"Für uns beide ein Schlag ins Gesicht": Tapalovic über sein Ende als Neuers Torwarttrainer beim FC Bayern

AZ: Herr Tapalovic, Manuel Neuer feiert seinen 40. Geburtstag. Sie waren über ein Jahrzehnt sein Torwarttrainer, sind nach wie vor einer seiner engsten Vertrauten. Mit was macht man einem so erfolgreichen Torhüter zum Geburtstag eine Freude?
TONI TAPALOVIC: Er hat ja im Prinzip alles. Deswegen ist es schwer, ihm ein materielles Geschenk zu machen. Ihm geht es eher darum, eine schöne gemeinsame Zeit zu haben. Deswegen kann man ihm mit einem Zusammensitzen unserer Familien eine Freude machen.
Tapalovic und Neuer waren schon Teamkollegen
Er ist der Taufpate Ihres Sohnes, Sie verbindet zahlreiche Titel. Gehört er da schon zur Familie?
Wir kennen uns mittlerweile schon sehr lange. Und klar, deswegen ist er auf jeden Fall auch ein Teil der Familie.
Wenn Sie an Neuer denken: Gibt eine Anekdote, die Sie sofort mit ihm verbinden?
Es gibt nicht diese eine Anekdote, die ich sofort mit ihm verbinde. Die gesamte Zeit auf Schalke und bei den Bayern war einfach besonders. Die hat schon vor meiner Zeit als sein Torwarttrainer begonnen. Wir waren davor auch Teamkollegen.
Es gibt nicht diese eine Anekdote, die ich sofort mit ihm verbinde. Die gesamte Zeit auf Schalke und bei den Bayern war einfach besonders.
Tapalovic musste zu Heynckes zum Vorstellungsgespräch
War es für Sie damals eine Umstellung, vom Teamkollegen zu seinem Torwarttrainer zu werden?
Wir haben immer offen gesprochen. Schon als ich zweiter Torwart auf Schalke war, haben wir gemeinsam Fehleranalysen gemacht. Das hat sich später in meiner Funktion als sein Torwarttrainer nicht geändert. Am Ende wollten wir beide immer besser werden und dann war es keine große Umstellung für mich.
Haben Sie ihn eigentlich gefragt, ob er sich vorstellen kann, dass Sie sein Torwarttrainer werden?
Das hat sich so ergeben. Die Bayern hatten zu dieser Zeit keinen Torwarttrainer, weil Franz Hoeck den Verein zusammen mit Louis van Gaal verlassen hat. Dann hat Manu mich vorgeschlagen, weil ich schon nebenbei Torwarttrainer im Jugendbereich auf Schalke war. Ich musste dann zum Vorstellungsgespräch zu Jupp Heynckes.

Tapalovic: "Man wächst oft in den Niederlagen"
Wie lief das ab?
Ich bin nassgeschwitzt zu ihm nach Hause nach Schwalmtal gefahren und habe vorgestellt, was mir beim Training wichtig ist. Wenn Jupp, und er ist schon eine Persönlichkeit, sein Veto eingelegt hätte und nein gesagt hätte, wäre ich kein Torwarttrainer geworden. Es war für Jupp auch ein Risiko in dem Moment, weil ich davor im Profibereich noch keine Station als Torwarttrainer hatte. Aber am Ende haben er und die Verantwortlichen des FC Bayern mir das Vertrauen gegeben. Darüber bin ich noch heute sehr dankbar. Ich habe anschließend meine Leistungen bestätigt und wir haben gemeinsam viele Erfolge gefeiert.
Gibt es einen gemeinsamen Triumph mit Neuer, der alle anderen überstrahlt hat?
Die gesamte gemeinsame Zeit war besonders, ob es auf Schalke oder bei den Bayern war. Dazu gehören die Erfolge und Niederlagen. Da will ich gar nicht unterscheiden. Man wächst oft in den Niederlagen. Dazu gehört die erste Saison bei den Bayern, aber auch das verlorene Champions-League-Finale 2012 gegen Chelsea.
Ohne die Erfolge mit dem Team wäre er nicht Welttorhüter geworden. Du kannst der beste Torwart sein, aber wenn du keine Titel gewinnst, bist du kein Welttorhüter.
Tapalovic adelt Neuer
Neuer hat sich unter Ihnen zum Welttorhüter, der das Torwartspiel revolutioniert hat, entwickelt. Was war Ihr Geheimnis?
Ich würde mich da selbst nicht hervorheben. Auch seine vorherigen Torwarttrainer auf Schalke, ob das Lothar Matuschalk oder Bernd Dreher waren, haben einen Anteil daran. Ich habe das weitergeführt. Zum Schluss hat er viel auch selbst gemacht. Und generell hat auch die Mannschaft einen großen Anteil daran. Ohne die Erfolge mit dem Team wäre er nicht Welttorhüter geworden. Du kannst der beste Torwart sein, aber wenn du keine Titel gewinnst, bist du kein Welttorhüter.
Trotzdem hebt er Sie da gerne heraus.
Ich war ja auch lange sein Torwarttrainer. (lacht) Wir haben jeden Tag miteinander trainiert. Aber er nennt bei Verletzungen auch die Physiotherapeuten oder die Fitnesstrainer, die ihm nach Verletzungen helfen. Er ist einfach jemand, der alle miteinbezieht und nicht nur auf sich schaut.

Tapalovic zeigt sich von Neuers Ehrgeiz beeindruckt
Wie viel hat es Ihnen bedeutet, dass er sich für Sie einsetzte, gerade auch nach Ihrem Abschied vom FC Bayern?
So wie es gelaufen ist, war es nicht schön. Es war für uns beide ein Schlag ins Gesicht, weil wir uns nichts zu Schulden haben kommen lassen. Entsprechend schwer war es für uns, das zu verstehen. Und in so einer Situation ist es natürlich immer schön, wenn jemand etwas Positives über dich sagt. Aber am Ende war es so wie es war.
Generell: Was macht ihn besonders?
Sein Ehrgeiz. Er will immer gewinnen und stellt sich immer in den Dienst der Mannschaft, egal was ist. Selbst wenn er fünf Tage nicht trainiert, Fieber hat und normalerweise nicht spielen dürfte, ist er derjenige, der sagt, ich will der Mannschaft helfen und stelle mich ins Tor. Das ist schon besonders. Er sieht sich da an der letzten Stelle.
So wie es gelaufen ist, war es nicht schön. Es war für uns beide ein Schlag ins Gesicht, weil wir uns nichts zu Schulden haben kommen lassen.
Tapalovic schwärmt von Freundschaft mit Neuer
Ist er neben dem Platz ähnlich?
Weil jeder seine Familie und seine Arbeit hat, telefonieren wir aktuell ein bisschen weniger. Aber egal was ist: Man kann sich immer auf ihn verlassen. Wenn man ihn braucht, ist er da.
Haben Sie so eine Freundschaft nochmal im Profifußball erlebt?
Sie ist schon speziell. Das gibt es selten im Fußball. Aber so eine Konstellation muss sich ergeben. Wenn Sie einen Freund in der Redaktion haben, versuchen sie sich auch gegenseitig zu helfen. Da versuchen Sie auch, dass es Ihnen beiden gut geht. Und wenn Sie beide hochkommen und Erfolge feiern können, ist es eine Win-Win-Situation für alle. Schöner geht es nicht. Und so war es bei mir und Manuel auch.
Und abschließend: Was wünschen Sie ihm zum Geburtstag?
Ich wünsche ihm Gesundheit, dass er glücklich ist und es seiner Familie gut geht. Das ist das Wichtigste.