehlte es bisweilen an Widerstandsfähigkeit. Die Aufgabe wird gegen Ousmane Dembélé, Désiré Doué, Bradley Barcola und Khvicha Kvaratskhelia sicher nicht einfacher.

Ob Neuer in seine letzten großen Champions-League-Duelle geht? Das ist weiter offen. Sein Vertrag läuft am Saisonende aus. Neuer habe derzeit "kein Angebot vorliegen", sagte Eberl, ließ aber erneut durchblicken, dass sich die Bosse nicht querstellen würden, wenn Neuer Interesse hätte an einer Verlängerung. "Die Fitness, geistige Frische, die Lust auf ein weiteres Jahr" – all das müsse gegeben sein, so Eberl, "dann würde es auch wahrscheinlich eine Lösung geben."
Möglicher Nachfolger Urbig
Zeitnot sieht Eberl nicht, obwohl Neuer vor dem Spiel betont hatte, "je eher" die Sache geklärt sei, "desto besser". Vorstandschef Jan-Christian Dreesen deutete an, dass sich der Klub eine Art Mentor-Modell vorstellen kann – mit Neuer als "Persönlichkeit, an der sich die Jungen ausrichten können". Wie der designierte Nachfolger Jonas Urbig. "Er weiß, dass wir total committed und happy mit ihm sind", sagte Dreesen. "Letzten Endes werden sein Herz, seine Form und wie er sich selbst wohl und fit fühlt entscheidend sein."
Neuer ist weiter sehr gut drauf - trotz der Patzer am Mittwochabend.

