"Ein Vollskandal": Nagelsmann erhebt nach WM-Aus schwere Vorwürfe gegen Schiedsrichter

Antonio Rüdiger nahm ihn Huckepack, trug ihn wie eine Trophäe herum. Die gesamte DFB-Mannschaft, wirklich die gesamte, inklusive all der Ausgewechselten und der Ersatzspieler, war auf den Platz gestürmt und klopfte auf den Torschützen ein: Auf sein Haupt, seine Schultern. Jonathan Tah grinste übers ganze Gesicht. 2:1 per Kopf, die Erlösung in der 102. Minute. Der Doch-Noch-Sieg gegen Paraguay, das Weiterkommen ins Achtelfinale. Alles ganz nah. Dank Tah.
Nagelsmann schimpft über Schiedsrichter Jayed
Pustekuchen. Der marokkanische Schiedsrichter Jalal Jayed wurde von Video-Assistentin Tatiana Guzman aus Nicaragua an den Monitor gerufen und nach Ansicht der Bilder das Tor, den vermeintlichen deutschen Führungstreffer, zurück. Weil der eingewechselte Waldemar Anton den gegnerischen Torhüter Orlando Gill im Fünfmeterraum leicht geblockt hatte, wurde nachträglich ein Foul geahndet. Über das Stadionmikrofon erklärte Jayed, der bereits das 7:1 gegen Curacao zum deutschen WM-Auftakt geleitet hatte, dass Anton den Torwart beim Versuch, den Ball zu spielen, behindert habe. Sehr umstritten.

Bundestrainer Julian Nagelsmann tobte hinterher: "Es ist ein Skandal, dass er das zurückpfeift. Es ist ein Vollskandal. Es gibt Spiele, die du dreckig gewinnen musst. Das hätten wir dreckig gewonnen." Nun gut, das kann man nachträglich nicht beweisen. Aber rein psychologisch wäre man auf dem Weg ins Achtelfinale gewesen, das Momentum hätte auf der DFB-Seite gelegen.
Es gibt Spiele, die du dreckig gewinnen musst. Das hätten wir dreckig gewonnen.
Tah äußert sich nach WM-Aus abgeklärt
Einen größeren psychologischen Magenschwinger kann man sich nicht vorstellen. Erst die pure Ekstase über das Tor, dann der Schock über die Aberkennung des Tores. War es wirklich eine klare Fehlentscheidung? Denn nur dann darf bzw. soll der VAR ja eingreifen. "Wir gewinnen das Spiel, wenn der Ball drin ist. Wenn dieses Tor irregulär ist, wird Arsenal nicht englischer Meister", sagte Jürgen Klopp, der ehemalige Teammanager des FC Liverpool bei Magenta TV.
Er spielte damit auf den FC Arsenal an, der den Titel in der Premier League nicht zuletzt durch Standards unter Bedrängung des gegnerischen Torhüters gewonnen hatte. Was meinte Tah selbst zur fragwürdigen Entscheidung? "Für mich war das auf jeden Fall kein Foul, aber am Ende müssen wir die Entscheidung der Schiedsrichter akzeptieren", sagte der Abwehrchef der Nationalelf und äußerte sich in den Katakomben des WM-Stadions in Foxborough bei Boston erstaunlich abgeklärt, ruhig und souverän: "Es bringt mich nicht darüber zu diskutieren, wir müssen uns alle an die eigene Nase packen."

Tah wird zur tragischen Figur der DFB-Elf
Der 30-Jährige, der nach seinem Wechsel im Sommer 2025 von Bayer Leverkusen eine herausragende erste Saison beim FC Bayern gespielt und mitentscheiden für den Double-Gewinn war, wurde am Ende der Partie zur tragischen Figur. Nach je fünf Elfmeterschützen stand es im Shoot-out 3:3, als Sechster meldete sich der Innenverteidiger. Und schoss weit drüber. Den nächsten Elfmeter verwandelte Jose Canale für den Triumph des Außenseiters.
"Ich bin natürlich enttäuscht, so wie wir alle", sagte der geknickte Tah, "irgendwo am Boden zerstört gerade. Was normal ist und was auch immer so sein sollte, weil wir alle ehrgeizige Menschen sind und uns mehr gewünscht haben." Tah, der in allen vier WM-Spielen in der Startelf stand, hat ein solides bis gutes Turnier gespielt, war noch einer der (etwas) besseren Akteure im gesamten Kader.
Es ist schwierig zu erklären, weil ich hatte das Gefühl, dass wir wirklich alles investiert haben in das Spiel.
Tah: "Am Ende tut es weh, dass du so aus dem Wettbewerb ausscheidest"
Nach dem bitteren Aus meinte er: "Es ist schwierig zu erklären, weil ich hatte das Gefühl, dass wir wirklich alles investiert haben in das Spiel. Natürlich kriegen wir ein unnötiges, vermeidbares Gegentor, aber am Ende haben wir wirklich alles reingehauen und investiert, um irgendwie Tore zu machen, Das ist uns ein bisschen schwergefallen heute, hatte ich das Gefühl. Am Ende tut es weh, dass du so aus dem Wettbewerb ausscheidest."
Bitter für den tapferen Tah, dass nun sein Name in den DFB-Geschichtsbüchern steht. Denn nach zuvor vier gewonnenen Nerven-Duellen vom Punkt scheiterte eine deutsche Nationalelf erstmals bei einer WM im Elfmeterschießen.